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Was ist eine Grippe?
Eine Grippe ist eine akute Infektion mit Influenzaviren. Sie ist keine besonders starke Erkältung, sondern eine eigene Erkrankung mit anderen Erregern.
In einer typischen Grippewelle stecken sich nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung an. Weil sich Influenzaviren laufend verändern, kann man immer wieder erkranken. Deshalb wird auch der Impfstoff jedes Jahr angepasst.
Der Nachweis von Influenzaviren ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die Praxis oder das Labor meldet ihn an das Gesundheitsamt; das gilt auch für Schnelltests in der Praxis.
Woran erkennt man eine Grippe?
Eine Grippe beginnt oft schlagartig mit Fieber und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Nur etwa ein Drittel der Infizierten hat jedoch diesen typischen Verlauf.
Ein weiteres Drittel der Infizierten hat nur leichte, erkältungsähnliche Beschwerden, das letzte Drittel bemerkt die Infektion gar nicht. Ältere Menschen bekommen oft kein Fieber. Allein anhand der Beschwerden lässt sich eine Grippe nicht sicher von einer Erkältung oder von Corona unterscheiden.
- Fieber von etwa 38 bis 40 °C oder höher, oft mit Schüttelfrost
- Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen
- trockener Reizhusten ohne Auswurf, Halsschmerzen
- starke Erschöpfung und Appetitlosigkeit
- seltener Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
Grippe (Influenza): Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- starke Atemnot, Atemnot in Ruhe oder bläuliche Lippen
- Schmerzen oder Druck in der Brust
- Verwirrtheit, starke Schläfrigkeit oder Bewusstseinsstörung
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- Grippeanzeichen bei Menschen ab 60 Jahren, in der Schwangerschaft oder mit chronischer Erkrankung, auch wegen einer möglichen antiviralen Behandlung
- Kinder unter zwei Jahren mit Fieber und Atemwegsbeschwerden
- Beschwerden werden nach anfänglicher Besserung wieder schlimmer, etwa mit erneutem Fieber
- Ihr Kind trinkt nichts, wirkt teilnahmslos oder hat einen steifen Nacken
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- Fieber und Beschwerden bessern sich nach einigen Tagen nicht
- Husten, der nach drei Wochen nicht nachlässt
- Ohrenschmerzen oder Druck in Stirn und Wangen nach der Grippe
- Beratung zur jährlichen Grippeimpfung
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Wie wird die Grippe übertragen?
Influenzaviren verbreiten sich vor allem über Tröpfchen und feinste Partikel in der Luft (Aerosole), die beim Sprechen, Husten oder Niesen entstehen. Seltener gelangen sie über Hände und Oberflächen weiter.
Zwischen Ansteckung und ersten Beschwerden liegen meist nur ein bis zwei Tage. Ansteckend ist man im Mittel vier bis fünf Tage ab Beginn der Beschwerden, manchmal auch schon kurz davor. Kinder, Menschen mit geschwächtem Immunsystem und schwer Erkrankte können die Viren länger ausscheiden.
Wer ist besonders gefährdet und welche Komplikationen gibt es?
Ein schwerer Verlauf droht vor allem älteren Menschen, Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen. Die wichtigste schwere Komplikation ist eine Lungenentzündung.
Recht häufig sind Nasennebenhöhlen- und bei Kindern Mittelohrentzündungen. Seltener kommt es zu einer Lungenentzündung oder zu einer Entzündung des Herzmuskels oder des Gehirns. Ein schwerer Verlauf zeigt sich oft erst drei bis zehn Tage nach Beginn. Die meisten Todesfälle gehen auf bakterielle Lungenentzündungen zurück, die sich auf die durch das Virus vorgeschädigte Lunge setzen.
- Menschen ab 60 Jahren
- Schwangere, besonders in der späteren Schwangerschaft
- Säuglinge und Kleinkinder
- Menschen mit chronischen Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunschwäche, neurologischen Erkrankungen oder starkem Übergewicht
Wie wird eine Grippe festgestellt und behandelt?
Während einer Grippewelle kann die Ärztin oder der Arzt die Diagnose oft schon anhand der Beschwerden stellen. Bei Menschen mit hohem Risiko hilft ein Abstrich aus Nase oder Rachen, etwa um über eine antivirale Behandlung zu entscheiden.
Ein positiver Schnelltest ist verlässlich, ein negativer schließt eine Grippe aber nicht aus. Für Menschen mit hohem Risiko gibt es verschreibungspflichtige Mittel gegen Viren (Virostatika). Sie sollten möglichst früh eingesetzt werden, am besten innerhalb von 48 Stunden nach Beginn der Beschwerden, und können die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Ob ein solches Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion auftritt.
Was können Sie bei einer Grippe selbst tun?
Ruhe und Schonung helfen dem Körper, sich zu erholen. Bleiben Sie zu Hause, bis die Beschwerden deutlich nachgelassen haben.
- Rezeptfreie Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können Fieber und Schmerzen lindern. Beachten Sie die Packungsbeilage und fragen Sie in der Apotheke nach. Acetylsalicylsäure (ASS) ist für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.
- Trinken Sie ausreichend, besonders bei Fieber; das hält auch den Hals feucht.
- Meiden Sie trockene Luft und Rauch, das kann den Hustenreiz verringern.
- Das RKI empfiehlt, bei akuten Atemwegsbeschwerden drei bis fünf Tage und bis zur deutlichen Besserung zu Hause zu bleiben und Kontakt zu Risikopersonen zu meiden.
- Kündigen Sie einen Praxisbesuch vorher telefonisch an. Lässt sich Kontakt zu anderen nicht vermeiden, schützt eine Maske die Menschen um Sie herum.
Wem empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung jedes Jahr im Herbst allen Menschen ab 60 Jahren und weiteren Gruppen mit erhöhtem Risiko. Der volle Schutz baut sich in den 10 bis 14 Tagen nach der Impfung auf.
Empfohlen ist eine Impfung pro Saison, am besten von Oktober bis Mitte Dezember. Auch zu Beginn oder im Verlauf einer Grippewelle kann sie noch sinnvoll sein. Kinder bis etwa neun Jahre, die zum ersten Mal geimpft werden, erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Bei gesunden Erwachsenen kann die Impfung das Risiko einer Grippe mehr als halbieren; wie gut sie schützt, schwankt von Saison zu Saison.
- alle Menschen ab 60 Jahren, mit einem Hochdosis-Impfstoff oder einem Impfstoff mit Wirkverstärker (MF59-adjuvantiert); beide gelten als gleichwertig
- Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei einer Grunderkrankung schon ab dem ersten
- Menschen mit chronischen Erkrankungen, etwa der Atemwege, des Herzens, der Leber oder Nieren, mit Diabetes, neurologischen Grunderkrankungen oder Immunschwäche
- Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
- Menschen, die gefährdete Personen im Haushalt oder in der Betreuung anstecken könnten, sowie medizinisches Personal
Zahlt die Krankenkasse die Grippeimpfung?
Für die Gruppen, denen die STIKO die Impfung empfiehlt, ist sie eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Grundlage ist § 20i SGB V; Einzelheiten legt der Gemeinsame Bundesausschuss in seiner Schutzimpfungs-Richtlinie fest.
Für Menschen über 60 Jahre übernehmen die gesetzlichen Kassen nach Angaben des RKI den Hochdosis- oder den adjuvantierten Impfstoff. Ob Ihre Kasse die Impfung auch außerhalb der empfohlenen Gruppen bezahlt, erfahren Sie dort. Eine Praxis für die Impfung finden Sie über die Arztsuche.
Häufige Fragen zu Grippe (Influenza)
Kann man von der Grippeimpfung eine Grippe bekommen?
Nein. Die Impfstoffe zum Spritzen sind Totimpfstoffe und enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Nach der Impfung können für ein bis zwei Tage Fieber, Müdigkeit oder Gliederschmerzen auftreten, außerdem Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle.
Warum muss die Grippeimpfung jedes Jahr wiederholt werden?
Influenzaviren verändern sich ständig, deshalb wird der Impfstoff jedes Jahr an die erwarteten Virusvarianten angepasst. Eine zweite Impfung in derselben Saison empfiehlt die STIKO dagegen nicht, außer bei Kindern, die zum ersten Mal geimpft werden.
Kann man trotz Grippeimpfung an Grippe erkranken?
Ja, die Impfung senkt das Risiko, verhindert eine Grippe aber nicht in jedem Fall. In einer starken Grippesaison erkranken von 100 gesunden Erwachsenen ohne Impfung etwa 10, mit Impfung etwa 4.
Gibt es die Grippeimpfung für Kinder auch als Nasenspray?
Ja. Kinder und Jugendliche von 2 bis einschließlich 17 Jahren können statt der Spritze einen Lebendimpfstoff als Nasenspray bekommen, wenn nichts dagegen spricht. Für Kinder von sechs Monaten bis zwei Jahren sind nur Totimpfstoffe zugelassen.
Wann ist in Deutschland Grippesaison?
Die Grippesaison reicht etwa von Anfang Oktober bis Mitte Mai. Die eigentliche Grippewelle beginnt meist um den Jahreswechsel und dauert drei bis vier Monate.
Wie viele Menschen sterben in Deutschland an der Grippe?
Das schwankt stark von Saison zu Saison: nach Angaben des RKI von einigen Hundert bis zu mehr als 25.000 Todesfällen in der besonders schweren Saison 2017/18. Besonders gefährdet sind ältere und chronisch kranke Menschen.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Grippe. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schutz durch die Grippeimpfung. Abgerufen am .
- Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen und Antworten zur Grippe (Influenza). Abgerufen am .
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren. Abgerufen am .
- Robert Koch-Institut, STIKO: Schutzimpfung gegen Influenza: Impfempfehlung (Stand 10.9.2026). Abgerufen am .
- Robert Koch-Institut, STIKO: Schutzimpfung gegen Influenza: Hochdosis- und MF-59-adjuvantierter Impfstoff. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 20i SGB V: Leistungen für Schutzimpfungen. Abgerufen am .