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Kopf und Nerven

Migräne: Anzeichen, Auslöser und Behandlung

Migräne ist mehr als starker Kopfschmerz: Die Attacken kehren wieder, dauern Stunden bis Tage und gehen oft mit Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit einher. Akutbehandlung und Vorbeugung können vielen Betroffenen helfen.

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Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Migräne ist eine häufige neurologische Erkrankung mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken. Typisch sind mäßig starke bis starke, pulsierende und oft einseitige Schmerzen, die sich bei Bewegung verstärken, dazu Übelkeit und Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusche. Unbehandelt dauert eine Attacke 4 Stunden bis 3 Tage.

Gegen leichtere Attacken helfen vielen Betroffenen rezeptfreie Schmerzmittel, gegen stärkere spezielle Migränemittel, die Triptane. Nehmen Sie Schmerz- und Migränemittel an höchstens 10 Tagen im Monat, sonst können die Mittel selbst Kopfschmerzen auslösen.

Bei häufigen oder sehr belastenden Attacken kann eine Vorbeugung sinnvoll sein. Lassen Sie zu Beginn ärztlich klären, ob es sich wirklich um Migräne handelt.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine eigenständige Kopfschmerzerkrankung mit immer wiederkehrenden Attacken. Sie ist die zweithäufigste Form von Kopfschmerzen.

Etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern haben wiederkehrende Migräneattacken. Bei vielen Frauen tritt die Migräne erstmals mit der ersten Regelblutung auf. Manche Betroffene haben nur gelegentlich eine Attacke, andere sind jeden Monat an mehreren Tagen eingeschränkt.

Die genauen Ursachen sind nicht geklärt. Vermutet werden entzündliche Vorgänge an Blutgefäßen im Gehirn und eine veränderte Verarbeitung von Schmerzsignalen.

Treten an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate Kopfschmerzen auf, sprechen Fachleute von chronischer Migräne. Sie betrifft weniger als 2 von 100 Menschen mit Migräne.

Woran erkennen Sie eine Migräneattacke?

Kennzeichnend sind starke, meist pulsierende Kopfschmerzen mit Begleitbeschwerden. Von Migräne spricht man, wenn die typischen Beschwerden mindestens fünfmal aufgetreten sind.

Manche Menschen erleben vor oder zu Beginn des Kopfschmerzes eine Aura: Sehstörungen wie Lichtblitze, ungewöhnliche Formen oder verschwommenes, welliges Sehen, außerdem Kribbeln, Sprachstörungen oder vorübergehende Lähmungen. Eine Aura klingt meist innerhalb einer Stunde folgenlos ab.

  • Mäßige bis starke, pochende oder hämmernde Schmerzen, oft auf einer Kopfseite, die Seite kann wechseln
  • Verstärkung bei körperlicher Aktivität und das Bedürfnis, sich in einen ruhigen, dunklen Raum zurückzuziehen
  • Übelkeit, manchmal Erbrechen
  • Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusche oder Gerüche

Migräne: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Plötzlich einsetzende, extrem starke Kopfschmerzen, anders als alle bisherigen
  • Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen, die erstmals oder anders als Ihre gewohnte Aura auftreten
  • Kopfschmerzen mit hohem Fieber, steifem Nacken oder Verwirrtheit

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Aura-Beschwerden, die deutlich länger als eine Stunde anhalten
  • Eine Attacke dauert länger als 3 Tage oder anhaltendes Erbrechen verhindert, dass Sie Flüssigkeit oder Medikamente bei sich behalten

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Erstmals migräneartige oder unklare Kopfschmerzen
  • Ihre gewohnten Kopfschmerzen verändern sich in Art, Stärke oder Häufigkeit
  • Sie brauchen Schmerz- oder Migränemittel an mehr als 10 Tagen im Monat
  • 3 oder mehr belastende Attacken im Monat oder Akutmittel helfen nicht
  • Fragen zu Migränemitteln bei Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Welche Auslöser kann eine Migräne haben?

Auslöser sind von Mensch zu Mensch verschieden. Sie verursachen die Migräne nicht, können aber eine Attacke begünstigen.

Ein Kopfschmerztagebuch hilft, persönliche Auslöser zu erkennen. Notieren Sie Beginn, Stärke und Dauer der Attacken, Begleitbeschwerden, Essen, Trinken und eingenommene Medikamente. Das Tagebuch unterstützt auch die Praxis bei der Diagnose und zeigt, ob eine Behandlung oder eine veränderte Gewohnheit wirkt.

  • Stress, aber auch das Nachlassen von Anspannung, etwa am Wochenende oder in den ersten Urlaubstagen
  • Unregelmäßige Schlafzeiten und unregelmäßige Mahlzeiten
  • Bei manchen Menschen bestimmte Getränke, zum Beispiel Rotwein

Wie wird Migräne festgestellt?

Die Diagnose ergibt sich vor allem aus einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Bildgebende Verfahren sind nur nötig, wenn Fragen offenbleiben.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Art, Ort und Beginn der Schmerzen, nach früheren Attacken, Begleitbeschwerden und Medikamenten. Meist lässt sich Migräne danach sicher einordnen. Bleiben Zweifel, kann zum Beispiel eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes folgen. Erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis, bei schwierigen Verläufen die Neurologie. Eine Selbstbehandlung ist erst sinnvoll, wenn geklärt ist, dass es sich wirklich um Migräne handelt.

Was hilft bei einer akuten Migräneattacke?

Ruhe, ein abgedunkelter Raum und Kühlung der schmerzenden Kopfseite lindern bei vielen die Beschwerden. Bei stärkeren Schmerzen kommen Schmerzmittel oder Triptane infrage.

Rezeptfrei erhältlich sind Paracetamol sowie die entzündungshemmenden Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen. Nicht jedes Mittel passt für jeden: Bei Magengeschwüren, Lebererkrankungen oder erhöhter Blutungsneigung sind manche ungeeignet. Kinder und Jugendliche sollten ASS nur nach ärztlicher Anweisung bekommen. Lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie sich in der Apotheke beraten.

Triptane sind speziell gegen Migräne entwickelte Wirkstoffe. Sie können Schmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit lindern, eignen sich aber nicht für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zwei Wirkstoffe aus dieser Gruppe gibt es in niedriger Dosierung rezeptfrei. Hilft ein Triptan nicht, kann ein anderes einen Versuch wert sein. Gegen starke Übelkeit gibt es Mittel, die ärztlich verordnet werden. Ob und welches Medikament für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Warum können zu viele Schmerzmittel Kopfschmerzen machen?

Werden Schmerz- oder Migränemittel zu oft eingenommen, können sie selbst dauerhafte Kopfschmerzen auslösen. Fachleute sprechen von Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch.

Als Übergebrauch gilt, wenn Sie über drei Monate einfache Schmerzmittel an 15 oder mehr Tagen im Monat oder Triptane an 10 oder mehr Tagen im Monat einnehmen. Entscheidend ist die Zahl der Tage, nicht die Menge an einem Tag. Betroffen sind schätzungsweise 1 bis 2 von 100 Menschen, vor allem Frauen mittleren Alters mit Migräne.

Die Behandlung besteht meist in einer ärztlich begleiteten Medikamentenpause von etwa 7 bis 14 Tagen oder im Beginn einer Vorbeugung. Danach gilt: Akutmittel an höchstens 10 Tagen im Monat und nicht an mehr als 3 Tagen hintereinander.

Wann ist eine Vorbeugung gegen Migräne sinnvoll?

Eine vorbeugende Behandlung kommt infrage, wenn die Attacken häufig, sehr stark oder lang sind oder Akutmittel nicht ausreichen. Als Erfolg gilt, wenn sich die Zahl der Attacken halbiert.

Zur Vorbeugung mit Medikamenten werden verschiedene Wirkstoffgruppen eingesetzt, darunter Betablocker, bestimmte Mittel gegen Epilepsie, bestimmte Antidepressiva, ein Kalziumkanalblocker und, wenn andere Mittel nicht helfen, gespritzte Antikörper. Die Wirkung setzt langsam ein; es kann bis zu 2 Monate nach Erreichen der Zieldosis dauern. Nach 6 bis 12 Monaten wird meist eine Pause erwogen. Welche Vorbeugung passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen.

Ohne Medikamente können regelmäßiger Ausdauersport wie zügiges Gehen, Schwimmen oder Aerobic, Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training und eine kognitive Verhaltenstherapie helfen. Außerdem gibt es digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gegen Migräne, die verordnet werden können.

  • 3 oder mehr belastende Attacken im Monat
  • Attacken, die oft länger als 3 Tage dauern oder besonders schwer sind
  • Akutmittel wirken nicht oder werden nicht vertragen
  • Akutmittel werden an mehr als 10 Tagen im Monat gebraucht

Häufige Fragen zu Migräne

Was ist der Unterschied zwischen Migräne mit und ohne Aura?

Bei einer Migräne mit Aura gehen dem Kopfschmerz vorübergehende Seh-, Gefühls- oder Sprachstörungen voraus, die meist innerhalb einer Stunde abklingen. Treten solche Beschwerden zum ersten Mal auf, lassen Sie sie ärztlich abklären, denn ähnliche Zeichen kommen auch bei einem Schlaganfall vor.

Können Kinder Migräne haben?

Ja, etwa 4 bis 5 von 100 Kindern haben Migräne, Mädchen und Jungen gleich häufig. Die Attacken sind oft kürzer, und manchmal fehlen die Kopfschmerzen ganz, während Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel im Vordergrund stehen.

Kann Migräne von selbst wieder verschwinden?

Migräne kann sich im Lauf der Jahre bessern. In der Schwangerschaft bleiben die Attacken bei vielen Frauen aus, und nach den Wechseljahren verschwinden sie oft ganz.

Hilft Sport gegen Migräne?

Regelmäßiger Ausdauersport kann helfen, Attacken vorzubeugen. Während einer Attacke verstärkt Bewegung die Schmerzen jedoch meist, dann ist Ruhe besser.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium gegen Migräne?

Für Mittel wie Magnesium oder Mutterkraut ist ein vorbeugender Nutzen nicht ausreichend belegt. Sie können Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten in Wechselwirkung treten; fragen Sie vor der Einnahme in der Apotheke nach.

Können Akupunktur oder Biofeedback bei Migräne helfen?

Akupunktur kann bei manchen Menschen die Zahl der Attacken verringern. Biofeedback, bei dem man lernt, Körpersignale bewusst zu beeinflussen, kann ebenfalls helfen, braucht aber viele Sitzungen und wird von den Krankenkassen meist nicht bezahlt.

Was tun, wenn Migränemittel nicht mehr helfen?

Lassen Sie prüfen, ob ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch dahintersteckt oder ob eine Vorbeugung sinnvoll ist. Ein anderes Triptan oder eine andere Darreichungsform kann einen Versuch wert sein; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Migräne. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente gegen Migräne. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Migränevorbeugung für Erwachsene. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen. Abgerufen am .
  5. AWMF, Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): S1-Leitlinie Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (Registernummer 030-057). Abgerufen am .
  6. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Migräne. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Schlaganfall. Abgerufen am .
  8. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Glossar: Hirnhautentzündung. Abgerufen am .

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