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Stoffwechsel und Hormone

Schilddrüse: Unterfunktion und Überfunktion erkennen

Die Schilddrüse steuert mit ihren Hormonen viele Abläufe im Körper. Hier lesen Sie, woran Sie eine Unter- oder Überfunktion erkennen, was Knoten bedeuten und wie beides behandelt wird.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten5 Quellen

Kurz gefasst

Die Schilddrüse bildet Hormone, die Stoffwechsel, Herzschlag und Körpertemperatur mitsteuern. Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) entstehen zu wenige Hormone: Viele Betroffene sind müde, frieren leicht und nehmen etwas zu. Bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) sind es zu viele: Herzrasen, Unruhe, Schwitzen und Gewichtsverlust sind typisch.

Beide Störungen lassen sich mit einer Blutuntersuchung erkennen und meist gut behandeln. Eine Unterfunktion wird in der Regel mit Schilddrüsenhormon in Tablettenform ausgeglichen, eine Überfunktion zunächst mit Medikamenten gebremst, die die Hormonbildung hemmen.

Knoten in der Schilddrüse sind häufig und meist harmlos. Oft genügt es, sie in Abständen zu kontrollieren.

Was macht die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ vorne am Hals, unterhalb des Kehlkopfs. Ihre Hormone beeinflussen unter anderem den Grundumsatz, die Körpertemperatur und den Puls.

Für die Hormonbildung braucht die Schilddrüse Jod. Der Körper kann dieses Spurenelement nicht selbst herstellen, es muss regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden.

Gesteuert wird die Schilddrüse von der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) über das Hormon TSH. Sinkt der Hormonspiegel im Blut, bildet die Hirnanhangdrüse mehr TSH und regt die Schilddrüse an. Steigt er, bildet sie weniger. Deshalb ist der TSH-Wert meist der erste Blutwert, den Ärztinnen und Ärzte bestimmen.

Woran erkennt man eine Schilddrüsenunterfunktion?

Eine Unterfunktion verlangsamt viele Abläufe im Körper. Sie entwickelt sich oft schleichend, sodass die Beschwerden lange als Erschöpfung oder Alterserscheinung gedeutet werden.

Etwa 5 von 100 Menschen in Ländern wie Deutschland haben eine Unterfunktion, Frauen und ältere Menschen besonders oft. Häufigste Ursache ist hierzulande die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Entzündung, bei der das Immunsystem das Schilddrüsengewebe angreift. Weitere Ursachen sind eine Operation oder Radiojodtherapie, Jodmangel und manche Medikamente. Typische Anzeichen sind:

  • Müdigkeit, Schwäche und nachlassende Leistungsfähigkeit
  • Frieren und ein langsamer Puls
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, gedrückte Stimmung
  • trockene Haut, trockenes Haar oder Haarausfall
  • leichte Gewichtszunahme und Verstopfung
  • starke Regelblutungen oder Zyklusstörungen

Woran erkennt man eine Schilddrüsenüberfunktion?

Bei einer Überfunktion laufen viele Vorgänge zu schnell ab. Sie betrifft ungefähr 1 von 100 Menschen, Frauen häufiger als Männer, und beginnt meist im mittleren Erwachsenenalter.

Die häufigste Ursache ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse zur Überproduktion anregt. Daneben gibt es die Schilddrüsenautonomie: Teile des Gewebes, oft einzelne Knoten, bilden Hormone, ohne auf die Steuerung durch die Hirnanhangdrüse zu reagieren. Auch eine Entzündung kann vorübergehend gespeicherte Hormone freisetzen. Typische Anzeichen sind:

  • Herzrasen, Herzklopfen, manchmal unregelmäßiger Herzschlag
  • Gewichtsverlust trotz Appetit, häufiger Durchfall
  • Zittern, Nervosität, Reizbarkeit und Schlafprobleme
  • starkes Schwitzen, warme feuchte Haut, dünner werdendes Haar
  • beim Morbus Basedow manchmal hervortretende Augen und Sehstörungen

Schilddrüsenerkrankungen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Hohes Fieber mit Herzrasen, Erbrechen, starker Unruhe oder Verwirrtheit, besonders bei bekannter Überfunktion oder nach einer Untersuchung mit Kontrastmittel
  • Zunehmende Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
  • Starkes Herzrasen mit Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Neu aufgetretenes deutliches Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag
  • Rasch zunehmende Schwellung am Hals mit Schluckbeschwerden oder Heiserkeit
  • Starke Unruhe, Zittern und Schlaflosigkeit nach einer Änderung der Schilddrüsentabletten

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Anhaltende Müdigkeit, Frieren oder Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund
  • Unerklärter Gewichtsverlust, Nervosität, Schwitzen oder Herzklopfen
  • Tastbarer Knoten oder sichtbare Schwellung am Hals
  • Kinderwunsch oder Schwangerschaft bei bekannter Schilddrüsenerkrankung
  • Regelmäßige Kontrolle der Blutwerte während einer Behandlung
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was bedeuten Knoten in der Schilddrüse?

Knoten in der Schilddrüse sind häufig, verursachen meist keine Beschwerden und sind in aller Regel gutartig. Oft werden sie zufällig beim Abtasten des Halses oder bei einem Ultraschall entdeckt.

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit. Im Norden Deutschlands hat etwa jeder zweite Mensch ab ungefähr 65 Jahren Knoten, im Süden bereits ab ungefähr 45 Jahren.

Sehr große Knoten oder eine stark vergrößerte Schilddrüse (Struma, umgangssprachlich Kropf) können auf Kehlkopf oder Speiseröhre drücken und Heiserkeit oder Schluckbeschwerden auslösen. Bildet ein Knoten selbst zu viele Hormone („heißer Knoten“), kann er eine Überfunktion verursachen. Bösartige Knoten sind selten. Meist reicht eine Kontrolle mit Blutwerten und Ultraschall nach etwa einem Jahr, später sind Kontrollen oft seltener nötig.

Wie wird eine Schilddrüsenerkrankung festgestellt?

Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch, das Abtasten des Halses und eine Blutuntersuchung. Weil viele Beschwerden auch andere Ursachen haben können, klärt erst der Bluttest den Verdacht.

Ein einzelner Laborwert reicht selten für eine Diagnose: Referenzbereiche unterscheiden sich zwischen Laboren, und der TSH-Wert schwankt im Tagesverlauf. Ist nur das TSH leicht verändert und sind die Hormone normal, sprechen Fachleute von einer latenten Funktionsstörung. Eine Reihenuntersuchung aller Erwachsenen wird nicht empfohlen, Neugeborene werden dagegen routinemäßig auf eine angeborene Unterfunktion getestet. Wichtige Untersuchungen:

  • TSH: Ein erhöhter Wert spricht für eine Unterfunktion, ein erniedrigter für eine Überfunktion.
  • Freie Schilddrüsenhormone (fT4, manchmal fT3): zeigen, wie ausgeprägt die Störung ist.
  • Ultraschall: zeigt Größe und Gewebe der Schilddrüse und misst Knoten.
  • Szintigrafie: unterscheidet bei Knoten ab etwa 1 Zentimeter, ob sie Hormone bilden („heiß“) oder nicht („kalt“).
  • Gewebeprobe mit einer feinen Nadel: bei großen oder im Ultraschall auffälligen kalten Knoten, um den Befund weiter abzuklären.

Wie werden Unter- und Überfunktion behandelt?

Eine Unterfunktion wird meist mit Schilddrüsenhormon in Tablettenform behandelt, das die fehlenden Hormone ersetzt. Eine Überfunktion wird in der Regel zuerst mit Thyreostatika gebremst, also mit Medikamenten, die die Hormonbildung hemmen.

Bei der Unterfunktion wird die Tablette einmal täglich eingenommen, meist etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück. Bis sich die Werte eingependelt haben, dauert es etwa zwei bis drei Monate. Anfangs wird das Blut häufiger kontrolliert, später reicht meist eine Kontrolle einmal im Jahr. Bei passender Einstellung wird die Behandlung meist gut vertragen, eine zu hohe Menge kann aber zum Beispiel Nervosität auslösen. Je nach Ursache ist sie vorübergehend oder lebenslang nötig.

Eine leichte Überfunktion klingt manchmal von selbst ab. Nach dem Absetzen der Thyreostatika kann sie aber auch zurückkehren. Dann kommen eine Operation oder eine Radiojodtherapie infrage, bei der radioaktives Jod überaktive Zellen gezielt zerstört. Knoten lassen sich auch mit Hitze oder Alkohol veröden (Ablation). Nach einer Operation oder Radiojodtherapie ist oft dauerhaft Schilddrüsenhormon nötig. Welche Behandlung passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was können Sie selbst tun?

Gegen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse können Sie selbst wenig ausrichten. Sie können aber auf eine ausreichende Jodversorgung achten und die Behandlung gut in den Alltag einbauen.

  • Verwenden Sie jodiertes Speisesalz. Seefisch, Milch, Milchprodukte und Eier liefern ebenfalls Jod.
  • Nehmen Sie Hormontabletten regelmäßig und immer auf die gleiche Weise ein.
  • Weisen Sie vor Röntgen- oder CT-Untersuchungen auf eine bekannte Überfunktion hin: Jodhaltige Kontrastmittel und Medikamente können dann eine gefährliche Entgleisung auslösen.
  • Sagen Sie Ihrer Praxis, wenn Sie zusätzlich Eisenpräparate einnehmen, denn Eisen kann die Wirkung von Schilddrüsenhormon abschwächen.

Ist eine Videosprechstunde bei Schilddrüsenproblemen möglich?

Für Gespräche über Beschwerden, Befunde und den Verlauf einer bekannten Erkrankung kann eine Videosprechstunde infrage kommen. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Blutabnahme, Abtasten und Ultraschall finden in der Praxis statt. Vorhandene Laborwerte lassen sich dagegen oft per Video besprechen, etwa bei einer Befundbesprechung. Mehr dazu unter Videosprechstunde und Schilddrüse besprechen.

Häufige Fragen zu Schilddrüsenerkrankungen

Kann eine Schilddrüsenunterfunktion von selbst wieder verschwinden?

Manchmal ja, etwa wenn eine Entzündung der Schilddrüse abklingt. Je nach Ursache ist die Behandlung deshalb vorübergehend oder dauerhaft, nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse zum Beispiel lebenslang.

Wie stark beeinflusst eine Schilddrüsenunterfunktion das Körpergewicht?

Sie kann zu einer leichten bis mäßigen Gewichtszunahme beitragen, weil der Stoffwechsel langsamer arbeitet. Mit einer passenden Behandlung bilden sich die Beschwerden meist zurück.

Ist ein kalter Knoten in der Schilddrüse gefährlich?

Kalte Knoten bilden keine Hormone und sind meist gutartig. Krebs lässt sich bei ihnen aber nicht sicher ausschließen, deshalb wird je nach Größe und Ultraschallbild manchmal eine Gewebeprobe empfohlen.

Was bedeutet ein leicht erhöhter TSH-Wert ohne Beschwerden?

Sind die Schilddrüsenhormone normal, spricht man von einer latenten Unterfunktion. Pro Jahr entwickeln etwa 2 bis 5 von 100 Betroffenen eine Unterfunktion mit Beschwerden, leicht erhöhte Werte normalisieren sich aber auch oft wieder. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, wird individuell entschieden.

Welche Folgen kann eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion haben?

Auf Dauer kann sie Herz und Kreislauf belasten und zum Beispiel Vorhofflimmern begünstigen. Außerdem beschleunigt sie den Knochenumbau und kann so zu Osteoporose beitragen.

Wie wird eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion bei Babys erkannt?

Bei allen Neugeborenen wird im Rahmen des Neugeborenen-Screenings der TSH-Wert bestimmt. Eine angeborene Unterfunktion betrifft etwa 1 von 3.400 Neugeborenen und kann so früh behandelt werden.

Welche Praxis ist bei Schilddrüsenerkrankungen die richtige Anlaufstelle?

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Für die weitere Abklärung, etwa bei Knoten oder schwer einstellbaren Werten, kommen Fachpraxen für Endokrinologie oder Nuklearmedizin infrage.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Gutartige Schilddrüsenknoten. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH). Abgerufen am .
  5. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie funktioniert die Schilddrüse?. Abgerufen am .

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