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Stoffwechsel und Hormone

Vitamin-D-Mangel: Ursachen, Test und wann Präparate sinnvoll sind

Niedrige Vitamin-D-Werte im Blut sind häufig, ein Mangel mit Beschwerden ist dagegen selten. Hier lesen Sie, wer gefährdet ist, wann ein Test sinnvoll ist und wer Präparate braucht.

Fachlich noch nicht geprüft

Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 5 Minuten7 Quellen

Kurz gefasst

Vitamin D ist wichtig für gesunde Knochen. Der Körper bildet es zum größten Teil selbst in der Haut, wenn UV-B-Strahlung der Sonne darauf fällt. Über die Nahrung kommen meist nur etwa 10 bis 20 Prozent des Bedarfs.

Niedrige Blutwerte sind vor allem im Winter häufig. Von einem Vitamin-D-Mangel sprechen Fachleute nach der Definition des Robert Koch-Instituts aber erst, wenn zusätzlich eine Knochenerkrankung Beschwerden verursacht. Ein solcher Mangel ist selten.

Für Erwachsene ohne Beschwerden ist der Nutzen eines Vitamin-D-Tests nicht belegt. Präparate sind vor allem für Säuglinge, ältere Menschen, die kaum ins Freie kommen, und Menschen mit bestimmten Erkrankungen sinnvoll.

Was ist ein Vitamin-D-Mangel?

Vitamin D sorgt dafür, dass der Darm genug Calcium aus der Nahrung aufnimmt. Ein Mangel im medizinischen Sinn liegt vor, wenn die Blutwerte zu niedrig sind und gleichzeitig eine Knochenerkrankung Beschwerden verursacht.

Niedrige Blutwerte allein sind noch kein Mangel, können aber auf eine unzureichende Versorgung hinweisen. In Deutschland haben etwa 13 Prozent der Kinder und Jugendlichen und etwa 15 Prozent der Erwachsenen Werte unter der Grenze, die das RKI für eine zu niedrige Versorgung verwendet. Knochenerkrankungen durch fehlendes Vitamin D sind hierzulande dagegen sehr selten.

Fehlt Vitamin D über längere Zeit, sinkt der Calciumspiegel im Blut. Der Körper holt sich dann Calcium aus den Knochen, die dadurch weicher werden. Bei Kindern heißt das Rachitis, bei Erwachsenen Osteomalazie (Knochenerweichung).

Welche Anzeichen kann ein Vitamin-D-Mangel haben?

Niedrige Werte verursachen meist keine Beschwerden. Erst bei einem echten Mangel mit Knochenerweichung können Schmerzen und Muskelschwäche auftreten.

  • dumpfe, anhaltende Knochenschmerzen, auch Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Muskelschwäche, die zum Beispiel Gehen oder Treppensteigen erschwert
  • Müdigkeit
  • bei älteren Menschen ein höheres Risiko für Stürze und Knochenbrüche
  • bei Kindern verzögertes Wachstum, O- oder X-Beine, schwache Muskeln und häufige Infekte

Vitamin-D-Mangel: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Bewusstseinsstörung, starke Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen nach der Einnahme hoch dosierter Vitamin-D-Präparate
  • Sturz mit starken Schmerzen, Fehlstellung eines Arms oder Beins oder wenn die Person nicht mehr aufstehen kann

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • Anhaltendes Erbrechen, starke Übelkeit oder Bauchkrämpfe nach der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Anhaltende Knochen-, Muskel- oder Gelenkschmerzen und Muskelschwäche
  • Ältere oder pflegebedürftige Angehörige, die kaum ins Freie kommen
  • Chronische Darm-, Nieren- oder Lebererkrankung oder Medikamente, die den Vitamin-D-Haushalt beeinflussen
  • Fragen zur Vitamin-D-Gabe bei Ihrem Baby
  • Einordnung eines vorhandenen Vitamin-D-Werts
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

Am häufigsten fehlt Vitamin D, wenn die Haut zu wenig Sonne bekommt. In Deutschland bildet der Körper im Winter wenig oder kein Vitamin D, die Speicher aus den Monaten März bis Oktober reichen aber meist über den Winter.

  • Menschen, die sich überwiegend drinnen aufhalten, besonders ältere oder pflegebedürftige Menschen
  • Säuglinge, deren empfindliche Haut nicht viel Sonne abbekommen sollte
  • Menschen mit dunkler Haut und Menschen, die den Körper meist bedeckt halten oder ständig Sonnenschutz verwenden
  • ältere Menschen, weil die Haut mit dem Alter weniger Vitamin D bildet, und Menschen mit starkem Übergewicht (Adipositas)
  • Menschen mit chronischen Darm-, Nieren- oder Lebererkrankungen, Zöliakie oder Mukoviszidose
  • Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen, etwa gegen Epilepsie oder Krebs

Wann ist ein Vitamin-D-Test sinnvoll?

Ein Test ist vor allem sinnvoll, wenn Beschwerden oder Erkrankungen auf einen Mangel hindeuten. Für Erwachsene ohne Anzeichen eines Mangels hat der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes keinen belegten Nutzen eines Vitamin-D-Screenings gefunden und bewertet es mit „unklar“.

Gemessen wird 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-D) im Blut. Der Wert ist im Winter niedriger als im Sommer und hängt auch von der Labormethode ab. Ein einzelner Wert sagt deshalb wenig, bei Bedarf wird zu verschiedenen Jahreszeiten gemessen. Laut IQWiG gelten nach RKI Werte unter 12 ng/ml als zu niedrig, als guten Status beschreibt das RKI Werte zwischen 20 und 50 ng/ml. Manche Labore geben den Wert in nmol/l an, die Einordnung übernimmt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Bei Verdacht auf einen echten Mangel werden oft weitere Werte bestimmt, etwa Calcium, Phosphat, Parathormon und alkalische Phosphatase. Eine Röntgenaufnahme kann eine Rachitis oder Osteomalazie bestätigen. Vorhandene Laborwerte besprechen können Sie auch per Videosprechstunde. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Zahlt die Krankenkasse den Vitamin-D-Test?

Liegt eine medizinische Notwendigkeit vor, etwa ein begründeter Verdacht auf einen Mangel oder bestimmte chronische Erkrankungen, können die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen. Ohne solchen Anlass ist der Test eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die Sie selbst zahlen.

Der IGeL-Monitor nennt Laborkosten von rund 28 bis 32 Euro, hinzu können Kosten für Beratung und Blutabnahme kommen. Mehr zu Selbstzahlerleistungen lesen Sie unter IGeL.

Rezeptfreie Vitamin-D-Präparate zahlt die Kasse bei Erwachsenen grundsätzlich nicht. Ausnahmen regelt der Gemeinsame Bundesausschuss in der Arzneimittel-Richtlinie, zum Beispiel zur Behandlung einer manifesten Osteoporose oder während einer längeren Behandlung mit Kortison. Für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr gilt der Ausschluss rezeptfreier Arzneimittel nicht.

Wie können Sie einem Vitamin-D-Mangel vorbeugen?

Für die meisten gesunden Menschen reicht regelmäßiger Aufenthalt im Freien. Von Frühling bis Herbst genügt es meist, Gesicht, Hände und Arme etwa zwei- bis dreimal pro Woche einige Minuten ohne Sonnenschutz der Sonne auszusetzen.

  • Als Faustregel gilt etwa die Hälfte der Zeit, nach der ungeschützt ein Sonnenbrand entstehen würde. Gehen Sie aus der Sonne, bevor die Haut rot wird, und meiden Sie im Sommer die Mittagssonne.
  • Menschen mit dunkler Haut brauchen deutlich mehr UV-B-Strahlung für dieselbe Menge Vitamin D.
  • Fetter Seefisch wie Hering, Makrele oder Lachs, Leber, Eigelb und einige Pilze enthalten nennenswerte Mengen. Über die Ernährung allein lässt sich der Bedarf aber meist nicht decken.

Für wen sind Vitamin-D-Präparate sinnvoll?

Ohne besonderen Grund bringen Vitamin-D-Präparate gesunden Menschen in der Regel keinen Nutzen. Sinnvoll sind sie vor allem für Säuglinge, ältere Menschen, die überwiegend drinnen leben, und manche Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Für Babys wird Vitamin D in den ersten 12 bis 18 Lebensmonaten zum Schutz vor Rachitis empfohlen; Eltern können das in der Kinderarztpraxis besprechen. Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen scheinen laut IGeL-Monitor von einer Ergänzung zu profitieren. Bei selbstständig lebenden Menschen mit niedrigen Werten, aber ohne Beschwerden zeigten Studien dagegen keinen Nutzen, etwa bei Knochenbrüchen oder Infekten.

Die DGE schätzt den Bedarf für Kinder und Erwachsene auf 20 Mikrogramm am Tag, wenn der Körper selbst kein Vitamin D bildet. Zu viel Vitamin D erhöht den Calciumspiegel im Blut und kann Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Appetitlosigkeit auslösen, in schweren Fällen Nierensteine, Nierenschäden oder Herzrhythmusstörungen. Deutlich höher dosierte Präparate sind nur nach festgestelltem Mangel und auf ärztlichen Rat sinnvoll. Ob und welches Präparat für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Häufige Fragen zu Vitamin-D-Mangel

Bildet die Haut hinter einer Fensterscheibe Vitamin D?

Nein. Fensterglas hält die UV-B-Strahlung ab, die die Haut für die Bildung von Vitamin D braucht. Ein sonniger Platz am Fenster ersetzt den Aufenthalt im Freien deshalb nicht.

Warum schwankt der Vitamin-D-Wert im Laufe des Jahres?

Die Haut bildet Vitamin D vor allem unter UV-B-Strahlung, die in Deutschland im Herbst und Winter schwach ist. Der Wert ist deshalb im Winter meist niedriger als im Sommer, ohne dass das allein einen Mangel bedeutet.

Kann man Vitamin-D-Präparate überdosieren?

Ja, vor allem mit hoch dosierten Präparaten über längere Zeit. Vitamin D ist fettlöslich und kann sich im Körper anreichern. Halten Sie sich an die empfohlene Tagesmenge und sprechen Sie höhere Mengen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Schützen Vitamin-D-Präparate vor Depressionen oder Herzerkrankungen?

Bei selbstständig lebenden Menschen mit niedrigen Werten, aber ohne Mangelbeschwerden zeigten Studien keinen Nutzen gegen Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes oder Krebs.

Welche Lebensmittel sind mit Vitamin D angereichert?

In Deutschland dürfen Margarine und Streichfette mit Vitamin D angereichert werden. Außerdem sind einige mit UV-Licht behandelte Lebensmittel wie Pilze, Backhefe, Hefebrot oder Milch zugelassen; sie müssen gekennzeichnet sein.

Wie oft sollte der Vitamin-D-Wert kontrolliert werden?

Ohne konkreten Anlass sind regelmäßige Kontrollen nicht nötig. Wird ein echter Mangel behandelt, prüft die Ärztin oder der Arzt die Blutwerte meist nach etwa 4 bis 6 Wochen; die Behandlung dauert in der Regel etwa drei Monate.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Vitamin-D-Mangel. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie hoch ist der Vitamin-D-Bedarf und wie lässt er sich decken?. Abgerufen am .
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte: Vitamin D. Abgerufen am .
  4. Medizinischer Dienst Bund, IGeL-Monitor: Früherkennungsuntersuchung auf Vitamin-D-Mangel. Abgerufen am .
  5. Verbraucherzentrale: Vitamin-D-Messung: eine sinnvolle IGe-Leistung?. Abgerufen am .
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Arzneimittel-Richtlinie, Anlage I: OTC-Übersicht. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .

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