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Männergesundheit

Erektionsstörungen: Ursachen, Untersuchung und Behandlung

Erektionsprobleme sind häufig und oft körperlich bedingt. Warum sich eine ärztliche Abklärung lohnt, auch für Herz und Gefäße, und welche Behandlungen es gibt.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten7 Quellen

Kurz gefasst

Von einer Erektionsstörung spricht man, wenn der Penis über längere Zeit nicht steif genug wird oder nicht lange genug steif bleibt, um befriedigenden Sex zu haben. Einzelne Situationen, in denen es nicht klappt, sind noch keine Erektionsstörung.

Erektionsstörungen sind häufig: In Deutschland ist etwa jeder fünfte Mann zwischen 30 und 80 Jahren betroffen. Oft stecken körperliche Ursachen dahinter, vor allem Erkrankungen der Blutgefäße, Diabetes oder Bluthochdruck.

Weil Erektionsprobleme ein frühes Warnzeichen für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Diabetes sein können, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen. Erste Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis.

Was ist eine Erektionsstörung?

Bei einer Erektionsstörung füllen sich die Schwellkörper des Penis nicht ausreichend mit Blut. Der Fachbegriff lautet erektile Dysfunktion.

Für eine Erektion müssen Nerven, Blutgefäße, Botenstoffe und Psyche zusammenspielen. Bei sexueller Erregung strömt Blut in die Schwellkörper und der Penis wird steif. Ist einer dieser Bausteine gestört, bleibt die Erektion aus oder lässt zu früh nach.

Vielen Männern fällt es schwer, das Thema anzusprechen. Für Ärztinnen und Ärzte gehört es zum Alltag, und eine frühe Abklärung kann helfen, ernsthafte Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen.

Warum können Erektionsstörungen ein Warnzeichen für das Herz sein?

Erektionsstörungen können ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sein. Darauf weist unter anderem ein vom Gemeinsamen Bundesausschuss gefördertes Leitlinienprojekt hin.

Häufig liegt die Ursache in den Blutgefäßen: Sind die Arterien verengt oder verhärtet (Arteriosklerose), fließt weniger Blut in die Schwellkörper. Dieselben Veränderungen können auch die Herzkranzgefäße betreffen, und Probleme mit der Erektion fallen manchmal früher auf als Beschwerden am Herzen.

Eine gründliche Untersuchung kann deshalb helfen, bisher unentdeckten Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder einen Diabetes zu erkennen und Folgen wie einem Herzinfarkt vorzubeugen.

Erektionsstörungen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust, auch beim oder nach dem Sex, besonders mit Atemnot, Übelkeit oder kaltem Schweiß
  • Plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, Seh- oder Sprachstörungen
  • Eine schmerzhafte Erektion ohne sexuelle Erregung, die zwei Stunden oder länger anhält: sofort in eine Klinik mit Urologie, notfalls 112
  • Plötzliches Taubheitsgefühl im Genital- oder Gesäßbereich zusammen mit Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Starker Schwindel, Kreislaufprobleme oder plötzliche Sehstörungen nach Einnahme eines Mittels gegen Erektionsstörungen

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Erektionsprobleme, die über mehrere Wochen immer wieder auftreten
  • Erektionsprobleme bei Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht
  • Probleme seit Beginn eines neuen Medikaments
  • Wenn die Situation Sie oder Ihre Partnerschaft belastet
  • Bevor Sie Mittel gegen Erektionsstörungen einnehmen
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Welche Ursachen haben Erektionsstörungen?

Oft wirken mehrere Faktoren zusammen. Körperliche Ursachen sind häufig, bei jüngeren Männern stehen öfter seelische Gründe im Vordergrund.

  • Blutgefäße und Stoffwechsel: Arteriosklerose, Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette
  • Nerven: zum Beispiel Nervenschäden durch Diabetes (Polyneuropathie) oder Verletzungen im Becken
  • Operationen: etwa die Entfernung der Prostata oder Eingriffe am Enddarm
  • Hormone: ein Testosteronmangel; ab etwa 40 Jahren bilden Männer natürlicherweise weniger Testosteron
  • Medikamente: manche Mittel gegen Bluthochdruck oder Depressionen
  • Lebensstil: Rauchen gilt als wichtigster Risikofaktor, dazu kommen Übergewicht, viel Alkohol und Bewegungsmangel
  • Psyche: seelische Belastungen wie Stress oder Ängste können die Erektion stören

Wie werden Erektionsstörungen untersucht?

Am Anfang stehen ein offenes Gespräch und eine körperliche Untersuchung. Blutwerte helfen, Ursachen wie Diabetes, erhöhte Blutfette oder einen Hormonmangel zu erkennen.

Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Probleme bestehen, ob sie immer oder nur in bestimmten Situationen auftreten, welche Medikamente Sie nehmen und welche Vorerkrankungen bekannt sind. Im Blut werden typischerweise Blutzucker, Blutfette und der Testosteronspiegel bestimmt.

Je nach Befund folgen weitere Untersuchungen in der Urologie, zum Beispiel ein Ultraschall der Durchblutung. Gibt es Hinweise auf eine Gefäßerkrankung, kann auch eine Abklärung des Herzens sinnvoll sein. Setzen Sie verordnete Medikamente nicht eigenmächtig ab, wenn Sie eine Nebenwirkung vermuten, sondern besprechen Sie Alternativen.

Wie werden Erektionsstörungen behandelt?

Zuerst werden behandelbare Ursachen angegangen, etwa ein schlecht eingestellter Diabetes oder Bluthochdruck. Daneben gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten.

Ob und welches Medikament oder Verfahren für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen.

  • Tabletten: Am häufigsten werden verschreibungspflichtige Tabletten eingesetzt, die die Durchblutung unterstützen. Vorher wird geprüft, ob Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder andere Medikamente dagegensprechen. Häufige Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck und Sehstörungen.
  • Spritze in den Schwellkörper: Ein Wirkstoff wird kurz vor dem Sex mit einer sehr feinen Nadel in den Penis gespritzt. Die erste Anwendung erfolgt in der urologischen Praxis, danach ist die Selbstanwendung möglich.
  • Vakuumpumpe: Ein Zylinder über dem Penis erzeugt einen Unterdruck, sodass Blut in die Schwellkörper fließt. Ein Ring an der Peniswurzel hält die Erektion.
  • Schwellkörperimplantat: Kommt infrage, wenn andere Verfahren nicht helfen. Der Eingriff ist endgültig und wird in spezialisierten Zentren vorgenommen.
  • Psychotherapie: Bei seelischen Ursachen kann eine psychotherapeutische Behandlung helfen, auf Wunsch auch gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner.
  • Testosteron: Ein Ausgleich des Hormons kommt nur infrage, wenn ein Mangel nachgewiesen ist.

Was können Sie selbst bei Erektionsstörungen tun?

Was den Blutgefäßen guttut, nützt auch der Erektion. Ein gesunder Lebensstil kann vorbeugen und eine Behandlung unterstützen.

  • Hören Sie mit dem Rauchen auf. Unterstützung bietet eine Beratung zum Rauchstopp.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten mit Ausdauersport.
  • Bauen Sie Übergewicht ab und ernähren Sie sich ausgewogen.
  • Trinken Sie Alkohol, wenn überhaupt, nur in kleinen Mengen.
  • Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette kontrollieren und bei Bedarf gut einstellen.
  • Kaufen Sie Mittel gegen Erektionsstörungen nicht bei unbekannten Anbietern im Internet. Seriöse Versandapotheken zeigen das EU-Sicherheitslogo, das auf ihren Eintrag im Register des BfArM verlinkt.

Kann ich Erektionsstörungen per Video besprechen?

Ein erstes vertrauliches Gespräch ist oft in einer Videosprechstunde möglich. Ob eine Untersuchung oder Blutabnahme vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Ein Rezept oder eine bestimmte Behandlung kann dabei nicht zugesagt werden, das liegt im ärztlichen Ermessen. Halten Sie eine Liste Ihrer Medikamente und vorhandene Blutdruck- und Laborwerte bereit.

Zahlt die Krankenkasse Medikamente gegen Erektionsstörungen?

In der Regel nicht. Arzneimittel, die überwiegend zur Behandlung der erektilen Dysfunktion dienen, sind nach § 34 SGB V von der Versorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen.

Der Gesetzgeber zählt sie zu den Mitteln, bei denen eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht. Die Regel betrifft die Arzneimittel. Das ärztliche Gespräch und die Suche nach den Ursachen sind davon nicht berührt.

Häufige Fragen zu Erektionsstörungen

Sind Erektionsstörungen im Alter normal?

Sie werden mit dem Alter häufiger, auch weil Gefäßerkrankungen und Diabetes zunehmen. Eine Abklärung lohnt sich trotzdem in jedem Alter, weil oft behandelbare Ursachen dahinterstecken.

Welche Ärztin oder welcher Arzt ist bei Erektionsstörungen zuständig?

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, die Risikofaktoren und Blutwerte prüft. Für weitere Untersuchungen und spezielle Behandlungen sind Urologinnen und Urologen zuständig, bei seelischen Ursachen auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Sind Erektionsstörungen bei jungen Männern meist psychisch bedingt?

Bei jüngeren Männern stehen seelische Ursachen häufig im Vordergrund. Trotzdem sollten auch bei ihnen körperliche Ursachen wie Diabetes oder ein Hormonmangel ausgeschlossen werden.

Kann ich Tabletten gegen Erektionsstörungen ohne Rezept kaufen?

Die Tabletten sind verschreibungspflichtig. Bestellen Sie nicht bei Anbietern, die kein Rezept verlangen oder kein EU-Sicherheitslogo mit Registereintrag beim BfArM zeigen, denn dort drohen gefälschte Arzneimittel.

Ist die Spritze in den Schwellkörper bei Erektionsstörungen schmerzhaft?

Die Nadel ist sehr fein, ähnlich wie bei einer Insulinspritze, und der Stich wird als nicht schmerzhaft beschrieben. Selten kommt es zu einer Dauererektion; hält sie zwei Stunden oder länger an, ist das ein Notfall.

Bedeutet eine Erektionsstörung immer eine Herzerkrankung?

Nein. Sie kann aber ein frühes Zeichen sein. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt prüft Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette und entscheidet, ob weitere Untersuchungen nötig sind.

Quellen

  1. Urologische Stiftung Gesundheit: Erektionsstörungen: Ursachen, Diagnose und Behandlung. Abgerufen am .
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss, Innovationsausschuss: S3-LL ErDys: S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik und Therapie der erektilen Dysfunktion. Abgerufen am .
  3. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: ICD-Code N48.4: Impotenz organischen Ursprungs. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Testosteron. Abgerufen am .
  5. Urologische Stiftung Gesundheit: Priapismus: Ursachen, Diagnose und Behandlung. Abgerufen am .
  6. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Arzneimittelkauf im Internet. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .

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