Inhalt dieser Seite
Ab welchem BMI spricht man von Übergewicht und Adipositas?
Der BMI setzt das Gewicht ins Verhältnis zur Körpergröße: Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat.
Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskeln und sagt nichts über die Fettverteilung. Deshalb wird oft zusätzlich der Bauchumfang gemessen: Mehr als 102 Zentimeter bei Männern und mehr als 88 Zentimeter bei Frauen sprechen für viel Bauchfett. Auch dieses Maß berücksichtigt weder Körperbau noch Alter. Für Kinder und Jugendliche gelten eigene, nach Alter und Geschlecht abgestufte Maßstäbe.
- BMI 25 bis unter 30: Übergewicht
- BMI 30 bis unter 35: Adipositas Grad 1
- BMI 35 bis unter 40: Adipositas Grad 2
- BMI ab 40: Adipositas Grad 3
Welche gesundheitlichen Folgen kann Adipositas haben?
Adipositas kann das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen erhöhen, und zwar umso mehr, je ausgeprägter sie ist und je länger sie besteht.
Ob Adipositas selbst eine Krankheit ist, sehen Fachgesellschaften unterschiedlich: Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft und die Weltgesundheitsorganisation werten sie als Erkrankung, die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin als Risikofaktor, der zusammen mit anderen Werten beurteilt wird. Viele Menschen mit Adipositas Grad 1 fühlen sich nicht weniger gesund als andere.
- Typ-2-Diabetes
- Bluthochdruck und ungünstige Blutfettwerte, dadurch mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle
- Arthrose, also Gelenkverschleiß
- nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)
- Fettleber und Gallensteine
- bestimmte Krebserkrankungen
Übergewicht und Adipositas: Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten, oft mit Atemnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß (Verdacht auf Herzinfarkt)
- plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, Sprach- oder Sehstörungen oder ein hängender Mundwinkel (Verdacht auf Schlaganfall)
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- nach einer Operation zur Gewichtsabnahme: starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen oder Fieber
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- BMI ab 30 oder ein Bauchumfang über 102 Zentimeter bei Männern beziehungsweise über 88 Zentimeter bei Frauen
- deutliche Gewichtszunahme ohne erkennbaren Grund, etwa nach Beginn eines neuen Medikaments (nicht eigenmächtig absetzen)
- lautes Schnarchen mit Atemaussetzern und starke Tagesmüdigkeit
- Gelenkschmerzen, Atemnot bei Belastung oder auffällige Blutzucker- oder Blutdruckwerte
- das Gefühl, dass Essen, Hungern oder Erbrechen den Alltag bestimmt
- Wunsch nach Unterstützung beim Abnehmen
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Wie entsteht Übergewicht?
Auf Dauer nimmt zu, wer mehr Energie aufnimmt, als der Körper verbraucht. Warum das geschieht, hat aber viele Gründe.
Adipositas lässt sich deshalb nicht allein auf Ernährung oder Bewegung zurückführen, und schon gar nicht auf fehlende Willenskraft. Viele erleben, dass das Halten des Gewichts schwerer ist als das Abnehmen: Stoffwechsel und Hormone stemmen sich gegen die Veränderung, und mit dem Gewicht geht auch Muskelmasse verloren, sodass der Körper weniger Energie braucht.
- ein Alltag mit wenig körperlicher Arbeit, viel Sitzen und Wegen mit dem Auto
- ständig verfügbare kalorienreiche Snacks, gesüßte Getränke und Alkohol
- erbliche Veranlagung
- Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion
- bestimmte Medikamente, etwa manche Psychopharmaka und Diabetesmittel
- seelische und soziale Belastungen sowie Lebensphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre
Wie wird Adipositas ärztlich abgeklärt?
Neben Gewicht, Größe und Bauchumfang betrachtet die Ärztin oder der Arzt weitere Risikofaktoren und mögliche Ursachen.
Häufig werden Blutdruck, Blutzucker, Blutfette und Nierenwerte bestimmt, außerdem die Schilddrüsenwerte, um eine Unterfunktion zu erkennen. Wichtig sind auch Fragen nach Medikamenten und bisherigen Abnehmversuchen.
Manche Menschen mit Adipositas berichten, dass in der Praxis vor allem Folgeerkrankungen behandelt werden und das Gewicht selbst zu kurz kommt. Es kann helfen, das Thema von sich aus anzusprechen. Über eine ärztliche Anfrage zum Abnehmen können Sie Ihr Anliegen vorab schildern.
Wie wird Adipositas behandelt?
Grundlage ist ein Programm aus Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und Verhaltenstherapie, das zum eigenen Alltag passt.
Ein bestimmter Ziel-BMI ist nicht nötig. Meist wird empfohlen, innerhalb von 6 bis 12 Monaten 5 bis 10 Prozent des Ausgangsgewichts abzunehmen. In verbreiteten Abnehmprogrammen verloren Teilnehmende über 6 bis 12 Monate im Mittel etwa 5 bis 6 Kilogramm, mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Personen.
Verhaltenstherapeutische Bausteine helfen, Gewohnheiten Schritt für Schritt zu ändern, Bewegung einzuplanen und mit schwierigen Situationen umzugehen. Ob eher Kohlenhydrate oder eher Fett eingespart werden, macht nach Studien für das Gewicht keinen großen Unterschied; entscheidend ist die Energiebilanz.
Bewegung allein führt selten zu einer deutlichen Abnahme, unterstützt sie aber und verbessert Blutdruck, Fitness und Lebensqualität. Empfohlen werden etwa drei- bis fünfmal pro Woche 30 bis 45 Minuten mäßig anstrengende Bewegung wie zügiges Gehen.
Wann kommen Medikamente oder eine Operation infrage?
Reichen Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung nicht aus, können Medikamente die Behandlung ergänzen. Bei ausgeprägter Adipositas ist auch eine Operation möglich.
Medikamente zur Gewichtsabnahme sind in der Regel verschreibungspflichtig. Sie ersetzen die Basisbehandlung nicht, sondern kommen zusätzlich hinzu, und können Nebenwirkungen haben, vor allem im Magen-Darm-Bereich. Ob ein Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Untersuchung und Aufklärung.
Eine Operation, etwa ein Magenbypass oder ein Schlauchmagen, kann ab einem BMI von 40 infrage kommen oder ab 35, wenn zusätzlich Erkrankungen wie Diabetes, eine Herzkrankheit oder Schlafapnoe bestehen. Meist wird sie erst erwogen, wenn ein begleitetes Programm nicht ausreichend geholfen hat. Danach braucht es lebenslang Nachsorge, regelmäßige Blutkontrollen und meist dauerhaft zusätzliche Vitamine und Mineralstoffe.
Was zahlt die Krankenkasse bei Adipositas?
Arzneimittel zur Gewichtsabnahme sind von der Kassenversorgung gesetzlich ausgeschlossen; für Programme, Operationen und strukturierte Behandlungsprogramme gelten eigene Regeln.
Wie eine ärztliche Begleitung als Selbstzahlerleistung abläuft, beschreibt die Seite Abnehmen mit ärztlicher Begleitung.
- Medikamente: Nach § 34 SGB V zahlen die gesetzlichen Kassen keine Arzneimittel, die überwiegend zur Abmagerung, zur Zügelung des Appetits oder zur Regulierung des Körpergewichts dienen. Verordnete Mittel müssen in der Regel selbst bezahlt werden.
- Abnehmprogramme gelten oft als Lebensstilmaßnahme und sind häufig selbst zu zahlen; manche Krankenkassen bezuschussen die Teilnahme.
- Operation: Die Kosten können auf Antrag übernommen werden, wenn sie medizinisch notwendig ist und andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Den Antrag stellen Sie zusammen mit Ihrer Praxis.
- DMP Adipositas: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat Anforderungen für ein strukturiertes Behandlungsprogramm beschlossen, für Erwachsene mit BMI 30 bis 35 und mindestens einer Begleiterkrankung oder mit BMI ab 35. Die Kassen müssen es nicht anbieten; fragen Sie bei Ihrer Kasse nach.
Was hilft, das Gewicht langfristig zu halten?
Dauerhaft gelingt es am ehesten mit Veränderungen, die Sie auch nach der Abnahme gern beibehalten.
Für Verlaufsgespräche kann eine Videosprechstunde infrage kommen. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
- kleinere Portionen und kleinere Teller
- energiereiche Getränke und sehr fettreiche Speisen begrenzen, wenig Alkohol
- Nährwertangaben nutzen oder ein Ernährungstagebuch führen
- sich regelmäßig wiegen
- Bewegung fest in den Alltag einplanen
Häufige Fragen zu Übergewicht und Adipositas
Hilft Intervallfasten bei Übergewicht?
Dazu gibt es bisher wenige Studien. Ob Intervallfasten langfristig wirkt und anderen Wegen überlegen ist, ist unklar; es auszuprobieren gilt aber nicht als schädlich.
Machen Süßstoffe dick oder helfen sie beim Abnehmen?
Studien haben keinen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Süßstoffen und dem Körpergewicht gefunden. Sie sind also weder ein Abnehmmittel noch ein Grund für Gewichtszunahme.
Wirken Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen?
Dass Nahrungsergänzungsmittel beim Abnehmen helfen, ist nicht belegt. Fachleute raten auch von Diäten mit großen Versprechen ab, weil sehr einseitige Kost schwer durchzuhalten ist.
Was ist der Jo-Jo-Effekt nach einer Diät?
So nennt man es, wenn das Gewicht nach einer Diät wieder steigt. Das passiert häufig, wenn die Ernährung nur vorübergehend umgestellt wird; dauerhafte, alltagstaugliche Änderungen beugen eher vor.
Lässt sich eine Operation bei Adipositas rückgängig machen?
Ein verstellbares Magenband kann wieder entfernt werden. Ein Schlauchmagen ist nicht umkehrbar, weil dabei ein großer Teil des Magens entfernt wird.
Wie häufig ist Adipositas bei Kindern und Jugendlichen?
Etwa 6 von 100 Kindern und Jugendlichen in Deutschland haben eine Adipositas, Jugendliche häufiger als jüngere Kinder. Für die Einordnung nutzen Kinderärztinnen und Kinderärzte Werte, die Alter und Geschlecht berücksichtigen.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Starkes Übergewicht (Adipositas). Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Programme und Medikamente zum Abnehmen. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Operationen zur Behandlung von Adipositas. Abgerufen am .
- Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring: Übergewicht und Adipositas bei Erwachsenen in Deutschland: Ergebnisse der Studie GEDA 2019/2020-EHIS. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Neues Gesundheitsangebot bei Adipositas: G-BA schafft Voraussetzungen für DMP (16.11.2023). Abgerufen am .
- Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Herzinfarkt. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schlaganfall. Abgerufen am .