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Psyche

Burnout: Anzeichen, Unterschied zur Depression und Hilfe

Burnout beschreibt tiefe Erschöpfung nach lang anhaltender Überlastung. Eine eigene Krankheitsdiagnose ist es nicht. Umso wichtiger ist eine ärztliche Abklärung, denn dahinter kann auch eine Depression stecken.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Burnout bezeichnet einen Zustand aus Erschöpfung, innerer Distanz zur Arbeit und nachlassender Leistungsfähigkeit nach lang anhaltender Belastung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt Burnout in der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen, nicht als Krankheit.

Die Beschwerden ähneln denen einer Depression. Ruhe kann bei reiner Überlastung helfen, eine Depression aber verschlimmern. Deshalb ist eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung wichtig. Eine gute erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis.

Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, rufen Sie den Notruf 112. Die Telefonseelsorge ist unter 116 123 rund um die Uhr kostenlos erreichbar.

Was ist ein Burnout?

Burnout ist ein Begriff für Erschöpfung durch dauerhafte Überforderung, für den es keine einheitliche wissenschaftliche Definition gibt. Fachleute sehen das Burnout-Syndrom nicht als eigenständige Erkrankung.

Die Beschwerden sind trotzdem ernst zu nehmen. Sie treten oft zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen wie einer Depression oder einer Angststörung auf und können das Risiko erhöhen, an einer Depression zu erkranken. Nicht hinter jedem Burnout steckt aber eine Depression.

Ist Burnout eine Krankheit?

Nein, Burnout gilt nicht als eigene Krankheitsdiagnose. Die WHO beschreibt es in der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen, und zwar im Kapitel für Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen.

Nach der WHO-Beschreibung entsteht Burnout durch chronischen Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt wurde. Der Begriff soll nur für das Berufsleben verwendet werden, nicht für andere Lebensbereiche.

Die ICD-11 ist international seit dem 1. Januar 2022 in Kraft, wird in Deutschland aber noch nicht zum Verschlüsseln von Diagnosen genutzt. Hier gilt weiter die ICD-10-GM. Dort steht „Ausgebranntsein [Burn-out]“ unter Z73, bei den Problemen der Lebensbewältigung und nicht bei den psychischen Erkrankungen. Liegt eine Erkrankung wie eine Depression vor, wird diese als eigene Diagnose gestellt.

Welche Anzeichen sind typisch für Burnout?

Typisch sind drei Bereiche: Erschöpfung, eine zunehmende innere Distanz zur Arbeit und eine geringere Leistungsfähigkeit.

Halten die Beschwerden auch nach Erholungsphasen an, lassen Sie sie ärztlich abklären.

  • Erschöpfung: sich leer und ausgelaugt fühlen, wenig Energie, Müdigkeit, manchmal Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden
  • Distanz: wachsende Gleichgültigkeit, Zynismus oder negative Gefühle gegenüber der Arbeit
  • Leistung: weniger schaffen als früher, im Beruf, im Haushalt oder bei der Pflege von Angehörigen

Burnout: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Gedanken oder Pläne, sich das Leben zu nehmen
  • Jemand gefährdet sich selbst oder andere: Notruf 112 oder Polizei 110
  • Brustschmerzen mit Atemnot, kaltem Schweiß oder Übelkeit

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit, die Sie kaum aushalten: Telefonseelsorge 116 123, rund um die Uhr
  • Außerhalb der Sprechzeiten: ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Erschöpfung, die trotz Erholung über Wochen anhält
  • Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit oder anhaltende Schlafprobleme
  • Schmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden ohne erkennbare Ursache
  • Sie können Arbeit, Haushalt oder die Pflege von Angehörigen kaum noch bewältigen
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was führt zu einem Burnout?

Auslöser ist anhaltende Belastung, bei der Anforderungen und eigene Kräfte lange nicht zusammenpassen. Sie kann aus dem Beruf kommen, im Alltag wird der Begriff aber auch für Überlastung im privaten Umfeld verwendet.

  • lang andauernde Über- oder Unterforderung
  • ständiger Zeitdruck
  • Konflikte mit Kolleginnen, Kollegen oder Vorgesetzten
  • sehr hoher Einsatz, bei dem eigene Bedürfnisse zu kurz kommen
  • Pflege von Angehörigen ohne ausreichende Entlastung

Burnout oder Depression: Was ist der Unterschied?

Beide gehen mit starker Erschöpfung, gedrückter Stimmung und geringerer Leistungsfähigkeit einher. Bei einer Depression betreffen die negativen Gedanken aber alle Lebensbereiche, nicht nur bestimmte Anforderungen wie die Arbeit.

Für eine Depression sprechen zum Beispiel ein geringes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Gedanken an den Tod. Diese Anzeichen gelten nicht als typisch für Burnout.

Die Unterscheidung ist wichtig: Wer nur durch Belastung erschöpft ist, kann sich durch einen längeren Urlaub oder eine Auszeit erholen. Bei einer Depression kann bloße Ruhe die Lage dagegen verschlechtern. Dann helfen eher Psychotherapie oder Medikamente. Auch eine Angststörung, körperliche Erkrankungen oder bestimmte Medikamente können erschöpfen.

Wie wird Burnout abgeklärt?

Weil es keine festen Diagnosekriterien gibt, geht es vor allem darum, andere Ursachen der Erschöpfung zu finden oder auszuschließen. Dazu gehören ein ausführliches Gespräch und bei Bedarf eine körperliche Untersuchung.

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Belastungen, Schlaf, Stimmung und Alltag und prüft, ob eine Depression, eine Angststörung oder eine körperliche Ursache vorliegt. Fragebögen werden häufig eingesetzt. Weil es keine einheitliche Definition gibt, ist aber unklar, was sie genau messen. Online-Selbsttests eignen sich nicht, um ein Burnout festzustellen.

Nennen Sie im Gespräch auch alle Medikamente, die Sie einnehmen, denn manche können müde und erschöpft machen. Hilfreich ist außerdem, wenn Sie vorher notieren, seit wann die Beschwerden bestehen und was sie verstärkt oder lindert.

Was hilft bei Burnout?

Entscheidend ist, die Ursache der Überlastung anzugehen. Liegt zusätzlich eine Erkrankung wie eine Depression vor, wird diese nach den dafür geltenden Empfehlungen behandelt.

Ob eine Krankschreibung nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; einen Anspruch darauf gibt es nicht. Waren Sie innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen arbeitsunfähig, muss Ihr Arbeitgeber mit Ihrer Zustimmung klären, wie Sie gut an den Arbeitsplatz zurückkehren und einer erneuten Arbeitsunfähigkeit vorbeugen können. Das nennt sich betriebliches Eingliederungsmanagement.

Auch Betriebe können vorbeugen. Krankenkassen unterstützen sie bei der betrieblichen Gesundheitsförderung, etwa mit einer Analyse der Arbeitssituation, Beratung zu gesünderen Arbeitsbedingungen und Angeboten zur Stressbewältigung. Fragen Sie in Ihrem Betrieb nach, ob es solche Angebote gibt.

  • Veränderungen am Arbeitsplatz, etwa bei Aufgaben, Abläufen oder Konflikten
  • Erholung und Abstand, wenn reine Überlastung die Ursache ist
  • konkrete Hilfe im Alltag für pflegende Angehörige, zum Beispiel über eine Pflegeberatung
  • Kurse zur Stressbewältigung, die viele Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen bezuschussen
  • Psychotherapie oder ärztliche Behandlung, wenn eine psychische Erkrankung vorliegt

Wo finden Sie Unterstützung?

Eine gute erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Dort werden körperliche Ursachen abgeklärt und die nächsten Schritte besprochen, etwa eine psychotherapeutische Sprechstunde.

Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchen Sie keine Überweisung. Termine vermittelt auch der Terminservice 116117, für die Sprechstunde innerhalb von vier Wochen. Ein Gespräch über Belastung und Erschöpfung kann auch per Videosprechstunde stattfinden. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen zu Burnout

Kann man wegen Burnout krankgeschrieben werden?

Ob Sie arbeitsunfähig sind, beurteilt die Ärztin oder der Arzt anhand Ihrer Beschwerden und Ihrer Tätigkeit, nicht anhand des Begriffs Burnout. Folgen beruflicher Belastung sind ein häufiger Grund für Krankschreibungen. Mehr zur Krankschreibung.

Gibt es einen Test, der Burnout sicher erkennt?

Nein. Der bekannteste Fragebogen, das Maslach Burnout Inventory, wurde für die Forschung und nicht für die Diagnose entwickelt. Online-Fragebögen ersetzen keine ärztliche Abklärung.

Kann ein Burnout auch ohne Berufstätigkeit entstehen?

Die WHO verwendet den Begriff nur für den Beruf. Im Alltag und in deutschen Gesundheitsinformationen wird er weiter gefasst; auch die Pflege von Angehörigen kann zu ähnlicher Erschöpfung führen.

Woher kommt der Begriff Burnout?

Der Psychotherapeut Herbert Freudenberger beschrieb Burnout in den 1970er-Jahren bei Menschen in helfenden Berufen. Heute wird der Begriff deutlich breiter verwendet.

Zahlt die Krankenkasse Kurse zur Vorbeugung von Burnout?

Viele Krankenkassen bezuschussen qualitätsgeprüfte Präventionskurse, zum Beispiel zur Stressbewältigung, auch als Online-Kurs. Bedingungen und Höhe des Zuschusses unterscheiden sich; fragen Sie direkt bei Ihrer Kasse nach.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation (WHO): Burn-out an 'occupational phenomenon': International Classification of Diseases. Abgerufen am .
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-10-GM 2026, Block Z70–Z76. Abgerufen am .
  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): ICD-11. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Was ist ein Burnout?. Abgerufen am .
  5. Bundesministerium für Gesundheit: Psychotherapeutische Sprechstunde. Abgerufen am .
  6. Bundesministerium für Gesundheit: Gesund bleiben: Gesundheitsförderung und Prävention. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. Abgerufen am .
  8. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 167 SGB IX: Prävention (betriebliches Eingliederungsmanagement). Abgerufen am .

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