Zum Inhalt springen

Stoffwechsel und Hormone

Diabetes Typ 2: Anzeichen, Diagnose und Behandlung

Typ-2-Diabetes entwickelt sich oft über Jahre unbemerkt. Hier erfahren Sie, woran man ihn erkennt, wie er festgestellt wird und was im Alltag hilft.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Bei Diabetes Typ 2 ist der Blutzucker dauerhaft zu hoch, weil die Körperzellen schlechter auf das Hormon Insulin ansprechen. Es ist die häufigste Form der Zuckerkrankheit: Mehr als 90 % der Menschen mit Diabetes haben Typ 2.

Oft verursacht er lange keine Beschwerden und fällt zufällig bei einer Blutuntersuchung auf. Später können starker Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit auftreten. Unbehandelt kann der hohe Blutzucker Gefäße, Nerven, Augen und Nieren schädigen.

Grundlage der Behandlung sind Bewegung, ausgewogene Ernährung und der Verzicht aufs Rauchen. Reicht das nicht, kommen Tabletten, Spritzen oder Insulin infrage. Die Ziele legen Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt fest.

Was ist Diabetes Typ 2?

Bei Typ-2-Diabetes bildet die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin, doch es wirkt in den Zellen immer schlechter. Fachleute nennen das Insulinresistenz.

Insulin sorgt dafür, dass Zucker (Glukose) aus dem Blut in Organe wie Leber und Muskeln gelangt. Wirkt es schlechter, bildet die Bauchspeicheldrüse zunächst mehr davon. Irgendwann kommt sie nicht mehr hinterher, und der Blutzucker steigt.

In einer Befragung des Robert Koch-Instituts gaben 2024 rund 10,3 % der Erwachsenen an, dass bei ihnen ein Diabetes festgestellt wurde, im höheren Alter deutlich mehr. Typ 2 beginnt meist erst im Erwachsenenalter und wird deshalb manchmal Altersdiabetes genannt. Anders als bei Typ 1 kann der Körper noch Insulin bilden.

Welche Anzeichen hat Typ-2-Diabetes?

Oft gar keine: Der Blutzucker kann jahrelang erhöht sein, ohne dass man etwas merkt. Beschwerden zeigen sich meist erst nach Monaten oder Jahren.

Ein sehr hoher Blutzucker kann zu Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit führen (diabetisches Koma). Das ist ein Notfall.

Auf Dauer kann ein hoher Blutzucker große Gefäße schädigen und so Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine begünstigen. Auch kleine Gefäße an Augen, Nerven und Nieren können leiden. Weil Nervenschäden das Schmerzempfinden an den Füßen verringern, heilen kleine Wunden dort manchmal schlecht (diabetischer Fuß).

  • starker Durst und häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme
  • Übelkeit oder Schwindel
  • Erektionsstörungen

Diabetes Typ 2: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit bei sehr hohem oder sehr niedrigem Blutzucker
  • Unterzuckerung, die sich zu Hause nicht beheben lässt
  • Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls wie starke Brustschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Anhaltend sehr hohe Blutzuckerwerte mit starkem Durst, Übelkeit oder Schwindel
  • Eine Wunde am Fuß, die sich rötet, anschwillt oder nässt

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Starker Durst, häufiges Wasserlassen oder anhaltende Müdigkeit ohne erkennbaren Grund
  • Ein auffälliger Blutzuckerwert, zum Beispiel beim Check-up
  • Wiederholte Unterzuckerungen unter der Behandlung
  • Regelmäßige Kontrollen von Augen, Füßen und Nieren bei bekanntem Diabetes
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was sind Ursachen und Risikofaktoren?

Typ-2-Diabetes entsteht meist aus einem Zusammenspiel von Veranlagung und Lebensweise. Er kann in Familien gehäuft vorkommen.

Bluthochdruck und erhöhte Blutfette steigern zusätzlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deshalb gehören sie bei Diabetes mit in den Blick, mehr dazu unter Bluthochdruck.

  • Übergewicht und wenig Bewegung
  • Rauchen
  • ballaststoffarme Ernährung mit viel Fett und Zucker
  • bestimmte Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel verschlechtern
  • erbliche Veranlagung

Wie wird Diabetes Typ 2 festgestellt?

Die Diagnose stützt sich auf Blutwerte aus der Vene. In der Regel müssen mindestens zwei Werte zu hoch sein; bei typischen Beschwerden kann ein deutlich erhöhter Wert reichen.

Dazu kommen ein Gespräch über Beschwerden und andere Erkrankungen sowie eine körperliche Untersuchung. Zucker im Urin kann ein Hinweis sein, die Diagnose beruht aber auf Blutwerten. Eine Praxis für die Abklärung finden Sie über die Arztsuche.

  • Nüchternblutzucker: über 126 mg/dl (7 mmol/l), gemessen nachdem Sie 8 bis 12 Stunden nichts gegessen haben.
  • Langzeitblutzucker HbA1c: über 6,5 %. Er spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2 bis 3 Monate.
  • Zuckerbelastungstest (oGTT): Sie trinken eine Lösung mit 75 g Zucker. Liegt der Wert nach zwei Stunden noch über 200 mg/dl (11,1 mmol/l), spricht das für Diabetes.
  • Gelegenheitsblutzucker: Ein Wert über 200 mg/dl unabhängig vom Essen begründet einen Verdacht, der weiter abgeklärt wird.

Wie wird Typ-2-Diabetes behandelt?

Grundlage ist eine angepasste Lebensweise mit Bewegung, ausgewogener Ernährung und Rauchverzicht. Bleibt der Blutzucker trotzdem zu hoch, kommen Medikamente hinzu.

Zu Beginn vereinbaren Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt persönliche Ziele für Blutzucker, Blutdruck, Blutfette, Gewicht und Gewohnheiten. Für den HbA1c nennt die Nationale VersorgungsLeitlinie je nach Alter und Gesundheitszustand einen Zielbereich zwischen 6,5 und 8,5 %. Wer jünger und sonst gesund ist, kann einen niedrigeren Wert anstreben. Bei starken Einschränkungen oder mehreren Erkrankungen ist ein höherer Wert oft günstiger, auch weil eine sehr strenge Einstellung häufiger zu Unterzuckerungen führt.

Als erstes Medikament werden meist Tabletten aus der Gruppe der Biguanide empfohlen. Je nach Herz- und Nierenrisiko kommen Gliflozine (SGLT-2-Hemmer) oder Glutide hinzu, später auch Gliptine, Sulfonylharnstoffe oder Insulin. Welche Mittel infrage kommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen; dabei zählen Begleiterkrankungen, Nebenwirkungen und wie gut die Behandlung in Ihren Alltag passt.

Eine Schulung hilft, die Erkrankung zu verstehen und die eigenen Ziele zu erreichen. Erhöhter Blutdruck und erhöhte Blutfette werden mitbehandelt.

Was ist bei einer Unterzuckerung zu tun?

Unterzuckerungen betreffen vor allem Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten nehmen. Dann ist es wichtig, sofort schnell wirksamen Zucker zu sich zu nehmen.

Typische Anzeichen sind ein schneller Puls, kalter Schweiß, Blässe, Heißhunger, Zittern, Unruhe und Konzentrationsprobleme bis hin zu Verwirrtheit. Auslöser können ungewohnte Anstrengung, eine zu kleine Mahlzeit oder viel Alkohol sein.

Geeignet sind Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade, nicht aber Light- oder Zero-Getränke. Haben Sie Traubenzucker immer griffbereit, wenn Ihre Medikamente Unterzuckerungen auslösen können. Ist jemand bewusstlos oder lässt sich zu Hause nicht versorgen, rufen Sie sofort 112. Wiederholte Unterzuckerungen sollten Sie mit Ihrer Praxis besprechen.

Was können Sie selbst tun, und lässt sich Diabetes vorbeugen?

Bewegung, ausgewogene Ernährung und bei Übergewicht etwas Abnehmen wirken sich günstig auf Blutzucker, Blutdruck und Blutfette aus. Spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind nicht nötig.

Für Menschen mit erhöhtem Risiko wurden Lebensstilprogramme mit etwa 30 Minuten Sport am Tag und einer Gewichtsabnahme von etwa 3 bis 6 kg untersucht. Nach rund vier Jahren erhielten mit Programm etwa 15 von 100 Teilnehmenden die Diagnose Diabetes, ohne Programm etwa 26 von 100. Ob sich die Erkrankung so dauerhaft verhindern lässt, ist noch unklar.

  • Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel durch zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen.
  • Essen Sie vollwertig, so wie es auch Menschen ohne Diabetes empfohlen wird.
  • Verzichten Sie möglichst aufs Rauchen und trinken Sie keinen oder wenig Alkohol.
  • Bei Übergewicht zählt jedes Kilo, mehr dazu unter Übergewicht.

Was zahlt die Krankenkasse bei Diabetes Typ 2?

Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben alle drei Jahre Anspruch auf den Gesundheits-Check-up, zu dem auch eine Blutzuckerbestimmung gehört. Wer Diabetes hat, kann an einem strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen.

Diese Disease-Management-Programme (DMP) bieten die Krankenkassen nach Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) an, auch für Typ-2-Diabetes. Sie umfassen unter anderem Schulungen, Beratung und eine abgestimmte ärztliche Betreuung. Für die Einschreibung fragen Sie Ihre Praxis oder Krankenkasse.

Kontrolltermine, etwa zur Besprechung von Laborwerten, sind je nach Lage auch per Videosprechstunde möglich. Ob das reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, zum Beispiel der Füße, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen zu Diabetes Typ 2

Was ist der Unterschied zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2?

Bei Typ 1 bildet die Bauchspeicheldrüse kaum oder kein Insulin mehr; er beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Bei Typ 2 ist Insulin vorhanden, wirkt aber schlechter, und er tritt meist später im Leben auf.

Kann Diabetes Typ 2 wieder verschwinden?

Manche Menschen erreichen mit Bewegung, Ernährung und Gewichtsabnahme ihre persönlichen Zielwerte ohne Medikamente. Ob das dauerhaft gelingt, ist unterschiedlich; regelmäßige Kontrollen bleiben deshalb wichtig.

Müssen Menschen mit Diabetes Typ 2 Insulin spritzen?

Nicht unbedingt. Viele kommen mit Lebensstiländerungen und Tabletten aus; Insulin kommt infrage, wenn andere Mittel nicht ausreichen. Mit Insulin sind häufigere Blutzuckerkontrollen nötig.

Braucht man bei Diabetes Typ 2 spezielle Diabetiker-Lebensmittel?

Nein. Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten dieselben Empfehlungen für eine vollwertige Ernährung wie für alle anderen. Spezielle Diabetiker- oder Diätprodukte sind unnötig.

Kann Sport bei Diabetes Typ 2 den Blutzucker zu stark senken?

Körperliche Anstrengung lässt den Blutzucker meist sinken. Wer Insulin oder bestimmte Tabletten nimmt, sollte Traubenzucker griffbereit haben und mit der Praxis besprechen, wie er sich auf Sport einstellt.

Wird beim Check-up auch auf Diabetes Typ 2 getestet?

Ab 35 Jahren gehört eine Blutzuckerbestimmung zum Gesundheits-Check-up der gesetzlichen Krankenkassen. Zwischen 18 und 34 Jahren gibt es Laboruntersuchungen nur bei bestimmten Risikofaktoren.

Ist Diabetes Typ 2 erblich?

Eine Veranlagung kann in der Familie liegen, die Erkrankung tritt dort dann gehäuft auf. Ob sie ausbricht, hängt aber auch von Gewicht, Bewegung, Ernährung und Rauchen ab.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Diabetes Typ 2. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie wird Diabetes mellitus festgestellt?. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie kann man Typ-2-Diabetes vorbeugen?. Abgerufen am .
  5. ÄZQ im Auftrag von BÄK und KBV (NVL Typ-2-Diabetes): Typ-2-Diabetes – Erkennen und behandeln. Abgerufen am .
  6. Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung: Diabetes mellitus: Prävalenz (ab 18 Jahre). Abgerufen am .
  7. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Disease-Management-Programme. Abgerufen am .
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Gesundheitsuntersuchungen („Check-up“). Abgerufen am .

Fragen zu Diabetes Typ 2? Sprechen Sie mit einer Praxis.

Termine vor Ort oder per Video, direkt online buchen. Ob ein Videotermin reicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Im Notfall 112, außerhalb der Sprechzeiten 116117.