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Was ist eine Arthrose?
Eine Arthrose ist eine Gelenkerkrankung, bei der Abbauvorgänge im Gelenk auf Dauer die Reparatur überwiegen. Sie ist keine reine Abnutzung, sondern betrifft das ganze Gelenk.
Der Knorpel wird dünner und rissig, der Gelenkspalt enger. Die Gelenkhaut verdickt sich, am Knochen bilden sich Randzacken, und Bänder, Kapsel und Muskeln werden schwächer. Entzündungen tragen dazu bei, sind aber anders als bei der rheumatoiden Arthritis nicht die eigentliche Ursache.
Fast jedes Gelenk kann betroffen sein, die Fachbegriffe für Knie und Hüfte sind Gonarthrose und Coxarthrose. In einer großen deutschen Studie gaben 4 Prozent der Erwachsenen an, in den vergangenen zwölf Monaten wegen Kniearthrose behandelt worden zu sein, je 2 Prozent wegen Hüft- oder Fingerarthrose. Auch die kleinen Wirbelgelenke können sich verändern und zu Rückenschmerzen beitragen.
Woran erkennt man eine Arthrose?
Typisch sind Schmerzen bei Belastung und eine Steifigkeit nach Ruhepausen, die sich nach den ersten Schritten bessert. Die Beschwerden entwickeln sich meist langsam über Jahre.
Hält die Morgensteifigkeit länger als 30 Minuten an oder ist das Gelenk warm, spricht das eher für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Bei einer Arthrose sind typisch:
- Anlaufschmerz: Das Gelenk ist nach dem Aufstehen oder längerem Sitzen steif, wird mit Bewegung aber rasch besser.
- Belastungsschmerz, etwa beim Treppensteigen; Schmerzen in Ruhe oder nachts sprechen für eine fortgeschrittene Arthrose.
- Bei Hüftarthrose oft Schmerzen in der Leiste, die ins Gesäß, in den Oberschenkel oder bis zum Knie ausstrahlen können.
- Eine eher feste, nicht überwärmte Schwellung; an den Fingern können sich harte Knötchen bilden.
- Schübe mit plötzlich stechenden oder brennenden Schmerzen, die meist nach einigen Tagen abklingen.
Arthrose: Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- Sturz mit starken Schmerzen in Hüfte oder Bein, wenn Sie nicht mehr aufstehen oder das Bein nicht belasten können
- Ein heißes, stark geschwollenes Gelenk zusammen mit hohem Fieber, Schüttelfrost oder Verwirrtheit
- Nach einer Gelenkoperation plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- Ein Gelenk ist plötzlich gerötet, überwärmt und stark geschwollen
- Ein Gelenk blockiert plötzlich und lässt sich nicht mehr strecken oder beugen
- Nach einer Gelenkoperation eine gerötete, nässende Wunde oder ein geschwollenes, schmerzendes Bein
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- Gelenkschmerzen, die über Wochen anhalten oder immer wiederkehren
- Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält
- Schmerzen in Ruhe oder nachts oder Beschwerden, die den Alltag zunehmend einschränken
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Welche Ursachen und Risikofaktoren gibt es?
Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Neben dem Alter spielen frühere Verletzungen, Übergewicht und hohe Belastungen der Gelenke eine wichtige Rolle.
- Verletzungen wie ein Kreuzband- oder Meniskusriss oder ein Knochenbruch am Gelenk
- starkes Übergewicht, bei Kniearthrose etwa ein BMI über 30; es belastet die Gelenke und fördert Entzündungen
- Fehlstellungen wie X- oder O-Beine, unterschiedlich lange Beine oder angeborene Veränderungen der Hüfte
- schwere körperliche Arbeit, häufiges Knien oder schweres Heben
- Bewegungsmangel und schwache Oberschenkelmuskeln
- eine familiäre Veranlagung
Wie wird eine Arthrose festgestellt?
Meist reichen die typischen Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Ein Röntgenbild hilft, wenn Zweifel bestehen.
Ein deutlich verengter Gelenkspalt im Röntgenbild spricht für eine Arthrose. Bildbefund und Beschwerden passen aber oft nicht zusammen: Bei der Hüfte hat nur etwa ein Viertel der Menschen mit Arthrosezeichen im Röntgenbild auch Schmerzen. Behandelt wird deshalb nach den Beschwerden, nicht nach dem Bild. Blutuntersuchungen, Ultraschall oder MRT helfen vor allem, andere Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis oder Gicht auszuschließen.
Wie wird eine Arthrose behandelt?
Bewegung und gezielte Übungen sind die Grundlage jeder Behandlung. Medikamente, Hilfsmittel und Spritzen können ergänzend helfen.
Übungen, die Muskeln kräftigen und das Gelenk beweglich halten, können Schmerzen lindern und die Funktion verbessern, zum Beispiel in der Physiotherapie, beim Rehasport, bei Wassergymnastik, Yoga oder Tai-Chi. Bei Arthrose in Fingern oder Handgelenk zeigt eine Ergotherapie, wie Sie die Gelenke im Alltag schonen.
Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen können Schmerzen lindern, sollten aber nur bei Bedarf und so niedrig dosiert wie möglich eingenommen werden. Bei Kniearthrose sind Schmerzgele eine nebenwirkungsärmere Möglichkeit; bei Hüftarthrose ist ihr Nutzen nicht belegt, ebenso wenig der von Paracetamol bei Knie und Hüfte. Beachten Sie die Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke nach. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Kortisonspritzen ins Gelenk lindern die Beschwerden am Knie bis zu etwa acht Wochen, an der Hüfte etwa zwei bis drei Monate. Häufig wiederholt können sie den Knorpel schwächen. Für Spritzen mit Hyaluronsäure oder aufbereitetem Eigenblut konnte kein Nutzen gezeigt werden. Werden Ihnen solche Leistungen gegen Bezahlung angeboten, lassen Sie sich Nutzen, Risiken und Kosten erklären; mehr dazu unter IGeL.
Wann kommt ein künstliches Gelenk infrage?
Bei fortgeschrittener Knie- oder Hüftarthrose, wenn der Alltag stark eingeschränkt ist und andere Behandlungen nicht mehr ausreichen. Ein Gelenkersatz lindert die Schmerzen meist gut, ist aber eine größere Operation mit Risiken.
Der Verlauf ist schwer vorherzusagen. Bei Kniearthrose blieben die Schmerzen in Untersuchungen über fünf bis acht Jahre bei etwa 85 Prozent der Betroffenen ungefähr gleich, bei etwa 7 Prozent wurden sie stärker, bei etwa 8 Prozent schwächer. In einer Studie zur Hüftarthrose entschieden sich innerhalb von zehn Jahren 12 von 100 Menschen für ein künstliches Hüftgelenk.
Nach der Operation ist eine Rehabilitation wichtig, die Erholung kann Wochen bis Monate dauern. Bei Kniearthrose ist manchmal auch eine Umstellungsoperation möglich, die die Beinachse korrigiert.
Was können Sie bei Arthrose selbst tun?
Sie können viel selbst beitragen, vor allem durch Bewegung im Alltag und, wenn nötig, durch Abnehmen. Bei starkem Übergewicht sollten es mindestens 5 Prozent, besser 10 Prozent des Körpergewichts sein, damit sich die Beschwerden spürbar bessern.
- regelmäßig in Bewegung bleiben und die Übungen aus der Physiotherapie zu Hause fortsetzen
- gut sitzende Schuhe mit fester, dämpfender Sohle tragen, bei Hüftarthrose ohne Absatz
- Hilfsmittel nutzen: Gehstock, Rollator oder Greif- und Öffnungshilfen entlasten die Gelenke; mehr dazu im Ratgeber Hilfsmittel
- bei Werbeversprechen vorsichtig sein: Für Nahrungsergänzungsmittel, besondere Diäten, Ultraschall oder Elektrotherapie (TENS) ist kein Nutzen belegt
Was zahlt die Krankenkasse bei Arthrose?
Physiotherapie, Ergotherapie und Hilfsmittel wie Gehhilfen kann die Ärztin oder der Arzt verordnen; die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie dann bis auf eine Zuzahlung. Akupunktur ist bei Kniearthrose unter bestimmten Bedingungen eine Kassenleistung.
Voraussetzung für Akupunktur auf Kassenkosten sind chronische Knieschmerzen durch Arthrose, die seit mindestens sechs Monaten bestehen. Eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) allein zum Spülen des Knies oder Glätten des Knorpels zahlen die gesetzlichen Kassen bei Kniearthrose nicht. Ausnahmen gelten etwa nach Verletzungen oder bei einem akut blockierten Gelenk.
Für Verlaufsgespräche kann eine Videosprechstunde infrage kommen; ob das reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Häufige Fragen zu Arthrose
Was ist der Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis?
Arthritis bedeutet Gelenkentzündung, zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis oder bei Gicht. Bei einer Arthrose stehen Veränderungen von Knorpel, Knochen und Gelenkhaut im Vordergrund; Entzündungen spielen mit, sind aber nicht die Ursache.
Schadet Sport bei Arthrose dem Gelenk?
Regelmäßige Bewegung gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, weil sie die Ernährung des Knorpels unterstützt und die Muskeln und Bänder kräftigt, die das Gelenk stabilisieren. Stoßartige Belastungen, etwa beim Joggen, können dagegen Schmerzen auslösen; geeignete Übungen zeigt die Physiotherapie.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel bei Arthrose?
Für Mittel wie Glucosamin, Chondroitin oder Vitamine ist bei Arthrose kein Nutzen belegt, ebenso wenig für pflanzliche Präparate wie Teufelskralle. Vorsicht ist bei Werbung geboten, die schnelle Hilfe verspricht.
Was ist ein Arthrose-Schub?
Bei einem Schub werden die Schmerzen plötzlich stärker, und das Gelenk kann vorübergehend anschwellen. Etwa 40 Prozent der Menschen mit Arthrose haben solche Schübe, besonders wenn die Arthrose schon länger besteht; die meisten etwa einmal im Monat.
Kann eine Arthrose nach einer Sportverletzung entstehen?
Ja. Verletzungen wie ein Kreuzband- oder Meniskusriss oder ein Knochenbruch am Gelenk erhöhen das Risiko; Fachleute sprechen dann von einer posttraumatischen Arthrose.
Bekommt man bei Arthrose einen Gehstock auf Rezept?
Gehhilfen sind Hilfsmittel, die die Ärztin oder der Arzt verordnen kann. Gesetzlich Versicherte zahlen dann 10 Prozent des Preises zu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro; Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen nichts.
Welche Praxis behandelt Arthrose?
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis. Für die weitere Abklärung oder vor einer Operation kommen orthopädische Praxen infrage, bei Verdacht auf eine entzündliche Gelenkerkrankung auch die Rheumatologie.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Arthrose. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Kniearthrose (Gonarthrose). Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hüftarthrose (Coxarthrose). Abgerufen am .
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Arthrose. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Was sind Heilmittel und Hilfsmittel?. Abgerufen am .
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Anlage I Nr. 12 (Körperakupunktur) und Anlage II Nr. 53 (Arthroskopie bei Gonarthrose). Abgerufen am .