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Was ist Heuschnupfen?
Bei Heuschnupfen hält das Immunsystem Pollen fälschlich für gefährlich und bildet Antikörper. Beim nächsten Kontakt schütten bestimmte Zellen Botenstoffe wie Histamin aus, die Niesen, Juckreiz und Schwellungen auslösen.
Sind auch die Augen betroffen, sprechen Fachleute von allergischer Rhinokonjunktivitis. Die meisten Betroffenen bemerken die ersten Beschwerden vor dem 20. Lebensjahr.
Eine Neigung zu Allergien liegt oft in der Familie. Luftschadstoffe und Zigarettenrauch begünstigen Allergien. Fachleute vermuten außerdem, dass ein Immunsystem, das in der Kindheit wenig mit Keimen zu tun hatte, eher zu Allergien neigt.
Welche Anzeichen sind typisch für Heuschnupfen?
Heuschnupfen zeigt sich vor allem an Nase und Augen, oft besonders stark an trockenen, warmen Tagen.
Anders als bei einer Erkältung bleibt das Nasensekret meist klar und wässrig, und die Beschwerden halten die ganze Pollensaison an, während eine Erkältung meist nach etwa zwei Wochen vorbei ist.
- häufiges Niesen, oft mehrmals hintereinander
- laufende, wässrige oder verstopfte Nase
- juckende, tränende Augen und geschwollene Lider
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei starken Beschwerden
- Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot als Hinweis, dass die Bronchien beteiligt sind
Heuschnupfen: Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- Plötzliche schwere Atemnot oder ein Asthmaanfall, der sich mit dem Notfallspray nicht bessert
- Schwellung von Zunge, Lippen oder Rachen, Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen
- Schwindel, Kreislaufschwäche oder Ausschlag am ganzen Körper nach einer Allergiespritze oder nach dem Essen
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- Erstmals pfeifende Atmung, Engegefühl in der Brust oder Atemnot während der Pollenzeit
- Starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen zusammen mit Fieber
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- Beschwerden kehren jedes Jahr wieder und stören Schlaf, Arbeit oder Schule
- Rezeptfreie Mittel lindern nicht ausreichend
- Husten oder Kurzatmigkeit in der Pollenzeit
- Kribbeln, Juckreiz oder Schwellung im Mund nach bestimmten Lebensmitteln
- Sie möchten prüfen lassen, ob eine Hyposensibilisierung infrage kommt
- Beschwerden bei Kindern, in der Schwangerschaft oder bei Dauermedikation
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Wann fliegen welche Pollen?
Welche Monate belastend sind, hängt davon ab, auf welche Pollen Sie reagieren. Die Zeiten verschieben sich je nach Wetter und Region.
Durch den Klimawandel blühen manche Pflanzen früher, länger und stärker. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes können Gräser- und Brennnesselpollen bis in den November fliegen. Aktuelle Pollenflugvorhersagen bietet zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst.
- Hasel: ab Februar, bei mildem Wetter teils schon im Dezember
- Erle: März
- Birke: April
- Esche: Mitte April bis Mitte Mai
- Gräser: Mitte Mai bis Mitte August
- Beifuß: Mitte Juli bis Ende August
- Ambrosia (Traubenkraut): September
Kann aus Heuschnupfen Asthma werden?
Ja, Heuschnupfen kann sich über einige Jahre zu allergischem Asthma ausweiten. Fachleute sprechen von einem Etagenwechsel, weil die Allergie von der Nase in die Bronchien wandert.
Menschen mit Allergie und Asthma haben in der Pollenzeit häufiger Asthmaanfälle. Treten Husten, ein Engegefühl in der Brust oder pfeifende Atmung auf, sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Mehr dazu im Beitrag Asthma.
Bis zu 60 Prozent der Menschen mit Pollenallergie reagieren nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes auch auf bestimmte Lebensmittel, etwa Äpfel, Nüsse oder Steinobst. Man spricht von Kreuzallergie. Typisch sind Kribbeln, Jucken oder Schwellungen in Mund und Rachen kurz nach dem Essen.
Wie wird Heuschnupfen festgestellt?
Am Anfang steht das Gespräch über Beschwerden, deren Zeitpunkt und Ihre Lebensumstände. Allergietests zeigen dann, auf welche Pollen Sie reagieren.
Beim Pricktest werden Allergenlösungen auf den Unterarm getropft und die Haut leicht angeritzt; Rötung und Quaddel sprechen für eine Allergie. Ein Bluttest misst Antikörper vom Typ IgE, ein erhöhter Wert ist aber nur ein Hinweis. Bleibt es unklar, kann ein Provokationstest unter ärztlicher Aufsicht folgen, bei dem das Allergen auf die Nasenschleimhaut gebracht wird.
Geben Sie vor einem Hauttest an, welche Medikamente Sie nehmen, weil manche das Ergebnis beeinflussen.
Welche Medikamente helfen bei Heuschnupfen?
Medikamente lindern die Beschwerden, beseitigen aber nicht die Allergie selbst. Oft wird zuerst ein Kortison-Nasenspray empfohlen.
Lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie sich in der Apotheke beraten, besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft oder wenn Sie weitere Medikamente nehmen. Ob ein verschreibungspflichtiges Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Was zahlt die Krankenkasse? Rezeptfreie Arzneimittel sind nach § 34 SGB V von der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen; Erwachsene zahlen sie in der Regel selbst. Ausnahmen gelten für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr.
- Kortison-Nasensprays dämpfen die Entzündung. Sie wirken oft innerhalb von 12 Stunden, voll nach einigen Tagen. Einige sind rezeptfrei, höher dosierte brauchen ein Rezept.
- Antihistaminika blockieren Histamin; als Tablette wirken sie meist innerhalb einer Stunde, als Nasenspray nach etwa 15 Minuten. Viele sind rezeptfrei. Tabletten können müde machen.
- Kombinationssprays aus Antihistaminikum und Kortison wirken stärker als die Einzelwirkstoffe und sind verschreibungspflichtig.
- Abschwellende Nasensprays helfen kurzfristig, sollten aber höchstens 5 bis 7 Tage angewendet werden, weil die Nase sonst wieder zuschwillt.
- Cromone und Leukotrienrezeptor-Antagonisten sind weitere Möglichkeiten; Letztere wirken schwächer als Kortison-Sprays oder Antihistaminika.
Was ist eine Hyposensibilisierung?
Die Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie genannt, soll das Immunsystem schrittweise an das Allergen gewöhnen. Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache der Allergie ansetzt.
Sie erhalten regelmäßig kleine Mengen des Allergens, entweder als Spritze unter die Haut in der Praxis oder täglich zu Hause als Tropfen oder Tablette unter der Zunge. Die Behandlung dauert mindestens drei bis fünf Jahre und ist für Kinder und Erwachsene möglich.
In Studien verringerte sie bei allergischem Schnupfen die Beschwerden und den Bedarf an Medikamenten. Nicht alle profitieren jedoch, und nach dem Ende können die Beschwerden zurückkehren. Möglicherweise beugt sie auch einem Asthma vor.
Häufig sind leichte Nebenwirkungen wie Rötung an der Einstichstelle, Juckreiz im Mund oder Niesen. Schwere allergische Reaktionen sind selten: In Studien musste bei weniger als 1 von 1.000 Spritzen eine Reaktion mit Adrenalin behandelt werden. Deshalb bleiben Sie nach jeder Spritze mindestens 30 Minuten in der Praxis. Ob die Behandlung infrage kommt, etwa bei Herzerkrankungen oder Asthma, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Was können Sie in der Pollenzeit selbst tun?
Pollen ganz zu meiden ist kaum möglich. Einige Gewohnheiten können die Belastung aber verringern.
Reicht das nicht aus, kann eine ärztliche Behandlung bei Heuschnupfen helfen, die passende Therapie zu finden.
- Die Pollenflugvorhersage verfolgen und bei starkem Pollenflug die Fenster geschlossen halten.
- In der Stadt eher morgens lüften, auf dem Land eher abends.
- Vor dem Schlafengehen die Haare waschen und Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen.
- Im Auto die Fenster schließen und den Pollenfilter regelmäßig wechseln lassen.
- Nicht rauchen und Rauch sowie sehr trockene Luft meiden.
Häufige Fragen zu Heuschnupfen
Kann Heuschnupfen auch im Winter auftreten?
Ja. Haselpollen können bei mildem Wetter schon im Dezember fliegen, Gräser- und Brennnesselpollen teils bis in den November. Beschwerden das ganze Jahr sprechen eher für eine andere Allergie, etwa gegen Hausstaubmilben.
Wann sollte eine Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen beginnen?
Nach Angaben des IQWiG waren die Nebenwirkungen vergleichbar, egal ob die Behandlung in der Pollenzeit oder im Winter begann. Wann Sie starten, legt die Ärztin oder der Arzt je nach Präparat fest.
Hilft eine Nasendusche bei Heuschnupfen?
Spülungen mit Salzlösung können die Beschwerden lindern. Regelmäßig angewendet können sie nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes den Bedarf an Allergiemedikamenten senken, ersetzen sie aber meist nicht ganz.
Heißt ein positiver Allergietest automatisch Heuschnupfen?
Nein. Ein positiver Haut- oder Bluttest zeigt nur, dass das Immunsystem auf einen Stoff reagiert. Von Heuschnupfen spricht man erst, wenn dazu passende Beschwerden in der Pollenzeit auftreten.
Darf man mit Heuschnupfen Auto fahren?
Starke Beschwerden und manche Antihistaminika können müde machen und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Beachten Sie die Hinweise in der Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke nach, wenn Sie unsicher sind.
Hilft eine Hyposensibilisierung auch gegen Tierhaare oder Schimmel?
Zugelassene Präparate gibt es vor allem für Gräser-, Getreide-, Kräuter- und Baumpollen, Hausstaubmilben sowie Bienen- und Wespengift. Für Tierhaar- und Schimmelpilzallergien ist die Wirksamkeit weniger gut belegt.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Heuschnupfen. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Welche Medikamente können Heuschnupfen lindern?. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) bei Heuschnupfen. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Welche Allergietests gibt es?. Abgerufen am .
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Heuschnupfen. Abgerufen am .
- Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB): Heuschnupfen: Pollenallergie. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .