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Psyche

Angststörungen: Panikattacken, Phobien und Behandlung

Angst schützt vor Gefahren. Wird sie übermächtig, kommt ohne Anlass oder bestimmt den Alltag, kann eine Angststörung dahinterstecken. Hier lesen Sie, welche Formen es gibt und was hilft.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten7 Quellen

Kurz gefasst

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Innerhalb eines Jahres sind in Deutschland etwa 15 von 100 Erwachsenen betroffen. Die Angst ist dabei viel stärker, als es die Lage erklärt, kommt immer wieder und schränkt das Leben ein.

Angststörungen lassen sich gut behandeln. Die Leitlinie empfiehlt vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie und, je nach Wunsch und Lage, Medikamente aus der Gruppe der Antidepressiva.

Wichtig: Brustschmerzen, Atemnot und Todesangst können auch ein Herzinfarkt sein. Halten Brustschmerzen länger als fünf Minuten an und werden in Ruhe nicht besser, rufen Sie sofort den Notruf 112, auch wenn Sie schon Panikattacken hatten.

Was ist eine Angststörung?

Von einer Angststörung sprechen Fachleute, wenn Angst ohne echte Gefahr oder in übertriebenem Maß auftritt, lange anhält und den Alltag beeinträchtigt. Viele Betroffene wissen, dass ihre Angst überzogen ist, können sie aber nicht steuern.

Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer, am häufigsten sind junge Erwachsene betroffen. Angststörungen treten oft zusammen mit einer Depression oder einer Sucht auf. Viele Betroffene suchen zuerst wegen körperlicher Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel oder Magenproblemen Hilfe, sodass die Angst als Ursache erst spät erkannt wird.

Welche Formen von Angststörungen gibt es?

Die S3-Leitlinie beschreibt vor allem die folgenden Formen. Sie können auch gemeinsam auftreten.

  • Panikstörung: plötzliche Angstanfälle mit starken körperlichen Beschwerden, oft ohne erkennbaren Auslöser
  • Agoraphobie: Angst vor Orten, an denen eine Flucht schwierig oder peinlich wäre, etwa in Menschenmengen, Bus und Bahn oder Fahrstühlen; oft zusammen mit einer Panikstörung
  • Generalisierte Angststörung: ständige, schwer kontrollierbare Sorgen über viele Lebensbereiche, mindestens sechs Monate lang an den meisten Tagen
  • Soziale Phobie: starke Angst, im Mittelpunkt zu stehen und von anderen negativ bewertet zu werden
  • Spezifische Phobie: Angst vor bestimmten Dingen oder Situationen, etwa Spinnen, Höhen, Blut oder Spritzen

Angststörungen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Brustschmerzen oder Druck in der Brust, die länger als fünf Minuten anhalten und in Ruhe nicht besser werden
  • Schmerzen, die in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen
  • Atemnot, kalter Schweiß oder Übelkeit zusammen mit Beschwerden in der Brust
  • Gedanken oder Pläne, sich das Leben zu nehmen

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Eine erste Panikattacke mit Herzrasen oder Atemnot, die abgeklungen, aber noch nicht ärztlich abgeklärt ist
  • Angst, die Sie kaum noch aushalten: Telefonseelsorge 116 123, rund um die Uhr
  • Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Wiederkehrende Panikattacken oder Angst vor der nächsten Attacke
  • Sorgen und Anspannung an den meisten Tagen über Wochen
  • Sie meiden Orte, Menschen oder Situationen wegen Ihrer Angst
  • Herzrasen, Schwindel oder Magenprobleme ohne geklärte Ursache
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Panikattacke oder Herzinfarkt: Wie unterscheiden sie sich?

Für Betroffene lässt sich das oft nicht sicher unterscheiden. Bei Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und in Ruhe nicht besser werden, gilt deshalb immer: sofort 112 rufen.

Bei einer Panikattacke steigt die Angst plötzlich stark an. Dazu kommen Herzrasen, Atemnot, Enge in der Brust, Schwitzen, Zittern, Schwindel und oft die Angst, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Eine Attacke dauert meist 10 bis 20 Minuten und wird häufig für einen Herzinfarkt gehalten.

Ein Herzinfarkt kann sich ganz ähnlich anfühlen: Druck oder Enge in der Brust, Schmerzen, die in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen, Atemnot, Übelkeit, kalter Schweiß und Todesangst. Bei Frauen sind Atemnot, Übelkeit oder Erbrechen manchmal die einzigen Anzeichen. Rufen Sie dann den Notruf 112 und nicht den Bereitschaftsdienst.

Auch wer Panikattacken kennt, sollte neue oder andersartige Beschwerden nicht selbst als Panik einordnen. Mehr zu Brustschmerzen.

Wie entstehen Angststörungen?

Meist kommen mehrere Faktoren zusammen, etwa eine Veranlagung, belastende Erfahrungen und anhaltender Stress. Eine Angststörung kann aber auch ohne erkennbaren Auslöser beginnen.

Viele Betroffene entwickeln eine Angst vor der Angst und meiden Orte, an denen sie schon einmal Angst hatten. Dieses Vermeiden kann die Angst aufrechterhalten. Es schrittweise abzubauen, ist deshalb ein wichtiges Ziel der Behandlung. Mögliche Einflüsse sind:

  • Angststörungen in der Familie
  • schwere Belastungen, Verluste oder traumatische Erlebnisse
  • Lebenskrisen und dauerhafter Stress
  • andere Erkrankungen wie Depression oder Sucht

Wie wird eine Angststörung festgestellt?

Grundlage ist ein ausführliches Gespräch über Art, Dauer und Auslöser der Angst. Zusätzlich werden körperliche Ursachen ausgeschlossen, die ähnliche Beschwerden machen können.

Die Leitlinie nennt dafür mindestens eine gründliche Befragung, eine körperliche Untersuchung, Blutwerte wie Blutzucker, Blutsalze und Schilddrüsenwerte sowie ein EKG. Je nach Beschwerden kommen weitere Untersuchungen hinzu, etwa der Lungenfunktion. Infrage kommen zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, Asthma oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Auch anregende Substanzen können Herzrasen auslösen.

Wie werden Angststörungen behandelt?

Die S3-Leitlinie empfiehlt, Psychotherapie oder Medikamente anzubieten und dabei die Wünsche der gut informierten Betroffenen zu berücksichtigen. Am besten untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT).

In der KVT lernen Sie, angstauslösende Gedanken zu prüfen und sich gefürchteten Situationen schrittweise und begleitet zu stellen. Hilft eine KVT nicht, ist sie nicht verfügbar oder wünschen Sie es, kommt eine psychodynamische Psychotherapie infrage. Online-Programme auf Grundlage der KVT können die Wartezeit überbrücken oder eine Therapie begleiten, sollen sie aber nicht ersetzen.

Unter den Medikamenten empfiehlt die Leitlinie vor allem bestimmte Antidepressiva. Sie wirken erst nach einigen Wochen und werden nach dem Abklingen der Beschwerden meist noch 6 bis 12 Monate weiter eingenommen. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine wirken zwar schnell, können aber abhängig machen und sind deshalb nur für Ausnahmefälle und kurze Zeit vorgesehen. Ob und welches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Bei einer Panikstörung kann regelmäßiges Ausdauertraining die Behandlung ergänzen.

Was können Sie selbst tun?

Sie können die Behandlung mit eigenen Schritten unterstützen. Bei einer ausgeprägten Angststörung ersetzt Selbsthilfe aber keine Therapie.

  • Informieren Sie sich in seriösen Quellen über Ihre Form der Angst. Wissen kann helfen, die Beschwerden einzuordnen.
  • Lernen Sie ein Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Atemübungen.
  • Bleiben Sie aktiv, zum Beispiel mit regelmäßiger Bewegung.
  • Weichen Sie gefürchteten Situationen nicht dauerhaft aus. Wie Sie sich ihnen schrittweise stellen, besprechen Sie am besten in der Therapie.
  • Greifen Sie nicht auf eigene Faust zu Beruhigungsmitteln, denn manche machen abhängig.
  • Tauschen Sie sich in einer Selbsthilfegruppe mit anderen Betroffenen aus.

Was zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt ärztliche Behandlung und Psychotherapie, zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie. Der erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde, für die Sie keine Überweisung brauchen.

Termine für die psychotherapeutische Sprechstunde vermittelt der Terminservice 116117 innerhalb von vier Wochen, telefonisch, online oder per App. Bestimmte Apps auf Rezept (DiGA) aus dem Verzeichnis des BfArM können verordnet und von der Kasse bezahlt werden.

Manche Therapiesitzungen sind auch per Video möglich. Ob eine Videosprechstunde passt oder ein Termin vor Ort nötig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin, der Arzt oder die Psychotherapeutin.

Häufige Fragen zu Angststörungen

Was hilft während einer akuten Panikattacke?

Meist ist keine besondere Behandlung nötig, weil die Angst nach einiger Zeit von selbst nachlässt. Die ruhige Anwesenheit einer Ärztin, eines Arztes oder einer Begleitperson kann beruhigen. Bei Brustschmerzen oder wenn Sie unsicher sind, rufen Sie 112.

Wie lange dauert die Behandlung einer Angststörung?

Das ist sehr verschieden und wird nach Schwere, Begleiterkrankungen und Lebenslage geplant. Eine Verhaltenstherapie läuft meist über mehrere Wochen oder Monate mit wöchentlichen Sitzungen. Besserungen sind oft schon nach einigen Wochen spürbar.

Sind Frauen häufiger von Angststörungen betroffen?

Ja. In einer Studie des Robert Koch-Instituts hatten innerhalb eines Jahres etwa 21 von 100 Frauen und 9 von 100 Männern eine Angststörung. Bei der generalisierten Angststörung sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen.

Wie können Angehörige bei einer Angststörung unterstützen?

Hilfreich ist Verständnis für die Beschwerden und Wissen über die Erkrankung. Angehörige sollten Vermeidung nicht durch Trost verstärken, sondern ermutigen, sich Schritt für Schritt den gefürchteten Situationen zu stellen. Mit Einverständnis der Betroffenen können sie auch in die Therapie einbezogen werden.

Hängen Angststörung und Depression zusammen?

Beide treten häufig gemeinsam auf. Liegt neben der Angststörung eine Depression vor, soll diese nach der Leitlinie ebenfalls behandelt werden. Mehr dazu unter Depression.

Helfen pflanzliche Mittel bei Angststörungen?

Mittel mit Baldrian, Lavendel, Kamille oder Passionsblume sind bei der generalisierten Angststörung kaum untersucht. Auch sie können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben. Fragen Sie vor der Einnahme in der Apotheke oder ärztlich nach und lesen Sie die Packungsbeilage.

Quellen

  1. AWMF, Deutsche S3-Leitlinie (Reg.-Nr. 051-028): Behandlung von Angststörungen, Version 2 (2021). Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Generalisierte Angststörung. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Glossar: Panikstörung. Abgerufen am .
  5. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Herzinfarkt. Abgerufen am .
  6. Bundesministerium für Gesundheit: Psychotherapeutische Sprechstunde. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. Abgerufen am .

Fragen zu Angststörungen? Sprechen Sie mit einer Praxis.

Termine vor Ort oder per Video, direkt online buchen. Ob ein Videotermin reicht, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Im Notfall 112, außerhalb der Sprechzeiten 116117.