Zum Inhalt springen

Herz und Kreislauf

Bluthochdruck: Werte, Ursachen und Behandlung

Bluthochdruck macht oft lange keine Beschwerden, belastet aber Herz, Gefäße und Nieren. Hier lesen Sie, ab wann Werte als erhöht gelten, wie Sie zu Hause richtig messen und was die Behandlung umfasst.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Von Bluthochdruck (Hypertonie) spricht man, wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist. Bei Erwachsenen gilt ein in der Praxis gemessener Wert unter 140/90 mmHg als normal. Für Messungen zu Hause gilt eine niedrigere Grenze: Liegt der Mittelwert über 135/85 mmHg, ist er erhöht.

Die meisten Betroffenen spüren nichts davon. Über Jahre steigt aber das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenschäden. Ein gesünderer Lebensstil und, wenn nötig, Medikamente können den Blutdruck senken.

Eine einzelne Messung genügt nie für die Diagnose. Welcher Zielwert für Sie passt, besprechen Sie am besten mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

Was ist Bluthochdruck?

Bluthochdruck bedeutet, dass das Blut über längere Zeit mit zu hohem Druck gegen die Wände der Arterien drückt. Kurze Anstiege, etwa beim Sport oder bei Aufregung, sind dagegen normal.

Ein Blutdruckwert besteht aus zwei Zahlen in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg): Der obere, systolische Wert entsteht, wenn das Herz Blut in die Gefäße pumpt, der untere, diastolische, während der Herzmuskel entspannt.

Bluthochdruck ist sehr verbreitet: In Deutschland haben etwa 50 % der Männer und etwa 40 % der Frauen erhöhte Werte, mit dem Alter deutlich häufiger. Etwa 15 % der Erwachsenen mit Bluthochdruck wissen nichts davon.

Ab welchen Werten spricht man von Bluthochdruck?

In der Arztpraxis gelten bei Erwachsenen Werte unter 140/90 mmHg als normal. Liegt der obere oder der untere Wert wiederholt darüber, besteht ein Bluthochdruck.

Beim Arztbesuch sind viele Menschen angespannt, die Werte fallen dort höher aus. Ein auffälliger Wert wird deshalb immer überprüft, am aussagekräftigsten mit einer 24-Stunden-Messung, alternativ mit Messreihen zu Hause.

  • Selbstmessung zu Hause: Mittelwert aus sieben Tagen mit Messungen morgens und abends; über 135/85 mmHg gilt als erhöht.
  • 24-Stunden-Messung: Ein tragbares Gerät misst alle 15 bis 30 Minuten, auch nachts. Ein Mittelwert über 135/85 mmHg gilt als erhöht.

Bluthochdruck: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Sehr hoher Blutdruck zusammen mit Atemnot oder starker Enge in der Brust
  • Plötzliche Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen oder Verwirrtheit
  • Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Werte über 180/110 mmHg, die nach 30 Minuten Ruhe nicht sinken oder mit Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit einhergehen
  • Sehr hohe Werte in der Schwangerschaft

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Wiederholt erhöhte Werte in der Praxis oder im Mittel über 135/85 mmHg zu Hause
  • Nebenwirkungen nach Beginn oder Wechsel eines Blutdruckmittels
  • Der vereinbarte Zielwert wird trotz Behandlung nicht erreicht
  • Regelmäßige Kontrolle bei bekanntem Bluthochdruck
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Bei den meisten Menschen lässt sich keine einzelne Ursache finden. Fachleute sprechen dann von primärem oder essenziellem Bluthochdruck.

Bei etwa 5 von 100 Betroffenen steckt eine andere Erkrankung dahinter, zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine verengte Nierenarterie (sekundärer Bluthochdruck). Auch manche Arzneimittel können den Blutdruck etwas anheben, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel, abschwellende Nasensprays oder östrogenhaltige Verhütungsmittel. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Ihre Praxis darauf an.

  • Übergewicht und wenig Bewegung
  • salzreiches Essen
  • regelmäßig viel Alkohol
  • Rauchen
  • familiäre Veranlagung, die auch schlanke und aktive Menschen betreffen kann

Wie wird Bluthochdruck festgestellt?

Für die Diagnose braucht es mehrere Messungen an verschiedenen Tagen. Dazu kommen ein ärztliches Gespräch und je nach Situation weitere Untersuchungen.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Erkrankungen in der Familie, Medikamenten und Gewohnheiten wie dem Rauchen. Blut- und Urinuntersuchungen zeigen, wie gut die Nieren arbeiten, ein EKG kann Herzrhythmusstörungen aufdecken. Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von Alter und Risiko ab.

Zusammen mit Blutfetten, Blutzucker und Rauchen lässt sich so das persönliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abschätzen, siehe auch Diabetes Typ 2.

Wie messe ich meinen Blutdruck zu Hause richtig?

Verlässliche Werte liefert ein elektronisches Oberarmgerät, wenn Sie in Ruhe und immer gleich messen. Lassen Sie sich das Gerät in Praxis oder Apotheke erklären.

Bei Handgelenkgeräten muss das Handgelenk auf Herzhöhe sein. Bei manchen Herzrhythmusstörungen oder verhärteten Gefäßen messen digitale Geräte weniger zuverlässig. Die Deutsche Hochdruckliga prüft Geräte auf Messgenauigkeit und vergibt ein Prüfsiegel.

Besonders wichtig sind Messungen in den ersten 4 bis 6 Wochen nach einer Umstellung der Medikamente und täglich in der Woche vor einem Kontrolltermin.

  • Messen Sie morgens und abends, jeweils etwa zur selben Uhrzeit.
  • Setzen Sie sich aufrecht hin, beide Füße locker auf dem Boden, und ruhen Sie sich vorher mindestens 5 Minuten aus.
  • Legen Sie die Manschette auf den freien Oberarm, etwa 2 bis 3 cm oberhalb der Ellenbeuge. Zeige- und Mittelfinger sollten gerade noch darunter passen. Die Manschettengröße muss zu Ihrem Arm passen.
  • Legen Sie den Arm entspannt auf Herzhöhe ab, zum Beispiel auf einen Tisch. Sprechen und bewegen Sie sich während der Messung nicht.
  • Messen Sie zweimal hintereinander mit 1 bis 2 Minuten Abstand und notieren Sie alle Werte.
  • Messen Sie immer am selben Arm, an dem mit den höheren Werten.

Wie wird Bluthochdruck behandelt?

Am Anfang steht der Lebensstil. Reicht das nicht oder ist der Blutdruck deutlich erhöht, kommen Medikamente hinzu.

Mehr Bewegung, Abnehmen und weniger Salz senken den oberen Wert jeweils um etwa 4 bis 5 mmHg. Zum Vergleich: Ein einzelnes Medikament senkt ihn um etwa 7 bis 8 mmHg.

Häufig eingesetzt werden ACE-Hemmer, Sartane, harntreibende Mittel (Diuretika) und Kalziumantagonisten, oft zwei oder drei davon kombiniert. Ob und welches Medikament für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Einen Zielwert für alle gibt es nicht. Als Orientierung nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie weniger als 140/90 mmHg, je nach Alter, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit auch mehr oder weniger. Medikamente schützen nur bei regelmäßiger Einnahme.

  • Höchstens 6 g Salz am Tag, das ist etwa ein Teelöffel. Selbst kochen hilft, denn Fertigprodukte enthalten oft viel Salz.
  • Pro Woche 2 bis 3 Stunden Ausdauerbewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder leichtes Joggen, bei der Sie sich noch unterhalten können.
  • Bei Übergewicht ein paar Kilo abnehmen, gern mit Unterstützung, siehe Übergewicht.
  • Keinen oder wenig Alkohol trinken und mit dem Rauchen aufhören.

Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich sehr hoch ist?

Ein sehr hoher Wert ohne schwere Beschwerden ist ernst, aber meist kein Notfall. Bleiben Sie ruhig und messen Sie nach etwa 30 Minuten erneut.

Liegt der obere Wert über 180 und der untere über 110 mmHg, sprechen Fachleute von einer Blutdruck-Entgleisung. Mögliche Anzeichen sind ein roter Kopf, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit. Häufige Auslöser sind vergessene oder weggelassene Blutdruckmittel, Stress, Schmerzen oder Alkohol.

Sind die Werte dann nicht besser oder halten die Beschwerden an, rufen Sie Ihre Praxis an, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Schwangere brauchen bei so hohen Werten sofort ärztliche Hilfe. Bei Warnzeichen wie Brustenge, Atemnot oder Lähmungen wählen Sie 112.

Was zahlt die Krankenkasse bei Bluthochdruck?

Beim Gesundheits-Check-up der gesetzlichen Krankenkassen wird auch der Blutdruck gemessen. Zwischen 18 und 34 Jahren besteht einmal Anspruch darauf, ab 35 Jahren alle drei Jahre.

Bei Bluthochdruck kann ein Messgerät ärztlich verordnet werden; meist bleiben trotzdem eigene Kosten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) überprüft den Check-up derzeit, Altersgrenzen und Inhalte können sich ändern.

Kontrolltermine sind je nach Lage auch als Videosprechstunde möglich. Ob das reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Eine Praxis finden Sie über die Arztsuche.

Häufige Fragen zu Bluthochdruck

Kann man Bluthochdruck spüren?

Meist nicht. Viele Betroffene merken jahrelang nichts; Schwindel oder Sehstörungen treten erst bei extrem hohen Werten auf. Sicher erkennen lässt sich Bluthochdruck nur durch Messen.

Ist Bluthochdruck am Oberarm oder am Handgelenk besser zu messen?

Die Leitlinie beschreibt die Messung am Oberarm, diese Geräte sind am weitesten verbreitet. Handgelenkgeräte liefern nur brauchbare Werte, wenn das Handgelenk auf Herzhöhe gehalten wird.

Warum ist der Blutdruck in der Arztpraxis oft höher als zu Hause?

Viele Menschen sind beim Arztbesuch aufgeregt, das treibt den Blutdruck nach oben. Zu Hause gemessene Werte liegen meist etwas niedriger, deshalb ist auch die Grenze für die Selbstmessung niedriger angesetzt.

Wie oft sollte man bei Bluthochdruck selbst messen?

Eine einheitliche Empfehlung gibt es nicht. Häufiger messen sollten Sie nach einer Umstellung der Medikamente und in der Woche vor einem Kontrolltermin; ist der Blutdruck lange stabil, reicht oft weniger. Den passenden Rhythmus besprechen Sie mit Ihrer Praxis.

Welche Nebenwirkungen haben Medikamente gegen Bluthochdruck?

Das hängt von der Wirkstoffgruppe ab. ACE-Hemmer lösen zum Beispiel bei etwa 5 von 100 Menschen trockenen Reizhusten aus. Manche fühlen sich anfangs schlapp; viele Beschwerden lassen nach den ersten Tagen nach.

Müssen Medikamente gegen Bluthochdruck dauerhaft genommen werden?

Sie wirken nur, solange man sie einnimmt, deshalb ist die Behandlung meist langfristig. Absetzen oder Wechseln sollten Sie immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, nie auf eigene Faust.

Welche Rolle spielt Salz bei Bluthochdruck?

Salzreiches Essen gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren. Kaliumhaltiges Ersatzsalz kann den Blutdruck zusätzlich senken; bei Nierenerkrankungen oder Medikamenten, die den Kaliumspiegel beeinflussen, aber nur nach ärztlicher Rücksprache.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Bluthochdruck (Hypertonie). Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie wird der Blutdruck gemessen?. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Den Blutdruck durch einen veränderten Lebensstil senken. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Mit welchen Medikamenten wird Bluthochdruck behandelt?. Abgerufen am .
  5. Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): NVL Hypertonie, Patientenblatt: Wie messe ich meinen Blutdruck richtig?. Abgerufen am .
  6. Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): NVL Hypertonie, Patientenblatt: Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich viel zu hoch ist?. Abgerufen am .
  7. Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): NVL Hypertonie, Patientenblatt: Wie soll der Blutdruck eingestellt sein?. Abgerufen am .
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Gesundheitsuntersuchungen („Check-up“). Abgerufen am .

Fragen zu Bluthochdruck? Sprechen Sie mit einer Praxis.

Termine vor Ort oder per Video, direkt online buchen. Ob ein Videotermin reicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Im Notfall 112, außerhalb der Sprechzeiten 116117.