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Haut und Haare

Haarausfall: Formen, Ursachen und Behandlung

Ein paar Haare in der Bürste sind normal. Hier lesen Sie, wann man von Haarausfall spricht, welche Formen es gibt und was bei der Behandlung infrage kommt.

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Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Ein gesunder Mensch verliert jeden Tag etwa 70 bis 100 Kopfhaare, die meist unbemerkt nachwachsen. Von Haarausfall spricht man, wenn deutlich mehr Haare ausgehen oder sichtbar lichte oder kahle Stellen entstehen.

Am häufigsten ist der erblich bedingte Haarausfall. Er gilt nicht als Krankheit, kann aber sehr belasten. Daneben gibt es den kreisrunden Haarausfall, an dem das Immunsystem beteiligt ist, und den diffusen Haarausfall, den zum Beispiel Fieber, Medikamente oder ein Eisenmangel auslösen können.

Eine Hautärztin oder ein Hautarzt erkennt die Form oft schon am Muster und prüft bei Bedarf Blutwerte. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Ursache ab.

Was ist Haarausfall und was ist noch normal?

Haare wachsen in Zyklen und fallen am Ende jedes Zyklus von selbst aus. Ein Verlust von etwa 70 bis 100 Kopfhaaren am Tag ist normal, weil gleichzeitig neue nachwachsen.

Jedes Haar durchläuft eine lange Wachstumsphase, eine kurze Übergangsphase und eine Ruhephase, nach der es ausfällt. Zu jedem Zeitpunkt sind etwa 90 Prozent der Haare in der Wachstumsphase.

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Begriffe: Beim Effluvium fallen vorübergehend mehr Haare aus als üblich. Bei einer Alopezie bleiben lichte oder kahle Stellen zurück, weil keine neuen Haare nachwachsen. Manche Formen bilden sich zurück, andere bleiben dauerhaft.

Welche Formen von Haarausfall gibt es?

Die wichtigsten Formen sind der erblich bedingte, der kreisrunde und der diffuse Haarausfall. Sie unterscheiden sich im Muster und in den Ursachen.

  • Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie): Bei Männern beginnt er meist mit Geheimratsecken, später lichtet sich der obere Hinterkopf. Bei Frauen bleibt der Haaransatz an der Stirn meist erhalten, dafür wird das Haar in der Kopfmitte nach und nach dünner.
  • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Oft plötzlich entstehen runde, scharf begrenzte kahle Stellen, die sich ausdehnen können. Die Haut darunter ist nicht geschädigt. Der Haarverlust kann bis zum Verlust aller Kopf- und Körperhaare reichen.
  • Diffuser Haarausfall: Die Haare werden über den ganzen Kopf gleichmäßig dünner, ohne kahle Stellen. Häufig gibt es einen Auslöser, etwa eine fieberhafte Erkrankung oder ein Medikament.

Haarausfall: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Atemnot, Schwellungen an Gesicht, Zunge oder Hals nach dem Auftragen oder Einnehmen eines Mittels
  • Haarausfall zusammen mit hohem Fieber und Verwirrtheit oder starker Benommenheit

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Haare fallen seit wenigen Wochen plötzlich büschelweise aus, zusammen mit Fieber oder starker Abgeschlagenheit
  • Stark gerötete, schmerzende oder nässende Stellen auf der Kopfhaut mit Fieber

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Seit Wochen deutlich mehr Haarausfall als gewohnt
  • Kahle, runde Stellen am Kopf, im Bart oder an den Augenbrauen
  • Haarausfall zusammen mit Müdigkeit, Blässe oder brüchigen Nägeln
  • Haarausfall nach Beginn eines neuen Medikaments (nicht eigenmächtig absetzen)
  • Vor der Anwendung von Mitteln gegen erblichen Haarausfall
  • Wenn der Haarausfall Sie stark belastet
Hautarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was sind die Ursachen von Haarausfall?

Beim erblichen Haarausfall reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf männliche Hormone. Die anderen Formen haben ganz unterschiedliche Auslöser, vom Immunsystem bis zum Nährstoffmangel.

Beim erblich bedingten Haarausfall liegt in der Regel keine Hormonstörung vor. Die Haarwurzeln sind erblich bedingt überempfindlich gegenüber einem Abkömmling des Testosterons. Dadurch verkürzt sich die Wachstumsphase und die Haare werden mit der Zeit feiner. Betroffen sind bis zu 70 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen, mit dem Alter nimmt die Häufigkeit zu. Haarausfall bei Vater oder Großvätern ist ein typischer Hinweis.

Beim kreisrunden Haarausfall richtet sich das Immunsystem gegen die Haarwurzeln. Warum das geschieht, ist nicht vollständig geklärt; vermutlich wirken Erbanlagen und äußere Einflüsse zusammen. In Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft etwa 170.000 Menschen betroffen. Die Erkrankung kommt in jedem Alter vor, Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen.

Einen diffusen Haarausfall können unter anderem auslösen:

  • fieberhafte Erkrankungen
  • bestimmte Medikamente
  • eine Unterfunktion der Schilddrüse
  • ein stärkerer Eisenmangel
  • Erkrankungen der Kopfhaut
  • dauerhafter Zug oder Druck auf die Haare, etwa durch straffe Frisuren

Wie wird Haarausfall untersucht?

Meist genügen ein Gespräch und ein genauer Blick auf Kopfhaut und Haarmuster. Blutuntersuchungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn das Bild nicht eindeutig ist.

Die Ärztin oder der Arzt fragt, seit wann die Haare ausfallen, ob es Auslöser wie eine Erkrankung oder neue Medikamente gab und ob Familienmitglieder betroffen sind.

Bei typischem erblichem Haarausfall sind keine weiteren Untersuchungen nötig. Gibt es Hinweise auf eine andere Ursache, helfen gezielte Blutwerte, zum Beispiel zu Schilddrüse, Eisenspeichern oder Hormonen. Ein erstes Gespräch ist oft auch in einer Videosprechstunde möglich. Ob eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Welche Behandlung hilft bei Haarausfall?

Das hängt von der Form ab. Steckt ein Auslöser wie ein Eisenmangel oder eine Schilddrüsenerkrankung dahinter, wird zuerst dieser behandelt.

Erblicher Haarausfall: Eine Behandlung ist medizinisch nicht notwendig, kann bei Leidensdruck aber sinnvoll sein. In der Apotheke gibt es rezeptfreie Lösungen und Schäume mit dem Wirkstoff Minoxidil zum Auftragen auf die Kopfhaut. Wegen möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sollten Sie die Anwendung vorher ärztlich besprechen, vor allem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und die Packungsbeilage beachten. Eine Wirkung zeigt sich erst nach Monaten; anfangs können vorübergehend sogar mehr Haare ausfallen.

Für Männer gibt es außerdem verschreibungspflichtige Mittel, die in den Hormonstoffwechsel der Haarwurzel eingreifen. Sie können Nebenwirkungen haben, auch auf die Sexualfunktion, und nach dem Absetzen gehen die gewonnenen Haare mit der Zeit wieder verloren. Ob ein Medikament infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach einem Aufklärungsgespräch. Bei einer Haartransplantation werden eigene Haarwurzeln vom Hinterkopf in lichte Bereiche verpflanzt; Narben, Wundheilungsstörungen und Entzündungen sind möglich.

Kreisrunder Haarausfall: Bei kleinen, umschriebenen Stellen kann Abwarten in den ersten Monaten eine Möglichkeit sein. Eingesetzt werden unter anderem Kortison zum Auftragen, eine gezielte Reiztherapie der Kopfhaut und bei schweren Verläufen Medikamente, die in das Immunsystem eingreifen. Diese bessern die Beschwerden bei einem Teil der Betroffenen, nach dem Absetzen fallen die Haare oft wieder aus.

Für Nahrungsergänzungsmittel wie Zink oder Pflanzenextrakte ist eine Wirkung gegen erblichen Haarausfall nicht nachgewiesen.

Was können Sie bei Haarausfall selbst tun?

Der wichtigste Schritt ist, die Ursache klären zu lassen. Daneben helfen Geduld, eine schonende Haarpflege und realistische Erwartungen.

  • Lassen Sie sich früh beraten, wenn Sie eine Behandlung wünschen. Beim erblichen Haarausfall sind die Aussichten im frühen Stadium besser.
  • Nehmen Sie Eisen nicht auf Verdacht ein. Ohne nachgewiesenen Mangel bringt es in der Regel keinen Vorteil, zu viel Eisen kann schaden.
  • Vermeiden Sie Frisuren, die dauerhaft stark an den Haaren ziehen.
  • Rechnen Sie damit, dass die frühere Haardichte auch mit Behandlung oft nicht wieder erreicht wird.
  • Perücken, Haarteile oder gewickelte Tücher können helfen, schwierige Phasen zu überbrücken.
  • Wenn der Haarausfall Sie seelisch belastet, sprechen Sie es an. Psychologische Unterstützung und Selbsthilfegruppen können entlasten.

Zahlt die Krankenkasse die Behandlung von Haarausfall?

Arzneimittel, die vor allem den Haarwuchs verbessern sollen, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nicht. Das regelt § 34 des Fünften Sozialgesetzbuchs (SGB V).

Erblich bedingter Haarausfall gilt nicht als Krankheit. Die Kosten für Mittel dagegen und für eine Haartransplantation tragen Sie deshalb in der Regel selbst. Steckt eine Erkrankung wie eine Schilddrüsenunterfunktion hinter dem Haarausfall, steht deren Behandlung im Vordergrund. Was im Einzelfall übernommen wird, beantwortet Ihre Krankenkasse. Für eine ärztliche Einschätzung können Sie auch eine Anfrage zum Thema Haarausfall stellen.

Häufige Fragen zu Haarausfall

Wachsen die Haare nach kreisrundem Haarausfall wieder nach?

Kleine Stellen erholen sich oft innerhalb weniger Monate, auch ohne Behandlung. Der Verlauf ist aber nicht vorhersehbar: Es kann zu neuen Schüben kommen, und nachwachsende Haare sind anfangs häufig farblos.

Wie lange dauert es, bis eine Behandlung gegen Haarausfall sichtbar wirkt?

Meist mehrere Monate. Kopfhaar wächst nur etwa einen Zentimeter im Monat, deshalb ist ein Unterschied erst spät zu sehen. Planen Sie die Kontrolle mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entsprechend ein.

Helfen Vitamine wie Biotin gegen Haarausfall?

Für erblichen und kreisrunden Haarausfall ist ein Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln wie Biotin, Zink oder Vitamin D nicht belegt. Sinnvoll sind Präparate vor allem dann, wenn ein Mangel nachgewiesen ist.

Kommt der Haarausfall zurück, wenn man die Behandlung beendet?

Häufig ja. Beim erblichen Haarausfall gehen die gewonnenen Haare nach dem Absetzen verschreibungspflichtiger Mittel mit der Zeit wieder verloren, beim kreisrunden Haarausfall fallen sie nach dem Absetzen oft erneut aus.

Kann ich Haarausfall in einer Videosprechstunde besprechen?

Für ein erstes Gespräch über Verlauf, Auslöser und Möglichkeiten eignet sich oft auch ein Videotermin. Ob zusätzlich eine Untersuchung der Kopfhaut oder eine Blutabnahme vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Ist erblich bedingter Haarausfall bei Männern ein Zeichen für zu viel Testosteron?

Nein. In der Regel ist der Hormonspiegel normal. Entscheidend ist eine erblich bedingte Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber einem Abkömmling des Testosterons.

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Anlagebedingter Haarausfall beim Mann: Was man dagegen tun kann. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie sind Haare aufgebaut und wie wachsen sie?. Abgerufen am .
  3. Deutsche Dermatologische Gesellschaft: Leitlinie zum kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) will heterogene Versorgung beseitigen. Abgerufen am .
  4. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: ICD-Code L63.9: Alopecia areata, nicht näher bezeichnet. Abgerufen am .
  5. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: ICD-Code L65.9: Haarausfall ohne Narbenbildung, nicht näher bezeichnet. Abgerufen am .
  6. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie. Abgerufen am .
  7. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Abgerufen am .
  8. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .

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