Zum Inhalt springen

Kopf und Nerven

Schlafstörungen (Insomnie): Ursachen, Selbsthilfe und Behandlung

Fast jeder Mensch schläft manchmal schlecht. Halten schlechte Nächte über Wochen an und belasten den Tag, sprechen Fachleute von einer Schlafstörung. Für sie gibt es gut untersuchte Behandlungen, auch ohne Medikamente.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten6 Quellen

Kurz gefasst

Von einer Schlafstörung (Insomnie) sprechen Fachleute, wenn Sie über mehr als einen Monat an mindestens drei Nächten pro Woche schlecht ein- oder durchschlafen oder zu früh aufwachen und das den Tag beeinträchtigt, etwa durch Erschöpfung, Gereiztheit oder Konzentrationsprobleme. Einzelne schlechte Nächte gehören dagegen zum normalen Leben.

Als wirksamste Behandlung gilt die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt sie allen Betroffenen als ersten Schritt, auch wenn zusätzlich eine andere Erkrankung besteht. Verschreibungspflichtige Schlafmittel kommen eher infrage, wenn diese Therapie nicht ausreicht, und dann nur für kurze Zeit, weil manche abhängig machen können.

Halten die Probleme an, lohnt sich ein Gespräch in der hausärztlichen Praxis. Dort wird auch geprüft, ob eine körperliche oder seelische Ursache dahintersteckt.

Was ist eine Schlafstörung (Insomnie)?

Bei einer Insomnie gelingt es über längere Zeit nicht, ein- oder durchzuschlafen oder bis zum Morgen zu schlafen, und der Tag leidet darunter. Sie gehört zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden.

Etwa ein Drittel der Menschen kennt Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Eine behandlungsbedürftige Insomnie haben nach Angaben der Fachgesellschaften etwa 5 bis 10 von 100 Erwachsenen in Deutschland. Frauen und ältere Menschen sind häufiger betroffen.

Der Schlafbedarf ist sehr unterschiedlich. Als grober Richtwert gelten für Erwachsene etwa sieben Stunden, für Menschen über 80 Jahre etwa sechs. Etwa eine halbe Stunde bis zum Einschlafen ist normal. Entscheidend ist, ob Sie sich tagsüber erholt fühlen.

Nach der neuen internationalen Klassifikation ICD-11 setzt die Diagnose einer dauerhaften Insomnie voraus, dass die Beschwerden mehrmals pro Woche über mindestens drei Monate auftreten.

Woran erkennen Sie eine Insomnie?

Typisch sind langes Wachliegen, häufiges Aufwachen oder zu frühes Erwachen, verbunden mit Beschwerden am Tag.

  • Sie brauchen lange zum Einschlafen, oft mit kreisenden Gedanken.
  • Sie wachen nachts mehrmals auf und finden schwer wieder in den Schlaf.
  • Sie erwachen sehr früh und können nicht mehr einschlafen.
  • Der Schlaf fühlt sich unruhig und wenig erholsam an.
  • Tagsüber sind Sie müde, erschöpft, gereizt oder weniger konzentriert.
  • Sie denken viel über den Schlaf nach und sorgen sich schon vor der nächsten Nacht.

Schlafstörungen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Gedanken, sich das Leben zu nehmen
  • Verdacht auf zu viele Schlaftabletten, besonders zusammen mit Alkohol, oder jemand ist nicht mehr richtig wach zu bekommen

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Starke Benommenheit, nächtliche Verwirrtheit oder ein Sturz nach Einnahme eines Schlafmittels

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Schlafprobleme an mindestens drei Nächten pro Woche seit mehr als einem Monat, die Sie tagsüber belasten
  • Lautes Schnarchen mit beobachteten Atemaussetzern oder starke Tagesmüdigkeit
  • Unangenehme Beinbeschwerden am Abend mit Bewegungsdrang
  • Sie nehmen regelmäßig Schlafmittel und möchten das ändern
  • Zusätzlich gedrückte Stimmung, Ängste oder anhaltende Erschöpfung
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was sind Ursachen und Auslöser von Schlafstörungen?

Oft beginnen Schlafprobleme mit Stress oder belastenden Ereignissen. Sie halten sich dann durch ungünstige Gewohnheiten und die Angst vor der nächsten schlechten Nacht.

Wer schlecht schläft, versucht oft gegenzusteuern: früher ins Bett, Nickerchen am Tag, mehr Kaffee, abends Alkohol. Das kann die Störung verfestigen, auch wenn der Auslöser längst vorbei ist. Weitere mögliche Ursachen:

  • Sorgen, Stress und belastende Ereignisse wie Trennung oder schwere Krankheit
  • Schichtarbeit, Lärm und unregelmäßige Schlafzeiten
  • Alkohol, Koffein, Nikotin und Drogen
  • Schmerzen, nächtlicher Harndrang oder Hitzewallungen, etwa in den Wechseljahren
  • Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe), unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom) oder Zähneknirschen
  • Seelische Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen
  • Bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Antidepressiva

Wie wird eine Schlafstörung festgestellt?

Grundlage sind ein ausführliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung, ein Schlaftagebuch und Fragebögen.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Medikamenten, Koffein, Alkohol und anderen Substanzen, nach Belastungen sowie nach körperlichen und seelischen Erkrankungen. Blutuntersuchungen können Hinweise auf andere Ursachen geben, etwa eine Erkrankung der Schilddrüse, der Nieren, des Herzens oder der Lunge, die dann mitbehandelt wird.

Im Schlaftagebuch notieren Sie, wann Sie ins Bett gegangen sind, wie lange Sie wach lagen und wie erholt Sie sich fühlen. Eine Untersuchung im Schlaflabor ist nur nötig, wenn ein begründeter Verdacht auf eine andere Schlafstörung besteht, zum Beispiel auf nächtliche Atemaussetzer oder Beinbewegungen.

Welche Behandlung empfiehlt die Leitlinie?

An erster Stelle steht die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (KVT-I). Sie gilt als das am besten untersuchte Verfahren und hilft vielen Menschen auch über längere Zeit.

Die KVT-I ist eine auf den Schlaf ausgerichtete Psychotherapie. Sie findet einzeln, in Gruppen oder als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) statt. Bausteine sind Wissen über den Schlaf, Entspannungsverfahren, die Stimuluskontrolle (das Bett wieder fest mit Schlafen verbinden), die Bettzeitrestriktion (die Zeit im Bett vorübergehend an die tatsächliche Schlafdauer anpassen) und das Bearbeiten belastender Gedanken rund um den Schlaf. Die Bettzeitrestriktion sollte fachlich angeleitet werden, weil sie anfangs vorübergehend müder machen kann.

Reicht die KVT-I nicht aus oder ist sie nicht möglich, kann eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden, bei älteren Menschen mit besonderer Zurückhaltung. Ob und welches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was sollten Sie über Schlafmittel wissen?

Verschreibungspflichtige Schlafmittel können kurzfristig helfen, sind aber nicht für eine Dauerbehandlung gedacht. Vor allem Benzodiazepine und die verwandten Z-Substanzen können schnell abhängig machen.

Für Benzodiazepine und Z-Substanzen ist eine Wirkung belegt, wenn sie höchstens vier Wochen eingenommen werden; meist werden sie auch nur so lange verordnet. Zu den Risiken gehören Gewöhnung und Abhängigkeit, Benommenheit am nächsten Tag mit eingeschränkter Fahrtüchtigkeit, nächtliche Verwirrtheit und Stürze. Nach dem Absetzen kann der Schlaf vorübergehend schlechter werden. Wenn Sie ein Schlafmittel länger genommen haben, besprechen Sie das Absetzen deshalb mit Ihrer Praxis. Nehmen Sie Schlafmittel nie zusammen mit Alkohol ein.

Weitere Wirkstoffgruppen sind sedierende Antidepressiva, Orexin-Rezeptor-Antagonisten und Mittel mit dem Schlafhormon Melatonin. Auch sie sind nach der Leitlinie nicht für eine Langzeitbehandlung vorgesehen.

Rezeptfreie Schlafmittel aus der Gruppe der Antihistaminika empfiehlt die Leitlinie nicht, ebenso wenig pflanzliche Mittel wie Baldrian, für die kaum ein Nutzen belegt ist. Lassen Sie sich vor jeder Einnahme in der Apotheke beraten und lesen Sie die Packungsbeilage.

Was können Sie selbst für besseren Schlaf tun?

Feste Gewohnheiten und ein gelassener Umgang mit dem Schlaf helfen vielen Menschen. Bei einer ausgeprägten Insomnie ersetzen diese Regeln aber keine Behandlung.

  • Stehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit auf.
  • Gehen Sie erst ins Bett, wenn Sie wirklich müde sind, und nutzen Sie das Bett nur zum Schlafen.
  • Stehen Sie auf, wenn Sie nicht einschlafen können oder sich ärgern, und gehen Sie erst schläfrig zurück ins Bett.
  • Verzichten Sie auf Nickerchen am Tag und auf das Einnicken vor dem Fernseher.
  • Trinken Sie nach dem Mittagessen keinen Kaffee, schwarzen Tee oder Cola mehr. Bei empfindlichen Menschen kann Koffein bis zu 11 Stunden wirken.
  • Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe: Er macht den Schlaf in der Nacht unruhig.
  • Schauen Sie nachts nicht auf die Uhr und schreiben Sie Sorgen vor dem Zubettgehen auf.
  • Üben Sie ein Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung möglichst täglich.

Was zahlt die Krankenkasse bei Schlafstörungen?

Digitale Gesundheitsanwendungen aus dem Verzeichnis des BfArM bezahlt die gesetzliche Krankenkasse, wenn sie ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet oder von der Kasse genehmigt werden. Für Insomnie gibt es solche Programme mit Inhalten der KVT-I.

Die Leitlinie bevorzugt die KVT-I in Präsenz, etwa in psychotherapeutischen Praxen oder schlafmedizinischen Zentren. Ob für das erste Gespräch eine Videosprechstunde reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen zu Schlafstörungen

Was ist der Unterschied zwischen Schlafproblemen und einer Schlafstörung?

Schlechter Schlaf nach einem anstrengenden Tag oder vor einem wichtigen Termin ist normal und vergeht meist von selbst. Von einer Schlafstörung spricht man erst, wenn die Beschwerden regelmäßig über Wochen bestehen und den Alltag beeinträchtigen.

Können Schlafstörungen auf Dauer krank machen?

Eine unbehandelte Insomnie mindert die Lebensqualität deutlich. Sie gilt außerdem als Risikofaktor für Depressionen, Angststörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Helfen Apps gegen Schlafstörungen?

Es gibt digitale Gesundheitsanwendungen, die Inhalte der kognitiven Verhaltenstherapie für Insomnie vermitteln und verordnet werden können. Nach der Leitlinie wirken digitale Programme besser, wenn sie mit persönlicher therapeutischer Begleitung verbunden sind.

Ist Melatonin bei Schlafstörungen sinnvoll?

Melatoninhaltige Arzneimittel werden vor allem bei einem gestörten Schlaf-wach-Rhythmus eingesetzt, etwa bei Schichtarbeit oder Jetlag. Für eine Dauerbehandlung der Insomnie empfiehlt die Leitlinie Melatonin nicht; besprechen Sie die Einnahme mit Ihrer Praxis oder Apotheke.

Wozu dient ein Schlaftagebuch bei Schlafstörungen?

Es macht Muster sichtbar, die sonst leicht übersehen werden, etwa lange Bettzeiten, Nickerchen oder den Einfluss von Kaffee und Alkohol. Die Praxis kann damit den Schweregrad einschätzen, und viele Übungen der Verhaltenstherapie bauen darauf auf.

Helfen Hausmittel wie warme Milch bei Schlafstörungen?

Warme Milch, Kräutertee oder ein warmes Fußbad sind als Abendritual beliebt und können beim Entspannen helfen. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich kaum untersucht; eine anhaltende Insomnie behandeln sie nicht.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schlafprobleme und Schlafstörungen (Insomnie). Abgerufen am .
  2. AWMF, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen, Update 2025 (Registernummer 063-003). Abgerufen am .
  3. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Schlafstörungen. Abgerufen am .
  4. Neurologen und Psychiater im Netz: Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen. Abgerufen am .
  5. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Ratgeber für Patientinnen und Patienten: Insomnie. Abgerufen am .
  6. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 33a SGB V: Digitale Gesundheitsanwendungen. Abgerufen am .

Weiterlesen und Hilfe finden

Diese Fachrichtungen können helfen

Behandlung und Termine

Beschwerden von A bis Z

Verwandte Gesundheitsthemen

Fragen zu Schlafstörungen? Sprechen Sie mit einer Praxis.

Termine vor Ort oder per Video, direkt online buchen. Ob ein Videotermin reicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Im Notfall 112, außerhalb der Sprechzeiten 116117.