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Infekte und Atemwege

Asthma: Anzeichen, Auslöser und Behandlung

Bei Asthma sind die Atemwege dauerhaft entzündet und reagieren empfindlich auf Reize. Mit passender Behandlung können viele Menschen weitgehend ohne Beschwerden leben.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Asthma (Asthma bronchiale) ist eine chronische Entzündung der Atemwege, die dadurch überempfindlich sind und sich zeitweise verengen. Typisch sind anfallsartige Atemnot, pfeifende Atmung, ein Engegefühl in der Brust und Husten, oft nachts oder bei Anstrengung. In Deutschland haben etwa 4 von 100 Kindern und 6 von 100 Erwachsenen Asthma.

Asthma lässt sich in der Regel gut behandeln. Im Mittelpunkt stehen Medikamente zum Inhalieren: Bedarfsmittel, die bei Beschwerden die Atemwege rasch erweitern, und bei häufigeren Beschwerden Dauermedikamente gegen die Entzündung. Dazu kommen Schulung, Bewegung, Rauchverzicht und das Meiden von Auslösern.

Ein schwerer Asthmaanfall ist ein Notfall. Wenn Sprechen kaum noch möglich ist oder das Bedarfsspray nicht hilft, rufen Sie den Notruf 112.

Was ist Asthma?

Bei Asthma sind die Atemwege dauerhaft entzündet und überempfindlich. Auf bestimmte Reize verkrampfen sich die Muskeln der Bronchien, die Schleimhaut schwillt an und es entsteht zäher Schleim.

Dadurch fällt vor allem das Ausatmen schwer. Die Beschwerden schwanken; es gibt Zeiten ohne Probleme und Phasen, in denen sie zunehmen.

Asthma kann in jedem Alter beginnen, zeigt sich aber oft schon in Kindheit oder Jugend. Bei Kindern ist es die häufigste chronische Erkrankung. Unbehandelt kann es auf Dauer die Lungenfunktion und die Belastbarkeit einschränken, es verschlimmert sich aber nicht zwangsläufig.

Welche Anzeichen sind typisch für Asthma?

Typisch sind Beschwerden, die immer wieder auftreten und sich zwischendurch bessern oder ganz verschwinden.

Bei Kindern stehen oft Husten und eine leicht pfeifende oder brummende Atmung im Vordergrund. Nächtliche Beschwerden können tagsüber zu Müdigkeit und Konzentrationsproblemen führen.

  • Atemnot, oft anfallsartig und häufig nachts
  • pfeifendes oder brummendes Atemgeräusch
  • Engegefühl in der Brust
  • Husten mit oder ohne Schleim
  • Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung

Asthma: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Schwere Atemnot, bei der Sprechen kaum oder gar nicht mehr möglich ist
  • Das Bedarfsspray hilft nicht
  • Sehr schnelle oder auffallend flache Atmung, kaum noch hörbares Atemgeräusch
  • Bläuliche Lippen oder bläulich verfärbte Haut

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Ein Anfall bessert sich nach dem Bedarfsspray nur teilweise
  • Sie brauchen Ihr Bedarfsspray deutlich häufiger als sonst
  • Atemnot zusammen mit Fieber oder einem starken Atemwegsinfekt
  • Ein Kind hat erstmals Atemnot oder eine pfeifende Atmung

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Wiederkehrender Husten, pfeifende Atmung oder Engegefühl in der Brust ohne geklärte Ursache
  • Sie brauchen das Bedarfsspray mehr als zweimal pro Woche
  • Nächtliches Aufwachen wegen Atembeschwerden
  • Beschwerden beim Sport oder in der Pollenzeit
  • Nebenwirkungen oder Unsicherheit beim Inhalieren
  • Kinderwunsch oder Schwangerschaft bei bestehendem Asthma
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was löst Asthma aus?

Warum Asthma entsteht, ist nicht vollständig geklärt; eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Die Beschwerden werden durch Auslöser angestoßen, die bei jedem Menschen etwas anders sind.

Als Risikofaktoren gelten andere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis, Asthma in der Familie und ein geringes Geburtsgewicht. Rauchen die Eltern, steigt das Asthmarisiko ihrer Kinder.

  • Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare
  • Infekte der Atemwege, vor allem durch Viren
  • Tabakrauch, auch Passivrauchen, sowie Abgase, Staub, Duftstoffe und kalte Luft
  • körperliche Anstrengung, besonders ein plötzlicher Wechsel von Ruhe zu Belastung
  • bei manchen Menschen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) und verwandte Wirkstoffe
  • Stress und starke Gefühle

Wie wird Asthma festgestellt?

Einen einzelnen Test für Asthma gibt es nicht. Die Diagnose ergibt sich aus Beschwerden, Vorgeschichte, körperlicher Untersuchung und Lungenfunktionstests.

Bei der Spirometrie atmen Sie kräftig in ein Mundstück aus; ein Gerät misst, wie viel Luft wie schnell strömt. Sind die Atemwege verengt, wird nach dem Inhalieren eines atemwegserweiternden Mittels erneut gemessen. Bessert sich die Lungenfunktion dann deutlich, spricht das für Asthma.

Mit einem Peak-Flow-Meter lässt sich die Ausatemstärke auch zu Hause messen, allein reicht das für die Diagnose aber nicht. Haut- oder Bluttests zeigen, ob Allergien als Auslöser infrage kommen. Bei kleinen Kindern sind Lungenfunktionstests oft noch nicht möglich, weil sie dafür gut mitarbeiten müssen.

Wie wird Asthma behandelt?

Die Behandlung folgt einem Stufenplan: Je nachdem, wie gut das Asthma kontrolliert ist, werden Medikamente ergänzt oder wieder verringert. Bevorzugt werden Wirkstoffe zum Inhalieren, weil sie direkt in den Bronchien wirken.

Brauchen Sie ein kurzwirksames Bedarfsspray mehr als zweimal pro Woche, empfehlen Fachleute eine Langzeitbehandlung. Die Technik des Inhaliergeräts lernen Sie in der Praxis oder Apotheke. Ob und welches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Inhaliertes Kortison kann Heiserkeit, Husten und Pilzbefall im Mund verursachen; deshalb wird empfohlen, danach den Mund auszuspülen. Bei Kindern wird das Wachstum kontrolliert, weil es im ersten Behandlungsjahr etwas langsamer sein kann.

Gesetzlich Versicherte können sich über ihre Krankenkasse in das Behandlungsprogramm DMP Asthma einschreiben, dessen Anforderungen der Gemeinsame Bundesausschuss festlegt. Mehr zur ärztlichen Begleitung bei Asthma.

  • Bedarfsmedikamente erweitern die Atemwege rasch, vor allem kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika als Spray, teils auch Kombinationssprays mit Kortison.
  • Dauermedikamente wirken gegen die Entzündung, allen voran inhalatives Kortison. Reicht es nicht, kommen weitere Wirkstoffgruppen hinzu, etwa langwirksame Beta-2-Sympathomimetika, die nur zusammen mit Kortison angewendet werden sollen.
  • Antikörper-Medikamente als Spritze können bei schwerem Asthma infrage kommen; das prüft eine lungenfachärztliche Praxis.

Was tun bei einem Asthmaanfall?

Bleiben Sie möglichst ruhig, wenden Sie Ihr Bedarfsmedikament so an, wie es in Ihrem persönlichen Notfallplan steht, und rufen Sie bei schweren Anzeichen sofort den Notruf 112.

Den Asthma-Aktionsplan erstellen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Er hält fest, wie Sie die Behandlung bei Verschlechterung anpassen und was im Notfall zu tun ist.

  • Ruhe bewahren und die Schwere einschätzen: Können Sie noch normal sprechen?
  • Das Bedarfsspray nach Ihrem persönlichen Asthma-Aktionsplan anwenden.
  • Die Lippenbremse nutzen: langsam durch die locker aufeinanderliegenden Lippen ausatmen.
  • Eine atemerleichternde Haltung einnehmen, etwa den Kutschersitz: vorgebeugt sitzen, Unterarme auf den Oberschenkeln.
  • Nach etwa 10 bis 15 Minuten prüfen, ob es besser wird. Wenn nicht, ärztliche Hilfe holen oder 112 rufen.

Was ist bei Asthma im Kindesalter anders?

Bei kleinen Kindern ist Asthma schwer zu erkennen, weil virusbedingte Erkältungen und Bronchitis ähnlichen Husten und pfeifende Atemgeräusche verursachen. Gut behandelt können Kinder mit Asthma in der Regel normal am Alltag teilnehmen.

Für Kinder gibt es Inhaliergeräte, die das richtige Einatmen erleichtern, und eigene Schulungen für Kinder und Eltern.

Kita, Schule und Sportverein sollten über das Asthma und den Notfallplan Bescheid wissen. Ausflüge und Sport sind erwünscht; zu viel Schonung kann Kinder mehr einschränken, als sie nützt. Erste Anlaufstelle ist die kinder- und jugendärztliche Praxis.

Was Sie selbst tun können

Neben Medikamenten können Schulung, Bewegung und ein rauchfreies Umfeld dazu beitragen, Asthma gut im Griff zu behalten.

  • An einer Asthma-Schulung teilnehmen: Dort lernen Sie, Anfälle früh zu erkennen und im Notfall richtig zu handeln.
  • Nicht rauchen und Passivrauch meiden. Menschen mit Asthma, die weniger Tabakrauch ausgesetzt waren, hatten seltener schwere Anfälle.
  • Regelmäßig bewegen: langsam beginnen, aufwärmen und das Bedarfsspray dabeihaben.
  • Bekannte Auslöser meiden, soweit möglich. Bei Milbenallergie helfen am ehesten mehrere Maßnahmen zusammen, etwa milbendichte Matratzenbezüge und Bettwäsche bei über 55 Grad waschen.
  • Beschwerden in einem Asthma-Tagebuch notieren, um den Verlauf im Blick zu behalten.
  • Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken mit der Praxis besprechen.

Häufige Fragen zu Asthma

Kann Asthma wieder verschwinden?

Asthma ist in der Regel eine dauerhafte Erkrankung. Bei manchen Kindern verschwinden die Beschwerden im Erwachsenenalter, die Atemwege bleiben aber oft empfindlich. Bei anderen bleiben die Beschwerden bestehen oder nehmen zu.

Ist Kortison zum Inhalieren bei Asthma gefährlich?

Inhaliertes Kortison wirkt vor allem in den Atemwegen und hat deutlich weniger Nebenwirkungen als Tabletten. Wer es regelmäßig anwendet, hat seltener Asthmaanfälle und muss seltener ins Krankenhaus. Ein schwerer Anfall birgt mehr Risiken als die möglichen Nebenwirkungen.

Darf man mit Asthma Sport treiben?

Ja, Bewegung ist bei Asthma ausdrücklich erwünscht und kann die Beschwerden langfristig verringern. Schwimmen löst seltener Beschwerden aus als Wintersport, weil warme, feuchte Luft die Atemwege schont. Besprechen Sie, ob Sie vor dem Sport ein Bedarfsmedikament nehmen sollten.

Hilft eine Hyposensibilisierung bei allergischem Asthma?

Bei allergischem Asthma kann eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) zusätzlich helfen. Sie dauert mehrere Jahre; ob sie infrage kommt, klärt die Ärztin oder der Arzt.

Was gilt bei Asthma in der Schwangerschaft?

Setzen Sie Ihre Asthma-Medikamente nicht eigenmächtig ab, denn ein Asthmaanfall kann für das ungeborene Kind gefährlicher sein als mögliche Nebenwirkungen. Die üblichen inhalierten Medikamente gelten in der Schwangerschaft als gut verträglich. Sprechen Sie eine Schwangerschaft oder einen Kinderwunsch früh in der Praxis an.

Wer behandelt Asthma?

Die langfristige Betreuung übernimmt meist die hausärztliche Praxis, bei Kindern die kinder- und jugendärztliche Praxis. Bei schwerem oder unklarem Asthma überweist sie an eine lungenfachärztliche Praxis.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Asthma. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Medikamente für Menschen mit Asthma. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Nicht medikamentöse Maßnahmen bei Asthma. Abgerufen am .
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Asthma: Informationen für Eltern. Abgerufen am .
  5. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF): Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, Version 5. Abgerufen am .
  6. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien, ÄZQ: Patientenleitlinie Asthma (3. Auflage, in Überarbeitung). Abgerufen am .
  7. Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien, ÄZQ: Patientenblatt: Asthma – wenn Atmen schwerfällt. Abgerufen am .
  8. Gemeinsamer Bundesausschuss: Disease-Management-Programme. Abgerufen am .

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