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Was ist Eisenmangel?
Von Eisenmangel spricht man, wenn dem Körper weniger Eisen zur Verfügung steht, als er braucht. Er entwickelt sich meist langsam in drei Stufen.
Erwachsene haben insgesamt etwa 3 bis 5 Gramm Eisen im Körper, den größten Teil in den roten Blutkörperchen. In Europa haben schätzungsweise 5 bis 10 Prozent der Menschen einen Eisenmangel und 2 bis 5 Prozent eine Eisenmangelanämie.
- Stufe 1: Der Körper greift auf die Eisenspeicher in Leber und Milz zurück. Beschwerden gibt es meist noch nicht.
- Stufe 2: Die Speicher sind leer, die Bildung neuer roter Blutkörperchen ist gestört. Erste Beschwerden sind möglich.
- Stufe 3: Es entsteht zu wenig Hämoglobin, Organe werden schlechter mit Sauerstoff versorgt. Das ist die Eisenmangelanämie.
Welche Anzeichen sprechen für einen Eisenmangel?
Ein leichter Eisenmangel fällt oft nicht auf. Bei stärkerem Mangel treten Beschwerden auf, die allerdings auch viele andere Ursachen haben können.
- Blässe, Müdigkeit und ungewöhnliche Erschöpfung nach Anstrengung
- Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit, Unruhe und Kopfschmerzen
- eingerissene Mundwinkel und wiederkehrende kleine Geschwüre im Mund (Aphthen)
- brüchige Nägel und Haarausfall
- Kurzatmigkeit
- unruhige Beine (Restless-Legs-Syndrom), selten Schluckbeschwerden oder ein starker Drang, Eis zu kauen
Eisenmangel: Wann zum Arzt?
Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.
Sofort den Notruf 112 wählen
Zum Beispiel bei:
- Erbrechen von Blut oder größere Mengen Blut im Stuhl
- Starke Atemnot, Brustschmerzen oder Ohnmacht
- Ein Kind hat Eisentabletten verschluckt: zuerst 112, danach den Giftnotruf
Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117
Zum Beispiel bei:
- Deutlich zunehmende Schwäche, Schwindel oder Herzrasen schon bei leichter Belastung
- Sehr starke Regelblutung mit Schwindel oder Kreislaufproblemen
Termin in der Praxis oder per Video
Zum Beispiel bei:
- Anhaltende Müdigkeit, Blässe oder Leistungsabfall
- Brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel oder vermehrter Haarausfall
- Regelmäßig starke Regelblutungen
- Schwangerschaft, Kinderwunsch oder vegane Ernährung, wenn Sie Ihre Versorgung prüfen lassen möchten
- Kontrolle der Blutwerte während einer Eisenbehandlung
Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.
Was sind die Ursachen und wer ist besonders gefährdet?
Eisenmangel entsteht, wenn der Körper mehr Eisen verliert oder braucht, als er aufnimmt. Besonders häufig betroffen sind Frauen vor den Wechseljahren, Schwangere und Stillende, Kinder im Wachstum sowie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren.
- Blutverlust: starke Regelblutungen, häufiges Blutspenden, Verletzungen oder unbemerkte Blutungen im Magen-Darm-Trakt, etwa durch Geschwüre, Entzündungen oder Tumoren
- Erhöhter Bedarf: Schwangerschaft und Stillzeit, Wachstum, Leistungssport
- Zu geringe Zufuhr: sehr einseitige Ernährung oder Essstörungen; vegetarische und vegane Ernährung braucht eine gute Lebensmittelauswahl
- Gestörte Aufnahme: Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Magenschleimhautentzündung oder eine Magenoperation; auch Säureblocker, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen können die Aufnahme verringern
- Gestörte Verwertung: etwa bei Krebs oder Nierenschwäche; auch bei Herzschwäche ist Eisenmangel häufig
Wie wird ein Eisenmangel festgestellt?
Eisenmangel lässt sich nur mit einer Blutuntersuchung sicher feststellen. Dabei werden mehrere Werte gemeinsam beurteilt, weil jeder einzelne Wert Grenzen hat.
Entzündungen und Infekte können den Ferritinwert erhöhen, sodass er dann wenig über die Eisenspeicher aussagt. Oft wird deshalb zusätzlich ein Entzündungswert wie das CRP betrachtet. Steht ein Mangel fest, wird nach der Ursache gesucht, je nach Situation mit einer Stuhluntersuchung, einer Magen- oder Darmspiegelung oder bei starken Regelblutungen mit einer frauenärztlichen Untersuchung.
Vorhandene Ergebnisse können Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, auch per Videosprechstunde. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Wichtige Werte sind:
- Ferritin: zeigt, wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind
- Transferrin: das Eiweiß, das Eisen im Blut transportiert
- Hämoglobin: der rote Blutfarbstoff; ist er zu niedrig, besteht eine Blutarmut
- MCV und MCH: Größe der roten Blutkörperchen und ihr Gehalt an Blutfarbstoff
Wie wird Eisenmangel behandelt?
Zuerst wird möglichst die Ursache behandelt, zum Beispiel eine Blutungsquelle. Ein leichter Mangel lässt sich oft über die Ernährung ausgleichen, bei leeren Speichern oder einer Blutarmut kommen Eisenpräparate infrage.
Meist werden Eisentabletten, -tropfen oder -kapseln eingesetzt, Fachleute empfehlen zuerst Präparate mit zweiwertigem Eisen. Bei einem Mangel ohne Blutarmut dauert die Einnahme meist mindestens drei Monate, bei einer Eisenmangelanämie noch mindestens drei Monate über die Normalisierung der Blutwerte hinaus. Zwischendurch wird das Blut kontrolliert.
Häufige Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Verstopfung. Werden Tabletten nicht vertragen oder nimmt der Darm zu wenig Eisen auf, kann eine Infusion infrage kommen. Weil dabei selten allergische Reaktionen auftreten, bleiben Sie danach mindestens 30 Minuten unter Beobachtung. Welches Präparat und welche Menge passen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Warum sollten Sie Eisen nicht auf Verdacht einnehmen?
Ohne nachgewiesenen Mangel bringt eine vorbeugende Eiseneinnahme in der Regel keinen Nutzen und kann schaden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, Eisen nur nach festgestellter Unterversorgung und mit ärztlicher oder fachlicher Begleitung zu ergänzen.
- Bei manchen Menschen reichert sich Eisen in Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse an, etwa bei der erblichen Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose).
- Höher dosierte Präparate verursachen häufig Magen-Darm-Beschwerden.
- Eisen kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, zum Beispiel von Schilddrüsenhormon und einigen Antibiotika.
- Ein Mangel hat oft eine Ursache, die abgeklärt werden sollte, etwa eine unbemerkte Blutung. Wer ohne Untersuchung Eisen einnimmt, verschiebt diese Abklärung.
- Eisenpräparate gehören außer Reichweite von Kindern, denn eine Überdosis kann für sie lebensgefährlich sein.
Wie können Sie über die Ernährung vorbeugen?
Eine ausgewogene Ernährung deckt den Eisenbedarf in der Regel. Eisen aus Fleisch und Fisch nimmt der Körper besser auf als aus Pflanzen, doch mit guter Auswahl kann auch eine pflanzenbetonte Ernährung ausreichen.
Die DGE nennt als Referenzwert für die tägliche Eisenzufuhr 11 Milligramm für Männer und für Frauen ohne Regelblutung, 16 Milligramm für Frauen mit Regelblutung, 14 Milligramm nach den Wechseljahren und 27 Milligramm in der Schwangerschaft. Bei veganer Ernährung empfiehlt sie für Kinder, Schwangere, Stillende und ältere Menschen eine qualifizierte Ernährungsberatung.
- Eisenreich sind zum Beispiel Fleisch, Leber, Fisch, Linsen, Kichererbsen, Kidneybohnen, Haferflocken, Vollkornbrot, Sonnenblumenkerne und Cashewkerne.
- Vitamin C verbessert die Aufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln, etwa Paprika, Brokkoli, Kohl oder Zitrusfrüchte zur Mahlzeit.
- Kaffee und schwarzer Tee hemmen die Aufnahme; trinken Sie sie lieber nicht kurz vor, zu oder nach dem Essen.
- Mahlen, Einweichen oder Fermentieren von Getreide und Hülsenfrüchten verringert Stoffe, die die Aufnahme hemmen.
Zahlt die Krankenkasse Eisenpräparate?
Rezeptfreie Eisenpräparate zahlt die gesetzliche Krankenkasse bei Erwachsenen nur zur Behandlung einer gesicherten Eisenmangelanämie. Außerdem muss es ein Präparat mit zweiwertigem Eisen ohne weitere Wirkstoffe sein.
Das regelt der Gemeinsame Bundesausschuss in der Arzneimittel-Richtlinie (Anlage I, OTC-Übersicht). Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr gilt der allgemeine Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel nicht (§ 34 SGB V). Ob ein Präparat verordnet wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Häufige Fragen zu Eisenmangel
Ist Haarausfall ein typisches Zeichen für Eisenmangel?
Haarausfall kann bei einem stärkeren Eisenmangel auftreten, ist aber kein sicheres Zeichen dafür. Weil Haarausfall viele Ursachen hat, sollte ein Mangel zuerst mit einer Blutuntersuchung nachgewiesen werden, bevor Sie Eisen einnehmen.
Ist dunkler Stuhl bei der Einnahme von Eisentabletten bedenklich?
Eine dunkle Verfärbung des Stuhls ist bei Eisentabletten möglich und harmlos. Wenn Sie unsicher sind oder zusätzlich Bauchschmerzen, Schwindel oder Schwäche bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie wirkt sich Eisenmangel in der Schwangerschaft aus?
Bei einer Eisenmangelanämie steigt das Risiko für eine Frühgeburt und ein niedriges Geburtsgewicht. Deshalb werden die Blutwerte in der Schwangerschaft mehrmals kontrolliert. Eisenpräparate sind vor allem bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
Welche Getränke hemmen die Aufnahme von Eisentabletten?
Cola, Kaffee, schwarzer und grüner Tee sowie Milch können die Aufnahme verringern. Nehmen Sie Eisentabletten deshalb am besten mit Wasser ein; ein Glas Orangensaft kann die Aufnahme fördern.
Können auch Kinder einen Eisenmangel bekommen?
Ja, Kinder brauchen im Wachstum mehr Eisen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann zudem viel Kuhmilch die Eisenaufnahme hemmen. Ein schwerer, lang anhaltender Mangel kann bei Kleinkindern die Entwicklung beeinträchtigen.
Kann man über die Ernährung zu viel Eisen aufnehmen?
Bei gesunden Menschen mit normaler Darmfunktion ist das Risiko über normale Lebensmittel gering, weil der Körper die Aufnahme regelt. Anders ist es zum Beispiel bei Menschen mit Hämochromatose oder bestimmten Blutkrankheiten.
Quellen
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie lässt sich ein Eisenmangel behandeln?. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Ferritin. Abgerufen am .
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Eisenmangel in der Schwangerschaft. Abgerufen am .
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): FAQ Eisen. Abgerufen am .
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Arzneimittel-Richtlinie, Anlage I: OTC-Übersicht. Abgerufen am .
- Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .