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Magen und Darm

Reflux und Sodbrennen: Ursachen, Warnzeichen und Behandlung

Sodbrennen ist häufig und meist harmlos. Hier lesen Sie, wann eine Refluxkrankheit dahintersteckt, was Sie selbst tun können und welche Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten.

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Zuletzt aktualisiert: Lesezeit etwa 6 Minuten8 Quellen

Kurz gefasst

Beim Reflux fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Viele spüren das als Brennen hinter dem Brustbein, das bis in den Hals aufsteigen kann, oder als saures Aufstoßen. Gelegentliches Sodbrennen, etwa nach einem üppigen Essen, ist verbreitet und meist harmlos: In westlichen Ländern haben bis zu 25 von 100 Menschen zeitweise solche Beschwerden.

Von einer Refluxkrankheit sprechen Fachleute, wenn die Beschwerden häufig oder stark sind und die Lebensqualität mindern oder wenn die Speiseröhre entzündet ist. Geänderte Gewohnheiten, Medikamente und in manchen Fällen eine Operation können die Beschwerden lindern.

Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust, wiederholtes Erbrechen oder Zeichen einer Blutung wie schwarzer Stuhl gehören zügig in ärztliche Hände. Brustschmerzen können auch vom Herzen kommen; im Zweifel wählen Sie die 112.

Was ist eine Refluxkrankheit?

Eine Refluxkrankheit liegt vor, wenn Mageninhalt so oft oder so stark in die Speiseröhre zurückfließt, dass die Beschwerden belasten oder sich die Schleimhaut entzündet.

Normalerweise verhindert ein Verschluss am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen, dass saurer Magensaft nach oben steigt. Daran wirken die Muskeln der Speiseröhre und das Zwerchfell zusammen. Schließt dieser Übergang nicht zuverlässig, reizt die Säure die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre.

Die Erkrankung verläuft meist langwierig und in Schüben: Auf Phasen mit vielen Beschwerden folgen ruhigere Zeiten. Bei bis zu zwei von drei Menschen mit Refluxbeschwerden zeigt die Speiseröhre keine sichtbaren Schäden, und bei den meisten schreitet die Erkrankung nicht fort.

Welche Beschwerden sind bei Reflux typisch?

Typisch sind ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein und saures Aufstoßen, häufig nach dem Essen, beim Bücken oder im Liegen.

Wie stark die Beschwerden sind, verrät wenig darüber, ob die Speiseröhre tatsächlich entzündet ist. Darum ist die ärztliche Einschätzung wichtiger als die eigene Vermutung.

  • Brennen, das vom Oberbauch oder hinter dem Brustbein Richtung Hals aufsteigt
  • Aufstoßen von Säure oder Mageninhalt bis in den Mund
  • Brennen im Hals, unangenehmer Geschmack, starkes Völlegefühl, manchmal Übelkeit
  • Beschwerden außerhalb der Speiseröhre wie anhaltender Husten, Heiserkeit, asthmaähnliche Anfälle oder Schäden am Zahnschmelz

Reflux und Sodbrennen: Wann zum Arzt?

Bei Warnzeichen zählt jede Minute. Für alles andere ist Ihre Hausarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Sofort den Notruf 112 wählen

Zum Beispiel bei:

  • Brustschmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten und in Ruhe nicht nachlassen, besonders mit Atemnot, Übelkeit, kaltem Schweiß oder Ausstrahlung in Arm, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
  • Erbrechen von Blut zusammen mit Schwindel, Herzrasen oder Ohnmacht
  • plötzliche, sehr starke Bauchschmerzen

Noch heute ärztlich abklären, außerhalb der Sprechzeiten 116117

Zum Beispiel bei:

  • schwarzer, teerartiger Stuhl oder rot oder schwarz gefärbtes Erbrochenes ohne Kreislaufbeschwerden
  • Essen bleibt in der Speiseröhre stecken und lässt sich nicht hinunterschlucken

Termin in der Praxis oder per Video

Zum Beispiel bei:

  • Sodbrennen oder saures Aufstoßen mehrmals pro Woche oder über mehrere Wochen
  • rezeptfreie Mittel helfen nicht oder werden regelmäßig gebraucht
  • Schluckbeschwerden, ungewollter Gewichtsverlust oder wiederholtes Erbrechen (zeitnah)
  • anhaltender Husten oder Heiserkeit ohne Erkältung
  • Krebserkrankungen von Speiseröhre oder Magen in der Familie
  • Sie nehmen seit Langem Säureblocker und möchten die Behandlung überprüfen lassen
Hausarzt: Praxis finden

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose. Im Zweifel lassen Sie Beschwerden lieber einmal mehr ärztlich ansehen.

Was sind Ursachen und Auslöser von Reflux?

Oft lässt sich keine einzelne Ursache finden; meist arbeitet der Verschluss zwischen Speiseröhre und Magen nicht richtig.

Auch schlanke Menschen können Reflux haben. Welche Speisen stören, ist sehr unterschiedlich; häufig genannt werden Kaffee, Schokolade, fette oder scharfe Gerichte, Zitrusfrüchte und kohlensäurehaltige Getränke. Verordnete Medikamente setzen Sie bitte nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen mit Ihrer Praxis.

  • ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie), bei dem ein Teil des Magens nach oben rutscht
  • eine Speiseröhre, die Säure langsamer abtransportiert oder besonders empfindlich reagiert
  • Übergewicht, das den Druck im Bauchraum erhöht
  • große oder sehr kalorienreiche Mahlzeiten und Hinlegen kurz nach dem Essen
  • persönliche Auslöser wie Stress, Alkohol, Rauchen, bestimmte Speisen oder körperliche Anstrengung
  • einige Medikamente, zum Beispiel bestimmte Blutdrucksenker oder die Pille

Welche Warnzeichen sollten Sie bei Sodbrennen ernst nehmen?

Bestimmte Beschwerden sprechen dafür, dass mehr dahinterstecken könnte als eine gereizte Speiseröhre. Die Fachleitlinie empfiehlt dann ohne Aufschub eine Magenspiegelung.

Auf Dauer kann Säure die Schleimhaut verändern. Etwa 5 von 100 Menschen mit Reflux entwickeln über die Jahre einen Barrett-Ösophagus, eine Umwandlung der Schleimhaut am unteren Ende der Speiseröhre. Das Risiko für Speiseröhrenkrebs steigt dadurch etwas, bleibt aber gering: Über zehn Jahre erkrankt von 1.000 Menschen mit Reflux ohne Barrett-Ösophagus höchstens einer, mit Barrett-Ösophagus etwa zehn. Nach starken Entzündungen können außerdem Narben die Speiseröhre verengen.

  • Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Schlucken
  • ungewollter Gewichtsverlust oder anhaltende Appetitlosigkeit
  • wiederholtes Erbrechen
  • Hinweise auf eine Blutung, etwa schwarzer Stuhl, Blut im Erbrochenen oder eine Blutarmut durch Eisenmangel
  • Krebserkrankungen des Verdauungstrakts in der Familie

Wie wird Reflux festgestellt?

Meist genügt das ärztliche Gespräch: Wer seine Beschwerden genau beschreibt, liefert die wichtigsten Hinweise.

Die Ärztin oder der Arzt fragt, wo und wie oft es brennt, ob die Beschwerden nach dem Essen, nüchtern oder im Liegen auftreten und welche Medikamente Sie einnehmen. Ohne Warnzeichen kann eine Behandlung oft direkt beginnen.

Bei Warnzeichen oder wenn eine erste Behandlung nicht hilft, folgt eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Dabei wird ein dünner, biegsamer Schlauch mit Kamera über den Mund eingeführt. Bleibt das Bild unklar, kann der Säuregehalt in der unteren Speiseröhre über mindestens 24 Stunden mit einer feinen Sonde gemessen werden (pH-Metrie).

Welche Medikamente und Behandlungen helfen bei Reflux?

Reichen geänderte Gewohnheiten nicht aus, kommen Medikamente infrage, die Magensäure binden oder ihre Bildung bremsen.

Bei rezeptfreien Mitteln gilt: Lesen Sie die Packungsbeilage und lassen Sie sich in der Apotheke beraten, vor allem wenn Sie weitere Medikamente nehmen. Auch Säurebinder können in größeren Mengen Nebenwirkungen haben. Werden PPI lange eingenommen, besonders länger als ein Jahr und hoch dosiert, kann das Risiko für Knochenbrüche steigen. Ob und wie lange ein Medikament sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Helfen Medikamente nicht ausreichend oder möchten Betroffene sie nicht dauerhaft nehmen, kann eine Operation infrage kommen. Dabei wird meist per Schlüssellochtechnik der obere Teil des Magens um das Ende der Speiseröhre gelegt, um den Verschluss zu stärken. Danach können Blähungen oder Schluckbeschwerden auftreten.

  • Protonenpumpenhemmer (PPI) drosseln die Säurebildung und lindern Beschwerden und Entzündungen besser als die anderen Mittel. In Studien hatten nach zwei bis acht Wochen etwa 70 von 100 Behandelten kaum noch Sodbrennen, mit einem Scheinmedikament etwa 25 von 100. In geringer Stärke und kleinen Packungen gibt es sie rezeptfrei in der Apotheke, sonst auf Rezept.
  • H2-Blocker hemmen die Säurebildung ebenfalls, wirken aber schwächer als PPI.
  • Säurebinder (Antazida) und Alginate, die im Magen eine Art Gelschicht bilden, sind rezeptfrei. Ihr Nutzen bei der Refluxkrankheit ist nicht gut belegt; bei gelegentlichem, leichtem Sodbrennen werden sie häufig verwendet.

Was können Sie selbst gegen Sodbrennen tun?

Einige Änderungen im Alltag können Beschwerden verringern. Wie gut sie wirken, ist nur teilweise untersucht und von Mensch zu Mensch verschieden.

Für ein Gespräch über typische Beschwerden oder einen Befund kann eine Videosprechstunde infrage kommen. Ob ein Videotermin reicht oder eine Untersuchung vor Ort nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Ein Rezept gibt es nur nach ärztlichem Ermessen, ein Anspruch darauf besteht nicht.

  • kleinere Portionen essen und große, fettreiche Mahlzeiten meiden
  • abends nicht spät essen und sich nach dem Essen mindestens drei Stunden nicht hinlegen
  • bei nächtlichen Beschwerden das Kopfende des Bettes erhöhen oder auf der linken Seite schlafen
  • bei Übergewicht abnehmen, was Beschwerden bessern kann
  • weniger Alkohol trinken und mit dem Rauchen aufhören
  • ein Beschwerdetagebuch führen und gezielt weglassen, was bei Ihnen Beschwerden auslöst

Häufige Fragen zu Reflux und Sodbrennen

Kann eine Refluxkrankheit auch ohne Sodbrennen auftreten?

Ja. Manche Menschen bemerken vor allem saures Aufstoßen, Heiserkeit, Räuspern oder anhaltenden Husten. Wenn solche Beschwerden ohne erkennbaren Grund bestehen bleiben, lohnt es sich, Reflux als mögliche Ursache anzusprechen.

Wie lange darf man rezeptfreie Mittel gegen Sodbrennen nehmen?

Maßgeblich ist die Packungsbeilage; im Zweifel berät die Apotheke. Wer Mittel gegen Sodbrennen regelmäßig oder über längere Zeit braucht, sollte die Ursache ärztlich klären lassen.

Zahlt die Krankenkasse Mittel gegen Sodbrennen?

Rezeptfreie Arzneimittel zahlen die gesetzlichen Kassen bei Erwachsenen grundsätzlich nicht; Ausnahmen gelten unter anderem für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr. Ob ein verschreibungspflichtiges Mittel nötig ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Kann Stress Sodbrennen verstärken?

Viele Menschen mit Reflux berichten, dass Stress ihre Beschwerden auslöst oder verstärkt. Ein Tagebuch kann zeigen, ob das bei Ihnen zutrifft und welche Situationen eine Rolle spielen.

Was tun, wenn ein Säureblocker gegen Reflux nicht hilft?

Dann sollte die Ursache genauer untersucht werden, meist mit einer Magenspiegelung und gegebenenfalls einer Säuremessung. Hinter den Beschwerden kann auch eine andere Erkrankung oder eine besonders empfindliche Speiseröhre stecken.

Wie unterscheidet man Sodbrennen von Herzschmerzen?

Selbst lässt sich das nicht sicher unterscheiden. Halten Brustschmerzen länger als fünf Minuten an oder kommen Atemnot, Übelkeit oder kalter Schweiß hinzu, wählen Sie sofort die 112.

Quellen

  1. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Sodbrennen und Refluxkrankheit. Abgerufen am .
  2. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie wird Reflux behandelt?. Abgerufen am .
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Wie wird eine Refluxkrankheit festgestellt?. Abgerufen am .
  4. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Sodbrennen, Refluxkrankheit: Symptome und Behandlung. Abgerufen am .
  5. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis (AWMF-Register 021-013), März 2023. Abgerufen am .
  6. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre. Abgerufen am .
  7. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de: Herzinfarkt. Abgerufen am .
  8. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de: § 34 SGB V: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel. Abgerufen am .

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