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Frauengesundheit

Wechseljahre: Beschwerden, Hormontherapie und was hilft

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, können aber belasten. Welche Beschwerden typisch sind, was eine Hormontherapie leisten kann und welche Risiken sie hat.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten6 Quellen

Kurz gefasst

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase, in der die Eierstöcke ab etwa Mitte 40 allmählich weniger Hormone bilden. Die letzte Regelblutung, die Menopause, liegt im Durchschnitt bei 51 Jahren.

Die häufigsten Beschwerden sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Sie lassen meist nach einigen Jahren von selbst nach. Viele Frauen kommen ohne Behandlung zurecht, nur wenige haben über längere Zeit starke Beschwerden.

Bei starken Beschwerden kann eine Hormontherapie für begrenzte Zeit helfen. Sie hat aber Risiken, die Sie gemeinsam mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt abwägen sollten.

Was passiert in den Wechseljahren?

In den Wechseljahren (Klimakterium) bilden die Eierstöcke nach und nach weniger Hormone. Die Blutungen werden unregelmäßig und hören schließlich ganz auf.

Die Eierstöcke geben weniger Östrogen und Progesteron ab, und ein Eisprung findet seltener statt. Mit dem letzten Eisprung folgt die letzte Regelblutung, die Menopause. Sie lässt sich erst im Nachhinein bestimmen: Als Faustregel gilt sie als erreicht, wenn zwölf Monate lang keine Blutung mehr aufgetreten ist. Die Zeit danach heißt Postmenopause, die Jahre rund um die letzte Blutung nennt man auch Perimenopause.

Wann die Menopause eintritt, ist zum Teil erblich: Mütter und Töchter erreichen sie oft in ähnlichem Alter. Bei starken Raucherinnen setzt sie Hinweisen zufolge früher ein. Liegt die letzte Blutung vor dem 40. Lebensjahr, spricht man von einer vorzeitigen Menopause. Auch nach der Entfernung oder Bestrahlung beider Eierstöcke, etwa bei einer Krebsbehandlung, beginnen die Wechseljahre.

Welche Beschwerden sind in den Wechseljahren typisch?

Am häufigsten sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche, die bis zu zwei Drittel aller Frauen erleben. Wie stark die Beschwerden sind, ist sehr unterschiedlich.

Eine Hitzewallung dauert im Schnitt etwa drei Minuten, nachts kann sie den Schlaf stören. Meist halten Hitzewallungen länger als ein Jahr an und lassen nach etwa vier bis fünf Jahren von selbst nach, bei einigen Frauen dauern sie länger. Vermutlich bringt der sinkende Östrogenspiegel die Temperaturregelung des Körpers durcheinander. Weitere mögliche Beschwerden sind:

  • Ein- und Durchschlafprobleme
  • Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen
  • eine dünnere, trockenere Scheidenschleimhaut, dadurch manchmal Schmerzen beim Sex
  • weniger Lust auf Sex
  • oft eine leichte Gewichtszunahme

Wechseljahre: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen, vor allem mit einem geschwollenen, schmerzenden Bein
  • Plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, Seh- oder Sprachstörungen
  • Anhaltender Druck oder Schmerzen in der Brust
  • Sehr starke Blutung aus der Scheide mit Schwindel oder Kreislaufproblemen

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Schmerzhafte, gerötete oder geschwollene Wade, besonders während einer Hormontherapie

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Jede erneute Blutung nach der Menopause
  • Hitzewallungen, Schlafprobleme oder Stimmungstiefs, die Ihren Alltag deutlich einschränken
  • Sehr starke, lange oder ungewöhnlich häufige Blutungen in den Wechseljahren
  • Ausbleibende Regel oder Wechseljahresbeschwerden vor dem 40. Lebensjahr
  • Wenn Sie eine Hormontherapie beginnen, fortsetzen oder beenden möchten
  • Schmerzen beim Sex wegen trockener Scheide
Frauenarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Braucht man einen Hormontest, um die Wechseljahre festzustellen?

In der Regel nicht. Die Wechseljahre erkennt man an Alter, Blutungsmuster und Beschwerden, ein Hormonwert im Blut hilft bei Entscheidungen kaum weiter.

Typisch sind zwar ein sinkender Östrogenspiegel und ein steigender Wert des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Ein solcher Wert sagt aber nicht verlässlich, ob Sie noch schwanger werden können, wie lange Sie verhüten sollten oder ob eine Behandlung sinnvoll ist. Für ein erstes Gespräch über Beschwerden und Möglichkeiten eignet sich oft auch eine Videosprechstunde. Ob eine Untersuchung in der Praxis nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Was bringt eine Hormontherapie in den Wechseljahren?

Eine Hormontherapie ist die wirksamste Behandlung gegen Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Sie verringert deren Zahl und Stärke deutlich, lässt sie aber oft nicht ganz verschwinden.

Meist wird Östrogen mit einem Gestagen kombiniert. Das Gestagen schützt die Gebärmutterschleimhaut, denn Östrogen allein kann sie wuchern lassen, woraus bei manchen Frauen Gebärmutterkörperkrebs entsteht. Frauen ohne Gebärmutter erhalten deshalb meist nur Östrogen. Die Hormone gibt es unter anderem als Tablette, Pflaster, Gel oder Nasenspray.

In Studien, die im Durchschnitt etwa 14 Monate dauerten, hatten am Ende 20 von 100 Frauen mit Hormonen noch Hitzewallungen, aber 66 von 100 Frauen mit einem Scheinmedikament (Placebo). Eine Hormontherapie kann außerdem Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen und Schmerzen beim Sex lindern.

Bei Trockenheit der Scheide gibt es Östrogen auch zur örtlichen Anwendung als Creme, Zäpfchen oder Ring.

Welche Risiken hat eine Hormontherapie?

Bei längerer Anwendung treten Blutgerinnsel, Schlaganfälle und Brustkrebs häufiger auf. Wie hoch das Risiko ist, hängt von Art und Dauer der Behandlung ab.

Vor anderen Alterskrankheiten schützt eine Hormontherapie nicht; die frühere Annahme, sie schütze das Herz, gilt als widerlegt. Nach mehr als fünf Jahren Behandlung bleibt das Brustkrebsrisiko wahrscheinlich auch nach dem Absetzen erhöht. In den ersten Monaten sind Schmierblutungen, Brustspannen und Übelkeit möglich.

Fachleute raten deshalb: wenn Hormone, dann so kurz und so niedrig dosiert wie möglich, und in Absprache mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt immer wieder prüfen, ob sie noch nötig sind. Nach dem Absetzen kehren die Beschwerden oft zurück. Die deutsche Fachleitlinie dazu (S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause) wird derzeit überarbeitet.

Zum Vergleich je 1.000 Frauen nach acht Jahren mit Östrogen und Gestagen gegenüber 1.000 Frauen ohne Hormone, vor allem nach einer großen US-amerikanischen Studie:

  • Thrombose oder Embolie: 25 statt 15 Frauen
  • Schlaganfall: 19 statt 14 Frauen
  • Brustkrebs: 33 statt 26 Frauen
  • Knochenbrüche: 126 statt 154 Frauen, hier also weniger

Was hilft ohne Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden?

Für die meisten pflanzlichen und alternativen Mittel ist eine Wirkung nicht sicher belegt. Bewegung und Entspannung lindern Hitzewallungen wahrscheinlich nicht, tun aber Schlaf, Stimmung, Herz und Knochen gut.

  • Beobachten Sie, ob Kaffee, Alkohol oder scharfes Essen bei Ihnen Hitzewallungen auslösen. Das ist von Frau zu Frau verschieden.
  • Kleidung in Schichten und ein kühles Schlafzimmer können Hitzewallungen erträglicher machen.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, etwa mit zügigem Gehen oder leichtem Krafttraining. Das stärkt Muskeln und Knochen und hilft, das Gewicht zu halten.
  • Entspannungsverfahren, Yoga oder Tai-Chi können das Wohlbefinden und den Schlaf fördern. Mehr dazu unter Schlafstörungen.
  • Bei pflanzlichen Mitteln wie Soja-Isoflavonen, Rotklee oder Traubensilberkerze ist die Wirkung unklar. Auch sie haben Nebenwirkungen; Traubensilberkerze kann die Leber schädigen. Fragen Sie vorher in der Apotheke oder ärztlich nach und beachten Sie die Packungsbeilage.
  • Bei trockener Scheide können hormonfreie Gleitmittel, Feuchtigkeitscremes oder Pflanzenöle helfen.
  • Testosteron, DHEA oder Antidepressiva haben keine nachgewiesene Wirkung gegen Wechseljahresbeschwerden, sind dafür meist nicht zugelassen und können erhebliche Nebenwirkungen haben.

Worauf sollten Sie nach den Wechseljahren achten?

Jede erneute Blutung aus der Scheide nach der Menopause sollte ärztlich abgeklärt werden. Sie ist das häufigste Warnzeichen für Gebärmutterkörperkrebs, hat aber oft auch harmlose Ursachen.

Behalten Sie auch Ihre Stimmung im Blick: Halten Niedergeschlagenheit oder Freudlosigkeit über Wochen an, kann eine Depression dahinterstecken, die ärztlich abgeklärt werden sollte. Regelmäßige Bewegung wirkt sich zudem günstig auf Herz, Kreislauf und Knochen aus.

Häufige Fragen zu Wechseljahre

Kann man in den Wechseljahren noch schwanger werden?

Ja, bis zur Menopause ist eine Schwangerschaft möglich. Hormonpräparate gegen Wechseljahresbeschwerden schützen nicht davor, deshalb sollten Sie die Verhütung mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt besprechen.

Sind bioidentische Hormone in den Wechseljahren sicherer?

Nein. Sogenannte bioidentische Hormone sind weder natürlicher noch sicherer als andere Hormonpräparate, und ihre Qualität wird oft nicht kontrolliert.

Macht eine Hormontherapie in den Wechseljahren dick?

Eine Hormontherapie verursacht keine Gewichtszunahme, sie kann sie aber auch nicht verhindern. Viele Frauen nehmen in den Wechseljahren etwas zu, unabhängig von einer Behandlung.

Dürfen Frauen nach Brustkrebs gegen Wechseljahresbeschwerden Hormone nehmen?

Frauen, die Brustkrebs haben oder hatten, wird von Hormonpräparaten abgeraten. Welche anderen Möglichkeiten infrage kommen, besprechen Sie am besten mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt.

Welche Ärztin oder welcher Arzt hilft bei Beschwerden in den Wechseljahren?

Erste Ansprechpartner sind Frauenärztinnen und Frauenärzte. Auch die Hausarztpraxis kann beraten und andere Ursachen ähnlicher Beschwerden prüfen.

Sind Hormon-Selbsttests für die Wechseljahre sinnvoll?

Ein einzelner Hormonwert sagt wenig darüber aus, ob eine Behandlung sinnvoll ist oder wie lange Sie verhüten sollten. Ein Selbsttest ersetzt deshalb kein ärztliches Gespräch.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wechseljahrsbeschwerden. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hormontherapie gegen Wechseljahrsbeschwerden. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wechseljahrsbeschwerden selbst lindern. Abgerufen am .
  4. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Wechseljahre: Beschwerden und Behandlung. Abgerufen am .
  5. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst: Symptome beim Endometriumkarzinom: Warnzeichen erkennen. Abgerufen am .
  6. AWMF-Leitlinienregister (DGGG, OEGGG): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (Registernummer 015-062). Abgerufen am .

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