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Psyche

Depression: Anzeichen, Behandlung und Hilfe in Krisen

Eine Depression ist mehr als eine traurige Phase. Hier lesen Sie, woran Sie sie erkennen, welche Behandlungen die Leitlinie empfiehlt und wo Sie sofort Hilfe bekommen.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten6 Quellen

Kurz gefasst

Eine Depression ist eine häufige und gut behandelbare Erkrankung. Typisch sind eine gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit und fehlender Antrieb, die mindestens zwei Wochen lang anhalten. Etwa 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression oder einer lang anhaltenden depressiven Verstimmung.

Die wichtigsten Behandlungen sind Psychotherapie und Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva, je nach Schweregrad allein oder kombiniert. Erste Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis und die psychotherapeutische Sprechstunde.

Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie den Notruf 112 oder wenden Sie sich an die nächste psychiatrische Klinik. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

Was ist eine Depression?

Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, bei der Stimmung, Antrieb und Denken über längere Zeit deutlich verändert sind. Sie ist keine Charakterschwäche und kein Zeichen von fehlendem Willen.

Traurige Phasen gehören zum Leben. Bei einer Depression halten die Beschwerden aber an, lassen sich durch schöne Erlebnisse kaum aufhellen und belasten Beruf, Familie und Alltag. Trauer nach einem Verlust kann sich ähnlich anfühlen. Trauernde Menschen behalten aber meist ihr Selbstwertgefühl und können zwischendurch Freude empfinden.

Viele Betroffene erkranken zum ersten Mal vor dem 30. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere. Halten die Beschwerden länger als zwei Jahre an, sprechen Fachleute von einer chronischen Depression. Etwa die Hälfte der Menschen nach einer ersten depressiven Episode erlebt später eine weitere.

Welche Anzeichen sprechen für eine Depression?

Fachleute unterscheiden drei Hauptsymptome und mehrere Zusatzsymptome. Von einer Depression spricht man, wenn mindestens vier Anzeichen, darunter mindestens zwei Hauptsymptome, wenigstens zwei Wochen lang bestehen.

Eine Depression zeigt sich oft auch körperlich, etwa durch Müdigkeit, Verdauungsbeschwerden oder weniger Lust auf Sex. Ältere Menschen berichten manchmal vor allem über Schmerzen ohne klare Ursache.

  • Hauptsymptome: gedrückte Stimmung, Verlust von Interesse und Freude, Antriebsmangel und schnelle Erschöpfung
  • Probleme mit Konzentration und Aufmerksamkeit
  • geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe
  • innere Unruhe oder verlangsamte Bewegungen und Sprache
  • Schlafstörungen, wenig Appetit und Gewichtsverlust
  • Gedanken an den Tod, Suizidgedanken oder Selbstverletzungen

Depression: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Gedanken oder Pläne, sich das Leben zu nehmen, oder ein Suizidversuch
  • Jemand gefährdet sich selbst oder andere: Notruf 112 oder Polizei 110
  • Bleiben Sie in einer akuten Krise nicht allein. Viele psychiatrische Kliniken haben eine Ambulanz oder Notaufnahme.

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Hoffnungslosigkeit oder Verzweiflung, die innerhalb weniger Tage deutlich zunimmt
  • Sie brauchen sofort jemanden zum Reden: Telefonseelsorge 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123
  • Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Gedrückte Stimmung, Freudlosigkeit oder Antriebsmangel seit mehr als zwei Wochen
  • Schlafprobleme, Erschöpfung oder Grübeln, die den Alltag einschränken
  • Anzeichen einer früheren Depression kehren zurück
  • Fragen zu Nebenwirkungen oder zum Absetzen von Antidepressiva
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Wie entsteht eine Depression?

Meist wirken mehrere Ursachen zusammen: eine erbliche Veranlagung, belastende Erfahrungen und die aktuelle Lebenssituation. Die genauen Abläufe sind noch nicht vollständig geklärt.

Stabile Beziehungen zu anderen Menschen gehen mit einem geringeren Risiko einher. Als Risikofaktoren gelten unter anderem:

  • Depressionen in der Familie
  • belastende Erlebnisse wie Gewalt, Vernachlässigung, Trennung oder der Tod eines nahestehenden Menschen
  • anhaltender Stress, Einsamkeit und ein geringes Einkommen
  • andere psychische Erkrankungen, zum Beispiel Angststörungen oder eine Sucht
  • körperliche Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs oder eine Schilddrüsenunterfunktion
  • wenig Tageslicht im Herbst und Winter

Wie wird eine Depression festgestellt?

Das wichtigste Werkzeug ist ein ausführliches Gespräch mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson. Je offener Sie dabei antworten, desto besser lässt sich die Lage einschätzen.

Gefragt wird nach Stimmung, Antrieb, Schlaf und Gedanken und danach, wie stark die Beschwerden den Alltag einschränken. Oft kommen Fragebögen hinzu. Aus der Zahl der Anzeichen ergibt sich der Schweregrad: leicht, mittelgradig oder schwer.

Weil auch körperliche Erkrankungen ähnliche Beschwerden machen können, gehören bei Bedarf eine körperliche Untersuchung und weitere Untersuchungen dazu. Angehörige können mit Ihrem Einverständnis hilfreiche Beobachtungen beisteuern, etwa bei älteren Menschen.

Wie wird eine Depression behandelt?

Welche Behandlung passt, hängt vor allem vom Schweregrad ab. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt Psychotherapie, Antidepressiva oder beides zusammen, immer ergänzt durch Beratung und Hilfen zur Selbsthilfe.

Antidepressiva wirken nicht sofort. Eine erste Besserung kann sich nach etwa zwei Wochen zeigen, die volle Wirkung meist nach drei bis vier Wochen. Geht es Ihnen besser, wird die Behandlung trotzdem fortgesetzt, mit Medikamenten meist noch sechs bis zwölf Monate. Setzen Sie Antidepressiva nicht eigenmächtig ab. Ob und welches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Ergänzend können Bewegung, Selbsthilfegruppen und bei einer Winterdepression eine Lichttherapie helfen. Etwa die Hälfte der Behandelten spürt nach drei bis sechs Monaten eine deutliche Besserung. Bei schweren Verläufen ist auch eine Behandlung in einer Klinik möglich.

  • Leichte Depression: zunächst Beratung und Hilfen zur Selbsthilfe, auch ärztlich begleitete Online-Programme. Psychotherapie, wenn das nicht reicht. Antidepressiva sind hier nicht die erste Wahl.
  • Mittelgradige Depression: Psychotherapie oder Antidepressiva. Beide helfen nach der Leitlinie wahrscheinlich ähnlich gut.
  • Schwere Depression: Psychotherapie und Antidepressiva zusammen, weil die Kombination am wirksamsten ist.

Was können Sie selbst tun?

Eigene Schritte ersetzen bei einer mittelgradigen oder schweren Depression keine Behandlung, können sie aber gut ergänzen. Am wichtigsten ist, sich früh Unterstützung zu holen.

  • Sprechen Sie mit vertrauten Menschen über Ihre Situation.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Höchstleistungen sind dafür nicht nötig; klären Sie ärztlich, was für Sie geeignet ist.
  • Planen Sie einen festen Tagesablauf mit kleinen, machbaren Aktivitäten.
  • Nutzen Sie Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen oder ärztlich begleitete Online-Programme.
  • Nehmen Sie Gedanken an Suizid ernst und sprechen Sie sie bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Therapie an.

Was zahlt die Krankenkasse?

Ärztliche Behandlung und Psychotherapie in einem anerkannten Verfahren sind Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Einstieg in eine Psychotherapie ist die psychotherapeutische Sprechstunde, für die Sie keine Überweisung brauchen.

Einen Termin vereinbaren Sie direkt in einer Praxis oder über den Terminservice 116117, telefonisch, online oder per App. Die Terminservicestellen müssen einen Termin für die Sprechstunde innerhalb von vier Wochen vermitteln. Ist danach eine Akutbehandlung nötig, darf die Wartezeit darauf zwei Wochen nicht überschreiten.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet werden. Die Kasse zahlt nur Anwendungen aus dem amtlichen Verzeichnis des BfArM. Eine Lichttherapie zahlt die gesetzliche Krankenkasse derzeit nicht.

Ist eine Videosprechstunde möglich?

Für ein erstes Gespräch oder Verlaufstermine kann eine Videosprechstunde infrage kommen. Ob ein Videotermin reicht oder ein Termin vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin, der Arzt oder die Psychotherapeutin.

In einer akuten Krise ist ein Videotermin nicht der richtige Weg. Dann zählen der Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Klinik. Eine Krankschreibung ist nach ärztlichem Ermessen möglich; einen Anspruch darauf gibt es nicht.

Häufige Fragen zu Depression

Ist eine Depression dasselbe wie ein Burnout?

Nein. Burnout ist keine eigene Krankheitsdiagnose, sondern beschreibt Erschöpfung durch anhaltende Belastung. Bei einer Depression betreffen die Beschwerden alle Lebensbereiche, und sie braucht eine eigene Behandlung. Mehr dazu unter Burnout.

Was passiert, wenn man Antidepressiva bei einer Depression plötzlich absetzt?

Es können Absetzbeschwerden auftreten, etwa Schwindel, Schlafprobleme, Übelkeit, Unruhe oder grippeähnliche Beschwerden. Außerdem kann die Depression zurückkehren. Besprechen Sie das Absetzen deshalb immer vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Hilft Johanniskraut bei einer leichten Depression?

Studien deuten darauf hin, dass Johanniskraut bei einer leichten Depression etwas besser wirkt als ein Scheinmedikament. Es sollte nur ein als Arzneimittel zugelassenes Präparat sein. Weil es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geben kann, sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Wie finde ich bei einer Depression einen Psychotherapieplatz?

Der erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde, direkt in einer Praxis oder über den Terminservice 116117. Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind regional verschieden. Lassen Sie sich bei der Suche von der Hausarztpraxis, Ihrer Krankenkasse oder vertrauten Menschen unterstützen.

Wie können Angehörige bei einer Depression helfen?

Hilfreich ist, die Erkrankung ernst zu nehmen, ohne zu dramatisieren, und die Entscheidung für professionelle Hilfe zu unterstützen. Gut gemeinte Ratschläge oder Herunterspielen helfen meist nicht. Angehörige dürfen auch selbst Unterstützung suchen, etwa in Angehörigengruppen.

Kann eine Depression nach der Behandlung wiederkommen?

Ja, etwa die Hälfte der Menschen erlebt nach einer ersten Episode eine weitere. Bei hohem Rückfallrisiko kann eine längerfristige Behandlung mit Medikamenten oder Psychotherapie sinnvoll sein. Das besprechen Sie am besten zum Ende der Behandlung.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Depression. Abgerufen am .
  2. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): Patientenleitlinie Unipolare Depression, Version 3 (2024). Abgerufen am .
  3. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Version 3. Abgerufen am .
  4. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Depression: Symptome, Ursachen, Therapie. Abgerufen am .
  5. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. Abgerufen am .
  6. Bundesministerium für Gesundheit: Psychotherapeutische Sprechstunde. Abgerufen am .

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