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Was ist Schuppenflechte?
Bei Schuppenflechte reagiert das Immunsystem überschießend und setzt Botenstoffe frei, die Entzündungen auslösen und das Wachstum der Hautzellen antreiben. Dauerhaft beseitigen lässt sie sich bisher nicht, es gibt aber mehrere wirksame Behandlungen.
Normalerweise erneuert sich die Oberhaut in etwa vier Wochen. Bei Schuppenflechte teilen sich die Hautzellen etwa zehnmal so schnell und erreichen die Oberfläche schon nach rund vier Tagen. Die Haut wird dicker und schuppt stark.
Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen. Oft beginnt die Erkrankung vor dem 40. Lebensjahr, eine zweite Form tritt meist zwischen 50 und 70 Jahren auf.
Welche Anzeichen und Formen gibt es?
Am häufigsten ist die Psoriasis vulgaris mit etwa 80 von 100 Fällen. Sie zeigt sich mit erhabenen, scharf begrenzten, silbrig schuppenden Herden (Plaques), oft auf beiden Körperseiten gleich.
- Typische Stellen: Kopfhaut, Ellenbogen, Knie und Rücken, außerdem hinter den Ohren, an Händen, Füßen und am Bauchnabel. Die Herde können jucken; an Händen und Füßen kann die Haut schmerzhaft einreißen.
- Nagelpsoriasis: kleine Grübchen (Tüpfelnägel), gelblich-braune Verfärbungen (Ölflecken), Verdickung oder Ablösen des Nagels. Sie wird leicht mit Nagelpilz verwechselt.
- Psoriasis inversa: in Hautfalten wie Achseln, Leisten oder unter der Brust, oft ohne sichtbare Schuppen.
- Psoriasis guttata: plötzlich viele kleine, tropfenförmige Herde, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, oft 1 bis 2 Wochen nach einer Infektion mit Streptokokken.
- Psoriasis pustulosa: mit Eiter gefüllte Bläschen, die nicht ansteckend sind.
Schuppenflechte: Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- Rötung fast der gesamten Haut zusammen mit Fieber, Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
- Atemnot, Schwellung von Gesicht oder Zunge oder Kreislaufprobleme kurz nach der Einnahme oder Spritze eines Medikaments
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- Plötzlich großflächig eitrige Bläschen auf geröteter Haut, besonders mit Fieber
- Fieber, Schüttelfrost oder deutliches Krankheitsgefühl während einer Behandlung mit Tabletten oder Spritzen, die das Immunsystem dämpfen
- Ein Gelenk ist plötzlich stark geschwollen, gerötet und heiß
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- Gerötete, schuppende Hautstellen, die nicht von selbst verschwinden
- Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit, ein geschwollener Finger oder Zeh oder tief sitzende Rückenschmerzen
- Veränderte Nägel oder Befall von Kopfhaut, Händen, Füßen oder Genitalbereich
- Die Behandlung wirkt nicht ausreichend oder verursacht Nebenwirkungen
- Seelische Belastung, Schlafprobleme durch Juckreiz oder Kinderwunsch während der Behandlung
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Was löst Schuppenflechte und ihre Schübe aus?
Die Veranlagung ist der wichtigste Risikofaktor. Ist ein Elternteil betroffen, liegt das Risiko eines Kindes bei etwa 15 von 100, sind beide Eltern betroffen, bei etwa 40 von 100.
Bei bestehender Veranlagung können verschiedene Faktoren einen Schub auslösen:
- Sonnenbrand, sehr heißes Duschen und kleine Hautverletzungen, etwa durch Kratzen, Tätowierungen oder Piercings
- seelische Belastungen und Infekte
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Mittel gegen Malaria
Wie wird Schuppenflechte festgestellt und eingeteilt?
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt die Schuppenflechte am typischen Hautbild. Bei unklarem Befund hilft eine Gewebeprobe, etwa zur Abgrenzung von einer Pilzinfektion.
Für die Wahl der Behandlung ist der Schweregrad wichtig. Dazu werden der Anteil der betroffenen Hautfläche, Rötung, Dicke und Schuppung der Herde sowie die Einschränkung der Lebensqualität erfasst. Als mittelschwer bis schwer gilt Schuppenflechte zum Beispiel, wenn mehr als ein Zehntel der Hautoberfläche betroffen ist.
Auch bei kleiner Fläche kann sie höher eingestuft werden, etwa bei Befall von Kopfhaut, Gesicht oder anderen sichtbaren Stellen, des Genitalbereichs, der Handflächen und Fußsohlen oder mehrerer Fingernägel sowie bei starkem Juckreiz.
Wie wird Schuppenflechte behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad, betroffenen Stellen, Begleiterkrankungen und Ihren Wünschen. Ziel ist eine deutliche Besserung, möglichst bis zu einer erscheinungsfreien oder fast erscheinungsfreien Haut.
Bei Tabletten und Spritzen sind regelmäßige Blutkontrollen nötig, weil diese Mittel unter anderem die Infektabwehr schwächen können. Ob eine Behandlung ausreichend wirkt, wird laut Fachleitlinie je nach Mittel nach etwa 10 bis 24 Wochen überprüft. Für pflanzliche Mittel, Fischöl oder Omega-3-Präparate ist kein Nutzen belegt. Welche Behandlung infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen; mehr unter Schuppenflechte behandeln lassen. Für Verlaufskontrollen kann eine Videosprechstunde infrage kommen. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
- Zum Auftragen: Kortisonpräparate und Abkömmlinge von Vitamin D3, auch als Kombination. Für die Kopfhaut gibt es Schäume, Lösungen und Shampoos. Bei leichter Schuppenflechte reicht das meist aus.
- Lichttherapie: regelmäßige Bestrahlung mit UV-Licht in einer Praxis oder Klinik, manchmal kombiniert mit einem Mittel, das die Haut lichtempfindlicher macht.
- Tabletten und Spritzen: bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte klassische Wirkstoffe, die Entzündung und Immunsystem dämpfen, sogenannte kleine Moleküle sowie Biologika. Biologika sind biotechnologisch hergestellte Eiweiße, die gezielt bestimmte Entzündungsbotenstoffe hemmen, zum Beispiel TNF-alpha, Interleukin-17 oder Interleukin-23.
Was ist Psoriasis-Arthritis?
Psoriasis-Arthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die etwa jede vierte Person mit Schuppenflechte betrifft. Sie beginnt meist zwischen 30 und 50 Jahren, oft viele Jahre nach den ersten Hautveränderungen.
Die Gelenkentzündung kann auch auftreten, wenn kaum Hautveränderungen sichtbar sind. Schreitet sie fort, kann sie Gelenke dauerhaft schädigen. Die Diagnose stellt in der Regel eine Fachärztin oder ein Facharzt für Rheumatologie.
- schmerzende, geschwollene, manchmal überwärmte Gelenke, oft an Händen und Füßen und häufig nur auf einer Körperseite
- ein ganzer Finger oder Zeh schwillt wurstförmig an
- entzündete Sehnenansätze, zum Beispiel an der Achillessehne
- tief sitzende Rückenschmerzen durch Entzündungen an der Wirbelsäule
- Steifheit am Morgen sowie Veränderungen an den Nägeln
Leben mit Schuppenflechte: Was Sie selbst tun können
Tägliche Hautpflege gehört auch in beschwerdefreie Zeiten. Außerdem lohnt es sich, Herz, Gefäße und das seelische Befinden im Blick zu behalten.
Schuppenflechte kann seelisch stark belasten und mit Depressionen oder Angststörungen einhergehen. Nächtlicher Juckreiz stört oft den Schlaf. Psychotherapie und der Austausch in Selbsthilfegruppen können entlasten.
- Cremen Sie die Haut täglich mit rückfettenden Produkten ein, am besten nach dem Duschen oder Baden. Zusätze wie Harnstoff (Urea) oder Salicylsäure helfen, Schuppen zu lösen; beachten Sie die Packungsbeilage.
- Lassen Sie zwischen Pflege und Kortisonpräparat mindestens 15 Minuten Abstand.
- Meiden Sie bekannte Auslöser wie Sonnenbrand, sehr heißes Duschen und Verletzungen der Haut.
- Verzichten Sie aufs Rauchen und trinken Sie Alkohol nur in Maßen. Bei starkem Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme laut einzelnen Studien die Hautbeschwerden lindern.
- Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig prüfen. Menschen mit Schuppenflechte haben häufiger Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und ungünstige Blutfette sowie ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Was zahlt die Krankenkasse bei Schuppenflechte?
Rezeptfreie Zubereitungen mit mindestens 2 % Salicylsäure dürfen laut Arzneimittel-Richtlinie des G-BA als Teil der Psoriasis-Behandlung auf Kassenrezept verordnet werden. Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr übernimmt die Kasse auch andere ärztlich verordnete rezeptfreie Arzneimittel.
Für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen gilt diese Regel bis zum 18. Lebensjahr. Andere rezeptfreie Arzneimittel und Pflegeprodukte zahlen Erwachsene in der Regel selbst.
Häufige Fragen zu Schuppenflechte
Ist Schuppenflechte ansteckend?
Nein, Schuppenflechte ist nicht ansteckend, auch nicht die Form mit Eiterbläschen. Trotzdem erleben Betroffene oft, dass andere sie meiden, etwa beim Friseur; Aufklärung im Umfeld kann helfen.
Hilft Sonne bei Schuppenflechte?
Eine ärztlich gesteuerte UV-Lichttherapie kann bei mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte helfen. Ein Sonnenbrand dagegen kann einen Schub auslösen, deshalb ist Sonnenschutz wichtig.
Hilft es bei Schuppenflechte, die Mandeln entfernen zu lassen?
Nein. Es gibt keine Studien, die zeigen, dass eine Mandelentfernung Schuppenflechte beseitigt oder ihr vorbeugt. Der Eingriff birgt dagegen Risiken wie Blutungen und Infektionen und wird nicht empfohlen.
Wie wird Schuppenflechte auf der Kopfhaut behandelt?
Für die Kopfhaut gibt es Kortisonpräparate als Schaum, Lösung oder Shampoo, bei dicken Schuppen oft in stärkerer Wirkstärke. Abkömmlinge von Vitamin D3 wirken auf der Kopfhaut etwas schwächer als stark wirksames Kortison und verursachen häufiger Brennen oder Juckreiz.
Kann Psoriasis-Arthritis ohne Hautveränderungen auftreten?
Ja, bei schätzungsweise 10 von 100 Menschen mit Psoriasis-Arthritis sind keine Hautveränderungen sichtbar. Eine Schuppenflechte bei Eltern oder Geschwistern ist dann ein wichtiger Hinweis für die Ärztin oder den Arzt.
Welche Ärztin oder welcher Arzt behandelt Schuppenflechte?
Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis, die Diagnose und Behandlung übernimmt häufig eine dermatologische Praxis. Bei Gelenkbeschwerden kommt die Rheumatologie hinzu.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schuppenflechte (Psoriasis). Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Hautpflege und Medikamente zum Auftragen. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schuppenflechte mit Gelenkentzündung (Psoriasis-Arthritis). Abgerufen am .
- AWMF, Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S3-Leitlinie Therapie der Psoriasis vulgaris (Registernummer 013-001, Version 8.0, 2025). Abgerufen am .
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Arzneimittel-Richtlinie, Anlage I: OTC-Übersicht. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .
- Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband: Psoriasis-Arthritis. Abgerufen am .