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Rücken und Gelenke

Rückenschmerzen: Ursachen, Warnzeichen und was hilft

Rückenschmerzen sind sehr häufig und meist harmlos. Hier lesen Sie, was hinter den Beschwerden steckt, welche Warnzeichen ärztlich abgeklärt werden sollten und warum Bewegung mehr hilft als Schonung.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten7 Quellen

Kurz gefasst

Fast alle Menschen haben irgendwann Schmerzen im unteren Rücken. Meist steckt nichts Gefährliches dahinter: Bei über 85 Prozent der Betroffenen findet sich keine eindeutige Ursache. Fachleute sprechen dann von unspezifischen Kreuzschmerzen. Sie klingen in der Regel innerhalb von Tagen bis Wochen von selbst ab.

Am meisten hilft es, in Bewegung zu bleiben und den Alltag so normal wie möglich weiterzuführen. Wärme und kurzzeitig ein entzündungshemmendes Schmerzmittel können lindern. Röntgen oder MRT sind zu Beginn meist nicht nötig.

Selten stecken ernste Erkrankungen dahinter. Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang und Lähmungen in den Beinen müssen sofort ärztlich abgeklärt werden.

Was sind unspezifische Rückenschmerzen?

Gemeint sind Schmerzen im unteren Rücken zwischen Rippenbogen und Gesäß, für die sich bei der Untersuchung keine bestimmte Ursache findet. Das ist die mit Abstand häufigste Form.

Davon unterscheiden Ärztinnen und Ärzte spezifische Rückenschmerzen mit einer klaren Ursache, etwa einem Bandscheibenvorfall. Ein Hexenschuss (Lumbago) ist ein plötzlich einschießender, heftiger Schmerz durch eine vorübergehende Reizung. Er ist nicht gefährlich und bessert sich meist innerhalb weniger Tage deutlich.

Halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an oder kehren sie immer wieder, gelten sie als chronisch. In Studien bekam bis zur Hälfte der Betroffenen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen.

Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?

Meist wirken mehrere Dinge zusammen. Häufig spielen Bewegungsmangel, eine schwache Rumpfmuskulatur und Belastungen im Alltag eine Rolle.

Seltener steckt eine bestimmte Erkrankung dahinter, etwa ein Bandscheibenvorfall, eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose, vor allem nach dem 60. Lebensjahr), ein Wirbelbruch bei Osteoporose oder die rheumatische Erkrankung Morbus Bechterew. Auch Nierensteine oder eine Gürtelrose können in den Rücken ausstrahlen. Häufige Auslöser unspezifischer Schmerzen sind:

  • Bewegungsmangel und langes Sitzen ohne Pausen
  • einseitige oder ungewohnt schwere körperliche Arbeit
  • Muskelverspannungen und eine schwache Bauch- und Rückenmuskulatur
  • seelische Belastungen wie Stress bei der Arbeit, Geldsorgen, Konflikte in der Familie, Ängste oder eine Depression
  • eine familiäre Veranlagung

Rückenschmerzen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Plötzliche Taubheit im Gesäß-, Genital- oder Afterbereich
  • Neu aufgetretene Probleme, Urin oder Stuhl zu halten oder die Blase zu entleeren
  • Plötzliche Lähmung oder deutliche Schwäche in einem oder beiden Beinen
  • Rückenschmerzen nach einem schweren Unfall oder einem Sturz aus der Höhe

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Rückenschmerzen mit Fieber, Schüttelfrost oder starkem Krankheitsgefühl
  • Starke, ins Bein ausstrahlende Schmerzen mit Kribbeln, Taubheit oder Muskelschwäche
  • Rückenschmerzen nach einem leichten Sturz oder ungünstigem Heben bei bekannter Osteoporose
  • Schmerzen, die trotz Schmerzmitteln kaum auszuhalten sind

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Beschwerden, die nach einigen Wochen nicht besser werden oder zunehmen
  • Ungewollter Gewichtsverlust, anhaltende Schwäche oder eine frühere Krebserkrankung
  • Morgensteifigkeit im Rücken, die länger als eine Stunde anhält, besonders bei jüngeren Menschen
  • Immer wiederkehrende Schmerzen, die Arbeit oder Alltag deutlich einschränken
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Welche Warnzeichen sollten Sie ernst nehmen?

Ernste Ursachen sind selten: Bei weniger als 1 Prozent der Menschen, die wegen Rückenschmerzen in die Hausarztpraxis kommen, steckt eine ernste Erkrankung dahinter. Bestimmte Zeichen sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden.

Besonders dringend ist das Kauda-Syndrom: Etwa ein großer Bandscheibenvorfall drückt auf das Nervenbündel am unteren Ende des Wirbelkanals. Es betrifft weniger als 3 von 100.000 Erwachsenen im Jahr, muss aber rasch operiert werden, damit kein bleibender Nervenschaden entsteht. Warnzeichen sind:

  • Taubheit im Gesäß-, Genital- oder Afterbereich (Reithosenbereich)
  • neue Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, etwa wenn Sie eine volle Blase nicht spüren
  • Lähmungen oder Schwäche in einem oder beiden Beinen
  • bis in den Fuß ausstrahlende Schmerzen mit Kribbeln oder Taubheit
  • Fieber, Schüttelfrost oder Nachtschweiß
  • ungewollter Gewichtsverlust, starke Schwäche oder eine frühere Krebserkrankung
  • Schmerzen nach einem Unfall oder Sturz, bei Osteoporose auch nach einem leichten Sturz oder ungünstigem Heben

Wie werden Rückenschmerzen untersucht?

Meist genügen ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Röntgen, CT oder MRT sind zu Beginn in der Regel nicht nötig.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Art der Schmerzen, Vorerkrankungen, Medikamenten wie Kortison und Unfällen und prüft unter anderem Beweglichkeit, Muskelkraft und Reflexe. So lässt sich eine ernste Ursache meist schon ausschließen.

Eine Bildgebung ist sinnvoll, wenn Warnzeichen auf eine bestimmte Ursache hindeuten oder die Beschwerden nach einigen Wochen nicht nachlassen oder schlimmer werden. Routinemäßig raten Fachgesellschaften davon ab, denn auffällige Befunde sind häufig, ohne Beschwerden zu machen: Etwa 20 Prozent der 20- bis 40-Jährigen und mehr als 80 Prozent der über 70-Jährigen haben eine vorgewölbte Bandscheibe, aber keine Rückenschmerzen. Solche Zufallsbefunde können verunsichern und zu unnötigen Behandlungen führen.

Was hilft bei akuten Rückenschmerzen?

Das Wichtigste ist, aktiv zu bleiben. Akute Kreuzschmerzen gehen fast immer von selbst vorbei, und Bewegung unterstützt das.

Schweres Heben sollten Sie eine Zeit lang meiden und sich vorsichtig bücken. Leichte Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder lockernde Übungen ist dagegen sinnvoll, langes Sitzen oder Liegen eher nicht. Viele empfinden Wärme als wohltuend.

Ein entzündungshemmendes Schmerzmittel wie Ibuprofen kann helfen, in Bewegung zu bleiben, sollte aber nur kurz eingenommen werden, laut IQWiG höchstens etwa zwei Wochen. Paracetamol wirkte in einer großen Studie bei Rückenschmerzen nicht besser als ein Scheinmedikament. Beachten Sie die Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke nach, besonders im höheren Alter, bei Vorerkrankungen oder wenn Sie weitere Medikamente nehmen. Ob andere Mittel infrage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Was hilft bei chronischen Rückenschmerzen?

Auch bei lang anhaltenden Schmerzen ist regelmäßige Bewegung die wirksamste Behandlung. Medikamente kommen nur ergänzend und nicht auf Dauer infrage.

Geeignet sind zum Beispiel Übungen, die Bauch-, Rücken- und Beckenmuskeln stabilisieren, Kraft- und Haltungstraining, Pilates oder Yoga, am besten in einer Form, die Sie langfristig durchhalten. Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitstraining oder eine kognitive Verhaltenstherapie können helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen.

Passive Verfahren wie Massagen, Akupunktur, manuelle Therapie, Osteopathie oder Elektrotherapie wirken meist wenig, nur kurz oder sind kaum untersucht. Eine Operation ist bei Rückenschmerzen ohne klare Ursache fast nie sinnvoll. Bei langen Ausfallzeiten kann eine Rehabilitation helfen. Sie wird über die Hausarztpraxis beantragt, dauert in der Regel drei Wochen und verbindet Bewegungs-, Physio- und Verhaltenstherapie mit Schulungen. Mehr unter Rückenschmerzen behandeln lassen und chronische Schmerzen.

Was können Sie selbst tun, um Rückenschmerzen vorzubeugen?

Regelmäßige Bewegung ist der beste Schutz vor neuen Schmerzepisoden. Einen vollständigen Schutz gibt es nicht, aber Häufigkeit und Stärke lassen sich verringern.

In Studien bekamen ohne Training etwa 50 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen, mit regelmäßigem Training etwa 30 von 100. Regelmäßiges Spazierengehen wirkt fast ebenso gut; in einer großen Studie gingen die Teilnehmenden möglichst fünfmal pro Woche eine halbe Stunde. Außerdem hilft:

  • langes Sitzen mit kurzen Bewegungspausen unterbrechen
  • aktiv bleiben, denn Rückzug und Schonung können die Beschwerden verstärken
  • Ausgleich für Stress und seelische Belastungen suchen, etwa durch Entspannungsübungen

Was zahlt die Krankenkasse und ist ein Videotermin möglich?

Je nach Situation übernehmen Kranken- oder Rentenversicherung zum Beispiel Physiotherapie, Rehasport, Präventionskurse oder digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) ganz oder teilweise. Für Verlaufsgespräche kommt auch ein Videotermin infrage.

Akupunktur ist bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule, die seit mindestens sechs Monaten bestehen, eine Kassenleistung, wenn die Praxis dafür eine Genehmigung hat. Osteopathie zahlen die gesetzlichen Kassen nicht; der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet sie bei unspezifischen Kreuzschmerzen mit „unklar“.

Ob eine Videosprechstunde reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Bei Warnzeichen ist ein Videotermin nicht der richtige Weg.

Häufige Fragen zu Rückenschmerzen

Ist Bettruhe bei Rückenschmerzen sinnvoll?

Nein. Wer sich lange schont, riskiert eher, dass die Beschwerden zunehmen. Besser ist es, sich im Rahmen des Möglichen zu bewegen und den Alltag weiterzuführen.

Was unterscheidet Hexenschuss und Bandscheibenvorfall bei Rückenschmerzen?

Ein Hexenschuss ist ein plötzlicher, heftiger Schmerz durch eine vorübergehende Reizung im unteren Rücken. Bei einem Bandscheibenvorfall reizt Bandscheibengewebe einen Nerv, typisch ist ein ins Bein ausstrahlender Schmerz (Ischias). Auch er bessert sich bei etwa 90 von 100 Betroffenen innerhalb von sechs Wochen von selbst.

Hilft Wärme bei Rückenschmerzen?

Viele Menschen empfinden Wärme, etwa durch eine Wärmflasche oder ein Wärmekissen, als wohltuend. Sie ersetzt die Bewegung nicht, kann aber helfen, wieder in Gang zu kommen.

Können seelische Belastungen Rückenschmerzen verstärken?

Ja. Stress, Sorgen, Ängste oder eine Depression können Rückenschmerzen auslösen oder verstärken. Entspannungsverfahren und eine kognitive Verhaltenstherapie können dann helfen, besser mit den Schmerzen umzugehen.

Wann ist bei Rückenschmerzen eine Operation sinnvoll?

Bei Rückenschmerzen ohne klare Ursache fast nie. Bei einem Bandscheibenvorfall kann sie infrage kommen, wenn starke, ins Bein ausstrahlende Schmerzen trotz Behandlung 6 bis 12 Wochen anhalten. Beim Kauda-Syndrom wird dagegen sofort operiert.

Gibt es Apps auf Rezept gegen chronische Rückenschmerzen?

Für Rückenschmerzen gibt es digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), deren Kosten die gesetzliche Krankenkasse übernehmen kann. Ob eine solche Anwendung für Sie passt, besprechen Sie am besten in der Praxis.

Welche Praxis ist bei Rückenschmerzen die erste Anlaufstelle?

Meist die Hausarztpraxis. Bei Bedarf überweist sie zum Beispiel in eine orthopädische oder schmerztherapeutische Praxis oder verordnet Physiotherapie.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Rücken- und Kreuzschmerzen. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Rückenschmerzen: Wann zur Ärztin oder zum Arzt?. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente bei chronischen Rückenschmerzen. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Bandscheibenvorfall. Abgerufen am .
  5. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Rückenschmerzen: Ursachen, Verlauf und Rehabilitation. Abgerufen am .
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Anlage I Nr. 12 (Körperakupunktur). Abgerufen am .
  7. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor: Osteopathie bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Abgerufen am .

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